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Flüchtlingskrise in Dänemark : Mit Video: Flüchtlinge auf Autobahn - Dänische Bahn stoppt Zugverkehr mit Deutschland

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Bis zu 400 Flüchtlinge sind zwischen Pattburg und Apenrade zu Fuß auf der Autobahn unterwegs: „Schweden, Schweden“.

Flensburg/Lübeck | Die Flüchtlingkrise bekommt eine neue Dimension: Angesichts Hunderter ankommender Flüchtlinge hat die dänische Bahn ihren Zugverkehr zwischen Deutschland und Dänemark auf unbestimmte Zeit eingestellt. Das bestätigte ein Sprecher der Bahngesellschaft DSB am Mittwoch. Auch die Deutsche Bahn bestätigte dies. Noch ist unklar, wann der Zugverkehr wieder aufgenommen wird.

Durch den gestoppten Grenzverkehr kamen die Flüchtlinge, die in Richtung Norden wollten, mit Regionalzügen in Flensburg an. Diese hielten alle am Bahnhof und die Flüchtlinge stiegen aus. Helfer, unter anderem vom THW, übernahmen die Versorgung der Menschen. Die Landespolizei hat mehrere Busse im Einsatz und brachte etwa 150 Flüchtlinge in eine Einrichtung des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten. Die Einsatzlage konnte laut Polizeisprecher Matthias Glamann unter Einsatz von Sprachmittlern bewältigt werden, so dass es zu keinen Konflikten gekommen sei.

Hintergrund für die Zugausfälle waren Gruppen von Flüchtlingen, die am Nachmittag am Bahnhof im dänischen Pattburg ankamen. Rund 150 Flüchtlinge reisten mit dem Zug um 15.41 Uhr aus Flensburg an, berichtet shz.de-Reporter Hendrik Mulert. Laut Polizei ließ sich rund die Hälfte der Flüchtlinge in die Unterkunft in einer Schule bringen. Polizisten hatten an einem Gleis rund 50 Flüchtlinge umstellt. Die Flüchtlinge hielten Schilder mit der Aufschrift „We want Sweden“ hoch. Das riefen sie auch alle paar Minuten. Helfer versorgen die Menschen mit Essen und Getränken. Auch in Rødby sitzen hunderte Flüchtlinge fest.

 

Die dänische Polizei am Bahnhof.
Die dänische Polizei am Bahnhof. Foto: Hendrik Mulert

Die A7 war mehrere Stunden ab Harrislee bei Flensburg auf Bitten der dänischen Polizei Richtung Norden gesperrt. Seit 15.10 Uhr ist hier wieder freie Fahrt. Auf dänischer Seite bestand die Sperrung in beide Richtungen bei Apenrade.

Der Grund: Zwischen 300 und 400 Flüchtlinge waren auf der Autobahn zwischen dem dänischen Pattburg und Apenrade unterwegs und gingen zu Fuß auf der Autobahn E45 - unter ihnen Schwangere, kleine Kinder und alte Menschen. Laut einem Reporter von shz.de sind es überwiegend Syrer.

Die dänische Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und sperrte die Autobahnauffahrten, um die Flüchtlinge auf der Straße zu schützen. Ein Bus fuhr hinter ihnen her. Manchmal stiegen Flüchtlinge ein, aber nach ein oder zwei Kilometern wieder aus - aus Angst, in Dänemark festgesetzt zu werden.

Sie wollen nach Schweden - und laufen über die Autobahn: Flüchtlinge zwischen Pattburg und Krusau.

Sie wollen nach Schweden - und laufen über die Autobahn: Flüchtlinge zwischen Pattburg und Krusau.

Foto: Søren Gylling

Sie wollen nach Schweden und auf keinen Fall in Dänemark bleiben, sagten die Flüchtlinge im Gespräch mit shz.de. Zur Not möchten sie lieber wieder zurück nach Deutschland, sagten einige. Auf der Autobahn kam es zu dramatischen Szenen. In der prallen Sonne erlitten viele Kreislaufzusammenbrüche. Die dänische Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz versorgten die Menschen.

Flüchtlinge und Reporter unter einer Brücke der A45 bei Pattburg.

Flüchtlinge und Reporter unter einer Brücke der A45 bei Pattburg.

Foto: shz.de/Karsten Sörensen
 

Henrik Dürr, Journalist von Jydske Vestkysten, begleitete die Flüchtlinge auf der gesperrten Autobahn. „Es sind Hunderte. Ich war auf der Autobahnbrücke und als sie darunter hindurchgingen und die Medien sahen, begannen sie, laut zu rufen: ,Sweden, Sweden, Sweden’“; erzählte Dürr. Er sagte, dass zwei Männer aus der Menge liefen und zu ihm auf die Brücke heraufkamen.

„Sie baten mich, ein Taxi zu rufen, damit sie nach Deutschland kommen könnten. Sie wollten selbstverständlich am liebsten nach Schweden, aber nun wollten und konnten sie nicht mehr“, so Dürr. Mehrere waren aber schon dabei, ein Taxi zu rufen, aber offensichtlich konnte keiner durchkommen. Es endete darum damit, dass die Männer wieder hinuntergingen und die Menge auf der Autobahn einholten. Dürr berichtete am Nachmittag, dass Hunderte Flüchtlinge sich noch immer nordwärts bewegen und dass die Situation so aussieht, als würde sie vorläufig nicht gelöst. „Da war nicht sonderlich viel Polizei, aber die Polizei, die da war, sorgte dafür, dass die Menschen Wasser bekommen.“

Flüchtlingskinder auf der E45 zwischen Pattburg und Apenrade.

Flüchtlingskinder auf der E45 zwischen Pattburg und Apenrade.

Foto: shz.de/Karsten Sörensen
 

Die Flüchtlinge waren in Pattburg in Unterkünften untergebracht und setzten sich am Vormittag von einer Schule und vom Bahnhof aus in Bewegung. Angeblich waren rund 20 Personen nach Deutschland zurückgeschickt worden. Es handelt sich um eine leerstehende Grundschule. Zwei Ärzte sind vor Ort, um die Flüchtlinge zu versorgen. Anwesend sind auch Reporter der New York Times, die über die Lage der Flüchtlinge in Europa berichten wollen.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

Foto: Jydske Vestkysten/Ulrik Pedersen
 

Die dänische Polizei will versuchen, die Menschen auf der Autobahn dazu bewegen, die Fahrbahn zu verlassen. „Das wichtigste war jetzt die Sperrung, damit niemand überfahren wird“, zitiert Jyllands Posten Lisa Dissing von der Polizei in Südjütland. Man habe sich für die vorübergehende Sperrung der Autobahn entschieden, bis man Dolmetscher vor Ort habe, um mit den Flüchtlingen zu reden. Sollten die Flüchtlinge sich weiterhin weigern, den Anweisungen der Polizei zu folgen, müsse man ausgehend von der Situation einen neuen Plan fassen. „Aber wir gehen ruhig und gesprächsbereit in die Situation“, sagte Dissing.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

 

Foto: Jydske Vestkysten/Ulrik Pedersen

In den vergangenen Tagen waren mehr als tausend Flüchtlinge über die Grenze nach Dänemark gelangt – viele auf dem Weg nach Schweden. Die neue dänische Regierung fährt eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik.

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erstellt am 09.Sep.2015 | 16:15 Uhr

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