Einsatz-Reaktionszeit nach Notruf : Minutensache – so schnell ist die Polizei in SH

Bei einem Notruf ist Eile geboten: Die Landespolizei in Schleswig-Holstein hat sich selbst eine Richtzeit von zehn Minuten auferlegt.
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Bei einem Notruf ist Eile geboten: Die Landespolizei in Schleswig-Holstein hat sich selbst eine Richtzeit von zehn Minuten auferlegt.

In den Städten ist die Polizei schnell zur Stelle , ländliche geraten ins Hintertreffen. shz.de zeigt eine Karte.

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15. Januar 2015, 11:41 Uhr

Kiel | Die Reaktionszeiten der Polizei bei Notrufen klaffen im Land weit auseinander. Das zeigt die Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage des innenpolitischen Sprechers der CDU-Fraktion, Axel Bernstein. Am längsten müssen die Bewohner von Dithmarschen auf den Streifenwagen warten: durchschnittlich 10,06 Minuten. Am schnellsten sind die Polizisten in Flensburg am Einsatzort: Sie brauchen gerade einmal 5,28 Minuten.

„Die Reaktionszeiten im ländlichen Raum sind bedenklich, besonders vor dem Hintergrund, dass die Landesregierung dort Dienststellen schließen und zentralisieren will“, sagt Axel Bernstein. „Für die Streifenwagen werden die Wege dann noch weiter, und es wird sich bei Kriminellen herumsprechen, in welcher Region sie viel Zeit haben.“

Für den CDU-Abgeordneten spiegeln die erhobenen Zeiträume zudem nicht die Realität wider. „Aufgeschlagen werden muss noch die Zeit, die der Beamte in der Leitstelle mit dem Anrufer braucht. Dann liegen auch andere Kreise über zehn Minuten.“


 

Beim Kieler Landespolizeiamt (LPA) wird betont, dass man sich die Richtzeit von zehn Minuten selbst auferlegt habe, angelehnt an die Hilfsfrist beim Rettungsdienst. „Eine gesetzliche Vorgabe gibt es aber nicht“, sagt LPA-Sprecher Lothar Gahrmann. In Dithmarschen hat die Polizei ihr selbstgestecktes Ziel nicht erreicht. Nach Informationen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags betrug die längste dort gemessene Reaktionszeit 20 Minuten. „Es handelte sich dabei um einen Fall niedriger Priorität“, sagt Gahrmann, der betont, dass in die Erhebung vom September alle Anrufe über den Notruf einbezogen worden seien – also etwa auch die Ruhestörung. „Sind alle Streifenwagen im Einsatz, muss ein solcher Fall nach hinten geschoben werden.“

Das Innenministerium sieht in der geplanten Zentralisierung keinen Rückzug aus der Fläche – weil mehr Streifenwagen auf der Straße seien. Doch sind sie in großen Kreisen immer in der Nähe? Axel Bernstein: „Wir wollen eine Polizei, die vor Ort ist. Die Stellenstreichungen sollten daher überdacht werden.“

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