Mobilmachung im Internet : Ministerium warnt vor radikaler „Pegida“ in Schleswig-Holstein

Die Gruppen der Islamgegner in Schleswig-Holstein werden von Rechtsextremisten gesteuert. Die Angst vor Gewalt ist groß.

shz.de von
16. Januar 2015, 06:30 Uhr

Kiel | In Schleswig-Holstein wollen mehr als ein halbes Dutzend „Pegida“-Gruppen über das Internet gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ mobil machen. Darunter sind Gruppen wie „Shegida“, die von Rechtsextremisten instrumentalisiert seien, warnt der Verfassungsschutz. Anders als bei der Dresdener „Pegida“ liege ihr Einfluss und eine verfassungsfeindliche Motivation hierzulande auf der Hand, heißt es aus dem Innenministerium.

Das Thema Asylrecht sei für diese Gruppen eine willkommene Gelegenheit, Zuspruch aus nicht rechtsextremistischen Bevölkerungskreisen zu erlangen. Auch Pläne für Demonstrationen mit „Pegida“-Bezug seien der Behörde bekannt. „Eine Teilnehmerzahl im dreistelligen Bereich ist durchaus vorstellbar“, sagte ein Sprecher.

Die bisherige Resonanz zeige aber, dass die Bewegung bei nur einem sehr kleinen Teil der Schleswig-Holsteiner auf fruchtbaren Boden falle. Auf Facebook kommen insgesamt etwa 400 Unterstützer zusammen, die aber nicht zwingend auch aus Schleswig-Holstein stammen müssen. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass sich einzelne Personen zu Gewalttaten gegen Ausländer und Staatsorgane anstacheln lassen könnten.

Auch deshalb rufen „Pegida“-Gegner derzeit zu Gegendemonstrationen auf. Für die Kiel-Region gründete sich das Bündnis „Das ist unsere Stadt – die Kiel Region ist weltoffen!“, angestoßen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Für den 27. Januar sei bereits eine Demonstration in der Landeshauptstadt angemeldet. Der DGB-Vorsitzende der Region Kiel, Frank Hornschu, rechnet mit über 1000 Teilnehmern: „Wir wollen nicht nur reagieren, sondern aktiv für eine freie und offene Gesellschaft eintreten.“ 74 Teilnehmer, Vertreter von Parteien, Verbänden, Vereinen, Kirchen, Städten und Kommunen seien bei der Gründung dabei gewesen. Die Entwicklung im Norden betrachtet Hornschu mit Sorge: „Die ,Pegida'-Bewegung ist hier radikaler als in anderen Bundesländern. Da bekomme ich richtig Bauchschmerzen.“

Auch in Flensburg formiert sich ein Bündnis gegen „Pegida“. „Gegen Flegida für ein Demokratie und Menschlichkeit“ wirbt im sozialen Netzwerk Facebook für ein buntes Flensburg. Am 19. Januar ist eine Demonstration angesetzt, die am Nordertor startet.

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