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Online-Plattformen für Tierbetreuung : Mit ein paar Klicks zum Hundesitter

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Die lange Flugreise oder ein Familienfest: Nicht immer kann der Hund die Familie begleiten. Damit Herrchen nicht aufs Reisen verzichten muss, gibt es neben Hundehotels auch immer mehr Online-Vermittlungen für Tiersitter.

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2014 | 20:31 Uhr

Hamburg | Sie werben mit Ortsnähe, zuverlässigen Bewertungen und günstigen Preisen: Immer mehr Online-Plattformen zur Vermittlung von privaten Tiersittern sind in den vergangenen Monaten in Deutschland gestartet. Der Bedarf an Aufpassern ist groß. „Monatlich wächst unsere Nutzerzahl um 30 Prozent“, sagt Sascha Krieger von bibulu.de aus Berlin. In Europa habe das Unternehmen nach eigenen Angaben 40.000 Nutzer und 25.000 gebuchte Übernachtungen.

Auch Pawshake Deutschland gibt es erst seit kurzem. „Im Moment wird auf unserer Plattform jede Minute eine Nachricht verschickt zwischen Tiersittern und -besitzern“, sagt Sabrina Klob. Schon länger gibt es das Berliner Angebot betreut.de. Dort wurden im ersten Halbjahr 2014 mehr als 10.000 Job-Angebote im Bereich Tierbetreuung online gestellt, sagt Sprecherin Julia Beck.

Dass die Nachfrage steigt, davon sind auch unabhängige Experten überzeugt: „Der Bedarf ist da, weil immer mehr Hunde und Katzen gehalten werden“, sagt Barbara Schöning vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) in Hamburg. Das gelte nicht nur für Urlaubsbetreuung, sondern auch für die tägliche Pflege bei Berufstätigen.

Das Prinzip der Plattformen ist einfach: Wer gern auf Hunde aufpasst, erstellt ein Profil. Wer jemanden für seinen Vierbeiner sucht, kann die Angebote durchstöbern und sich eines aussuchen. Bei jeder Suche sieht der Nutzer auf einer Karte, wo die nächstgelegenen Anbieter wohnen.

Im Gegensatz zu Hundepensionen würden die Tiere bei Privatpersonen oft in einem familiären Umfeld betreut, das dem gewohnten näherkomme, sagt Krieger. Die Tiersitter würden überprüft, erhielten Bewertungen und die Bezahlung werde über die Seite abgewickelt, erläutert Klob.

Jens van Yperen vom Tierhotel in Brokenlande bei Neumünster fürchtet die Konkurrenz aus dem Internet allerdings nicht. „Wir erleben immer wieder, dass Menschen mit ihren Tieren zu uns kommen, weil private Tiersitter kurzfristig abgesagt haben“, berichtet er. Besonders in der Ferienzeit würde dies auffällig. Manchmal kommen auch Hundesitter zum Tierhotel, die mit dem vierbeinigen Schützling nicht klar kommen und holen das Tier - einen Tag bevor Herrchen aus dem Urlaub kommt - wieder ab.

Eine Qualitätsprüfung der privaten Anbieter findet nicht statt. Vielmehr wird durch Social Media und Onlinebewertungen gefiltert. Denn neben Profilen und Fotos bilden die Bewertungen vorheriger Kunden eine wichtige Basis, sich einen Eindruck von den Anbietern zu machen, sagt Krieger. „Bewertungen schaffen Vertrauen und zeigen, dass jemand gute Arbeit leistet“, bestätigt Klob.

Ein Kennenlerntreffen können sie aber nicht ersetzen. „Nur so können Tierbesitzer sehen, ob man in Sachen Umgang mit Tieren auf einer Wellenlänge liegt“, sagt Klob. Besonders wenn ein Tiersitter einen Hund bei sich aufnehme und selbst einen Hund habe, sei wichtig, im Voraus abzuklären, wie sie sich verstehen. Pawshake.de bietet außerdem eine App fürs Handy, mit der Tiersitter dem Herrchen schnell und einfach Nachrichten und Fotos schicken können.

Die privaten Hundesitter seien Tierliebhaber, die oft selbst Hunde besitzen und den Gasthund bei sich zu Hause unterbringen, sagt Krieger. Sie sollten Erfahrung mit Hunden haben, empfiehlt Beck von betreut.de.

Außerdem sollten sie die Regelungen zu Leinen- und Maulkorbpflicht kennen. Um Hundesitter zu werden, müssen sie ein Profil anlegen. Bevor es der Anbieter freischaltet, prüft er Plausibilität und Richtigkeit der Kontaktdaten. „Mit einem Telefongespräch versuchen wir, ein Feeling für die Leute zu bekommen“, sagt Klob. Wer nicht genug Motivation an den Tag lege, dessen Profil werde gesperrt.

Auch professionelle Anbieter sind auf den Plattformen willkommen. „Einzig Anbieter, welche die Hunde in Zwingern halten, werden nicht zugelassen“, sagt Krieger. Sollte während des Aufenthalts etwas schiefgehen, springen die Plattformen meist ein. „Bibulu kümmert sich darum, einen alternativen Anbieter zu finden, organisiert die Übergabe und übernimmt die Kosten“, sagt Krieger.

Die Websites finanzieren sich meist über eine Vermittlungsgebühr, die zwischen zehn und 20 Prozent des Betrags ausmacht. Die Hundesitter legen selbst fest, wie viel ihre Dienste kosten. Die Preise liegen zwischen zehn und 25 Euro am Tag, sagt Krieger. Für eine Woche Hundesitting sollte man 70 bis 175 Euro rechnen. Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund warnt: „Ein Tagessatz von mehr als 25 Euro ist nicht gerechtfertigt.“

Sowohl bei Hundepensionen wie bei privaten Sittern gibt es kein offizielles Qualitätssiegel. „Dem Tierbesitzer bleibt nur, fachkundige Fragen zu stellen, sich umzusehen und sich auf Aussagen anderer zu stützen“, rät Schöning. Daher seien traditionelle Pensionen privaten Sittern nicht generell überlegen.

Katrin Umlauf hält es von Vorteil, wenn Tiere wie Katzen in ihrer gewohnten Umgebung versorgt werden. Auf keinen Fall dürfe Hundebetreuung während eines Urlaubs nur stundenweise stattfinden. „Wir lehnen es ab, wenn die Hunde allein zu Hause bleiben und nur morgens und abends eine halbe Stunde ausgeführt werden.“

Sie empfiehlt darauf zu achten, ob Sitter einen Sachkundenachweis nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes besitzen. Mit ihm können grundlegende theoretische Kenntnisse über Hunde und ihre Haltung belegt werden. Außerdem sei wünschenswert, dass die Tiere nicht den ganzen Tag in Einzelboxen gehalten werden.
 

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