Testbetrieb : Mit Salzlauge gegen die Winter-Glätte

Im Kreis Pinneberg soll neues Streusalz eingesetzt werden.
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Im Kreis Pinneberg soll neues Streusalz eingesetzt werden.

Damit weniger Autofahrer ins Rutschen kommen: Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr setzt auf ein neues Gemisch mit vorbeugender Wirkung.

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16. November 2013, 08:30 Uhr

Sprühen statt Streuen – das Land weitet die Erprobung einer neuen Methode der Glättebekämpfung bei Frosttemperaturen aus. Dafür will der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr in Schleswig-Holstein den Einsatz von dickkonzentriertem Salz-Wasser-Gemisch ausweiten.

Wenn Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) am Montag in Quickborn offiziell den Beginn des Winterdienstes einläutet, ist er bereits in einer Pilotregion unterwegs: Im Kreis Pinneberg kommt die neue Salzlauge, die in der Autobahnmeisterei Elmshorn selbst produziert wird, bereits auf der A23 zum Einsatz.

Anfang Dezember kommt die Autobahnmeisterei Bad Oldesloe im Kreis Stormarn hinzu. Hier war es Mitte Januar auf der A1 auf spiegelglatter Fahrbahn zu einer auffälligen Unfallserie gekommen. Damals wurde noch mit Feuchtsalz gestreut, eine ebenfalls neuartige Methode mit leicht angefeuchteten Salzkörnern.

Mit der jetzt eingeführten Salzsole hingegen könne Glatteis besser bekämpft werden, sagt Landesbetriebs-Direktor Torsten Conradt. „Hundertprozentige Salzsole kann besonders in der Präventivstreuung eingesetzt werden.“ Conradt verweist auf Erfahrungen der Autobahnmeisterei Elmshorn: Eine Vorbeugung mit dem Salz-Wasser-Gemisch habe die glättebedingten Verkehrsbehinderungen reduziert. Zudem kämen die Streufahrzeuge schneller voran.

Die Neuerung des Salz-Wasser-Gemischs soll Unfallserien wie die von Mitte Januar auf der A1 im Kreis Stormarn verhindern. Allerdings: Dass die Glätte-Unfälle im Zusammenhang mit der damals ebenfalls neuen Feuchtsalzmischung stehen, darüber wurde bislang gestritten. Der Wirtschaftsausschuss des Landtages bat im April um eine Auswertung, inzwischen ist der Bericht fertig. Landesbetriebs-Chef Conradt: „Die Auswertung der Unfallsituation kommt zu dem Ergebnis, dass die Unfälle auf der A1 nicht ihre Ursache in dem Feuchtsalz-Experiment hatten.“

Bei der Feuchtsalz-Methode, die in weiten Teilen des Landes noch zum Einsatz kommt, streuen die Meisterei-Fahrzeuge normales Kochsalz. Die Salzkörner werden kurz vor dem Auftreffen auf dem Straßenbelag von einer Salzsole minimal angefeuchtet. Dadurch bleiben die Körner am Boden haften, werden nicht weggeweht. Trifft Natriumchlorid (Salz) auf Eis, entwickelt dies Wärme – der Auftauprozess kommt in Gang. Aber: Dies passiert nicht unmittelbar nach dem Streuen, sondern je nach Mischung mit einigen Minuten Verzögerung.

Die dickflüssige Salzlauge hingegen kann diesen Auftauprozess verkürzen. Und den Haushalt schonen: Conradt rechnet mit Einsparungen bis zu 600.000 Euro jährlich – die Gesamtkosten des Winterdienstes betrugen pro Saison zuletzt im Schnitt 18 Millionen Euro.

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