Auswandern nach Grönland : Mit der Gefriertruhe in die Arktis

Einen Lebenstraum erfüllt sich das Ehepaar Jens  und Kirsten Ravnskjaer aus dem nordfriesischen Bredstedt: Gemeinsam mit dem zweijährigen Sohn Skjold    werden die  beiden Lehrer drei Jahre lang in Grönland leben und   arbeiten.  Foto: Bandixen
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Einen Lebenstraum erfüllt sich das Ehepaar Jens und Kirsten Ravnskjaer aus dem nordfriesischen Bredstedt: Gemeinsam mit dem zweijährigen Sohn Skjold werden die beiden Lehrer drei Jahre lang in Grönland leben und arbeiten. Foto: Bandixen

Abenteuer Grönland - eine Familie aus Nordfriesland zieht um: Drei Jahre lang arbeiten Kirsten und Jens Ravnskjaer als Lehrer in der eiskalten Einöde.

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19. September 2011, 09:44 Uhr

Bredstedt | Man muss schon zweimal nachfragen und sich den Ort buchstabieren lassen, um zu verstehen, wohin die Reise geht. Ittoqqortoormiit heißt das Dorf in der arktischen Einöde Grönlands. Genau dorthin wollen Jens und Kirsten Ravnskjaer aus Bredstedt (Kreis Nordfriesland) am 26. September umsiedeln. Gemeinsam mit dem zweijährigen Sohn Skjold werden die beiden Lehrer drei Jahre lang in Grönland leben und arbeiten. Das Ehepaar erfüllt sich damit einen Lebenstraum.
Ittoqqortoormiit liegt 500 Kilometer vom Polarkreis entfernt und hat etwa 500 Einwohner. Jens Ravnskjaer ist seit 2003 Lehrer an der Dänischen Schule in Bredstedt, seit 2006 leitet er die Einrichtung. Ehefrau Kirsten (31) unterrichtet an der Dänischen Schule in Husum. Für drei Jahre sind beide für ihre spannende neue Aufgabe freigestellt. In Ittoqqortoormiit wird Jens Ravnskjaer die Leitung der Schule mit rund 90 Schülern übernehmen und das, obwohl er die grönländische Sprache (Kalaallisut) noch nicht kann. Aber immerhin: Einige seiner künftigen Kollegen sprechen Dänisch - denn Grönland ist ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark.
Mit wenig Gepäck
Jens Ravnskjaer (35) liebt das Abenteuer und die Herausforderung. In seinem Leben ist er schon häufiger einfach ins kalte Wasser gesprungen. So ging er nach der Schulzeit für ein Jahr nach Island und lernte dort "so nebenbei" die Sprache, wie später dann auch in Deutschland. "Wir haben lange überlegt, diesen Schritt zu gehen", erzählt er. "Aber wenn wir es nicht machen, werden wir nie wissen, wie es sein wird."
Jens und Kirsten Ravnskjaer freuen sich auf den bevorstehenden Lebensabschnitt in der arktischen Einöde. Das einfache Leben ist ohnehin ihr Ding. Und so wird es auch nicht viel sein, was sie mitnehmen. Der absolute Luxus in Grönland werden Fernseher und Computer sein. "Wir brauchen nicht viel, wir haben ja uns", bringt es Jens Ravnskjaer mit typisch dänischer Gelassenheit auf den Punkt.
Rentier und Wal auf dem Speiseplan
Die Bewohner von Ittoqqortoormiit leben hauptsächlich von der Jagd auf Robben, Eisbären und Walrosse. Allein acht Jahre dauert es, um sich in der Arktis als Jäger den Lebensunterhalt verdienen zu dürfen. Zeit in Bildung zu investieren kommt daher für viele Menschen nicht in Frage. Doch Grönland entwickelt sich, "die Schülerzahlen an den Gymnasien haben sich verdoppelt", so Jens Ravnskjaer. Aber er weiß auch, dass das moderne Zeitalter nicht vor diesem Land Halt macht. Reiche Amerikaner und Russen haben die Arktis als neues Jäger-Paradies entdeckt. Der zunehmende Tourismus spült aber nicht nur Geld in die Region, er birgt auch Gefahren. Die Menschen in Ittoqqortoormiit mit Fingerspitzengefühl darauf vorzubereiten, darin sieht der Bredstedter eine seiner Aufgaben.
Doch für die Auswanderer auf Zeit stehen jetzt zunächst ganz praktische Fragen an erster Stelle. In Deutschland ist alles gekündigt - Haus, Auto, Motorrad und Abonnements - , einige wenige Möbelstücke wurden im Container eingelagert. Eine 400-Liter-Gefriertruhe geht mit auf Reisen, denn Obst und Gemüse gibt es künftig nur noch als Tiefkühlware. Dafür werden jede Menge Fisch, Rentier- und Walfleisch auf dem Speiseplan stehen.
Die Grundversorgung in Ittoqqortoormiit ist weitestgehend gesichert, zweimal jährlich kommt eine Schiffsladung mit dem Notwendigsten. Im Ort praktiziert ein Arzt, ein Zahnarzt kommt zweimal im Jahr. Noch weiß der neue Schulleiter nicht, ob ihm an seiner Wirkungsstätte ein Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt wird. Wenn ja, wird es ohnehin keines auf vier Rädern, sondern ein Hundeschlitten sein. Das Abenteuer Arktis lässt grüßen.

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