zur Navigation springen

Flüchtlingskrise in Dänemark : Mit Video: A7 bis zur Grenze wieder frei - Sperrung bei Apenrade

vom

Bis zu 400 Flüchtlinge sind zwischen Pattburg und Apenrade zu Fuß auf der Autobahn unterwegs: „Schweden, Schweden“.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2015 | 16:35 Uhr

Flensburg/Apenrade | Die Flüchtlingskrise bekommt eine neue Dimension: Die A7 war mehrere Stunden ab Harrislee bei Flensburg auf Bitten der dänischen Polizei Richtung Norden gesperrt. Seit 15:10 Uhr ist hier wieder freie Fahrt. Auf dänischer Seite besteht nach wie vor eine Sperrung in beide Richtungen bei Apenrade - aktuell zwischen den Anschlussstellen 72 und 75.

Der Grund: Zwischen 300 und 400 Flüchtlinge sind auf der Autobahn zwischen dem dänischen Pattburg und Apenrade unterwegs und derzeit auf Höhe Klipleff auf der E45 unterwegs - unter ihnen Schwangere, kleine Kinder und alte Menschen. Laut einem Reporter von shz.de sind es überwiegend Syrer.

Die dänische Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz und sperrt die Autobahnauffahrten, um die Flüchtlinge auf der Straße zu schützen. Ein Bus fährt hinter ihnen her. Manchmal steigen Flüchtlinge ein, aber nach ein oder zwei Kilometern wieder aus - aus Angst, in Dänemark festgesetzt zu werden.

Sie wollen nach Schweden - und laufen über die Autobahn: Flüchtlinge zwischen Pattburg und Krusau.

Sie wollen nach Schweden - und laufen über die Autobahn: Flüchtlinge zwischen Pattburg und Krusau.

Foto: Søren Gylling

Sie wollen nach Schweden und auf keinen Fall in Dänemark bleiben, sagen die Flüchtlinge im Gespräch mit shz.de. Zur Not möchten sie lieber wieder zurück nach Deutschland, sagen einige. Auf der Autobahn kommt es zu dramatischen Szenen. In der prallen Sonne erleiden viele Kreislaufzusammenbrüche. Die dänische Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz versorgen die Menschen.

Flüchtlinge und Reporter unter einer Brücke der A45 bei Pattburg.

Flüchtlinge und Reporter unter einer Brücke der A45 bei Pattburg.

Foto: shz.de/Karsten Sörensen
 

Henrik Dürr, Journalist von Jydske Vestkysten, begleitet die Flüchtlinge, der sich noch immer auf der gesperrten Autobahn zwischen Padborg und Kruså Richtung Norden bewegt. „Es sind Hunderte. Ich war auf der Autobahnbrücke und als sie darunter hindurchgingen und die Medien sahen, begannen sie, laut zu rufen: ,Sweden, Sweden, Sweden’“; erzählt Dürr. Er sagt, dass zwei Männer aus der Menge liefen und zu ihm auf die Brücke heraufkamen.

„Sie baten mich, ein Taxi zu rufen, damit sie nach Deutschland kommen könnten. Sie wollten selbstverständlich am liebsten nach Schweden, aber nun wollten und konnten sie nicht mehr“, so Dürr. Mehrere waren aber schon dabei, ein Taxi zu rufen, aber offensichtlich konnte keiner durchkommen. Es endete darum damit, dass die Männer wieder hinuntergingen und die Menge auf der Autobahn einholten. Dürr berichtet, dass die Hunderte Flüchtlinge sich noch immer nordwärts bewegen und dass die Situation so aussieht, als würde sie vorläufig nicht gelöst. „Da war nicht sonderlich viel Polizei, aber die Polizei, die da war, sorgte dafür, dass die Menschen Wasser bekommen.“

Flüchtlingskinder auf der E45 zwischen Pattburg und Apenrade.

Flüchtlingskinder auf der E45 zwischen Pattburg und Apenrade.

Foto: shz.de/Karsten Sörensen
 

Die Flüchtlinge waren in Pattburg in Unterkünften untergebracht und setzten sich am Vormittag von einer Schule und vom Bahnhof aus in Bewegung. Angeblich waren rund 20 Personen nach Deutschland zurückgeschickt worden.

Nach Angaben von shz.de-Reporter Hendrik Mulert, der sich an der Schule befindet, ist unklar, wie viele Personen noch in dem Gebäude sind. Pressevertretern wird derzeit keine Auskunft erteilt. Es handelt es sich um eine leerstehende Grundschule. Zwei Ärzte sind vor Ort, um die Flüchtlinge zu versorgen. Anwesend sind auch Reporter der New York Times, die über die Lage der Flüchtlinge in Europa berichten wollen.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

Foto: Jydske Vestkysten/Ulrik Pedersen
 

Am Bahnhof in Pattburg haben Polizisten an einem Gleis 50 Flüchtlinge umstellt. Die Flüchtlinge halten Schilder mit der Aufschrift „We want Sweden“ hoch. Das rufen sie auch alle paar Minuten.

 

<p>Flüchtlinge am Pattburger Bahnhof. </p>

Flüchtlinge am Pattburger Bahnhof.

Foto: Hendrik Mulert

Die dänische Polizei will versuchen, die Menschen auf der Autobahn dazu bewegen, die Fahrbahn zu verlassen. „Das wichtigste war jetzt die Sperrung, damit niemand überfahren wird“, zitiert Jyllands Posten Lisa Dissing von der Polizei in Südjütland. Man habe sich für die vorübergehende Sperrung der Autobahn entschieden, bis man Dolmetscher vor Ort habe, um mit den Flüchtlingen zu reden. Sollten die Flüchtlinge sich weiterhin weigern, den Anweisungen der Polizei zu folgen, müsse man ausgehend von der Situation einen neuen Plan fassen. „Aber wir gehen ruhig und gesprächsbereit in die Situation“, sagte Dissing. Am frühen Nachmittag waren die Flüchtlinge auf der Höhe von Klipleff.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

Flüchtlinge auf der A7/E45 bei Pattburg in Dänemark.

 

Foto: Jydske Vestkysten/Ulrik Pedersen

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen