Älteste Segelschule in Glücksburg : Mit "Urmel" in See stechen

Kinder, Frauen, Rentner: In Glücksburg kann jeder Segeln lernen. Am Mittwoch befuhr eine Anfänger-Frauencrew die Flensburger Förde. (dpa)
Kinder, Frauen, Rentner: In Glücksburg kann jeder Segeln lernen. Am Mittwoch befuhr eine Anfänger-Frauencrew die Flensburger Förde. (dpa)

Segeln - nur etwas für die Reichen und Schönen? Nicht nur, denn auch Schüler und Rentner lernen in Glücksburg den Umgang mit dem Boot - und das Kentern.

shz.de von
26. August 2011, 08:26 Uhr

"Urmel" und "Wickie" stehen einträchtig nebeneinander in der Werfthalle. Die schmucken kleinen Segelboote tragen die jüngsten Schüler von Deutschlands ältester Segelschule durch die Wellen. Seit 1925 existiert die Hanseatische Yachtschule (HYS), seit der Nachkriegszeit befindet sie sich in Glücksburg. Träger ist der Deutsche Hochseesportverband Hansa.
In der Anfangszeit und bis in die Sechziger Jahre hat Alfried Krupp von Bohlen und Halbach viel gespendet - sogar seine eigene Yacht, "Germania V". Die größte Segelschule in Deutschland ist die HYS auch, wenn man nach den Schülerzahlen geht, erzählt Wolfgang Valentin. Er ist seit fünf Jahren der Schulleiter und sieht genauso aus, wie man sich einen Kapitän vorstellt, ein bisschen wie aus der Fischstäbchen-Werbung: weißer Bart, freundlicher Blick, blaues Hemd.
"Man muss nicht reich sein"
Knapp 3000 Teilnehmer von Kursen und Törns kommen pro Jahr zu ihm an die Flensburger Förde, die Kleinsten sind gerade acht Jahre alt und fahren mit "Optimisten", kurz "Optis" genannt. Etwas älter sind die Junioren, zu den Ältesten gehört ein unverwüstlicher 82-Jähriger, der noch über den Atlantik segelt. Und es sind nicht nur die Reichen und Schönen. "Wir haben für jeden Geldbeutel etwas, man muss nicht reich sein", beteuert Valentin. Dennoch, so ein paar Hundert Euro für eine Segelwoche muss man sich schon leisten können als Mutter oder Vater.
Valentin ist es ein Anliegen, die Schule für alle Schichten zu öffnen, auch für die, die eine gewisse Scheu haben. "Wir wollen den Menschen sagen, guckt doch erstmal." Daher biete man Schnuppersegeln an. Auf dem Wasser ist man sowieso ziemlich gleich, sagt Valentin: "Segeln verbindet vom kleinen bis zum großen Boot." Ganze Klassen lernen hier, "auch Grund- und Hauptschulen", betont Valentin.
Die HYS ist keine kommerzielle Schule, erzählt er. Sie sind eine Gemeinschaft hier, wer mitsegeln will, muss Mitglied werden. Neben Valentin betreuen vier bis fünf Stamm-Lehrer die Segelwilligen, jetzt in der Hochsaison sind es bis zu 35 zeitweilige Ausbilder. Selbst die Sekretärin, die im Hintergrund telefoniert, kann segeln und im Ernstfall einspringen, wenn sich mal jemand etwas brechen sollte.
Kenterübungen machen Kindern am meisten Spaß
Erst vor wenigen Jahren hat die Schule einen Neubau bekommen. Dort sind Schüler untergebracht, die länger bleiben und wie in einer Jugendherberge in der HYS wohnen. Alles ist in elegantem Mahagoni eingerichtet, das maritime Flair selbst auf den Fluren erkennbar.
Draußen hängt auf einer Leine nasse Kleidung. "Die haben wieder eine Kenterübung gemacht", schmunzelt Valentin. "Manchen Kindern macht das so viel Spaß, dass sie jeden Tag kentern wollen." Den Kleinen bringt man zu Beginn des Unterrichts die Basis des Segelns bei. Welche Teile hat das Boot, wo sind luv und lee, wie kann ich den Wind nutzen und bekomme Fahrt. Ein Lernboot gibt es auch. Daran kann man mit Klettkärtchen die Bootsbestandteile benennen, Baum und Mast zum Beispiel. An einer "Knotenwiese" darf geübt werden.
Valentin selbst, der in Düsseldorf aufgewachsen ist, schätzt am Segeln den Weg, der das Ziel ist. "Man sieht verschiedene Häfen, hat verschiedene Windstärken, Fische als Begleiter - jeder Tag ist anders", schwärmt der 61-Jährige, der eigentlich Bankkaufmann gelernt und mit 19 mit dem Segeln begonnen hat. Seit 30 Jahren ist er in Glücksburg und hat segelnd die Welt gesehen - die Azoren, Polynesien, Island. Ganze Generationen hat er als Schüler gehabt, "die haben den Segelvirus gefangen". Seine Schule interessiert sogar Präsidenten, erzählt Valentin: Horst Köhler war vor ein paar Jahren zu Besuch.

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