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Nach Razzia in Bad Bramstedt : Ministerium hat Schlachthof seit 2013 im Visier

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Mangelnde Hygiene und Tierquälerei: Wegen dieser Vorwürfe ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel gegen den Fleischproduzenten Vion. Nach einer Durchsuchung des Schlachthofs in Bad Bramstedt ruht dort die Arbeit.

shz.de von
erstellt am 26.Feb.2014 | 16:07 Uhr

Bad Bramstedt | Am Tag nach der Razzia in einer Großschlachterei in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg) haben die Ermittlungsbehörden mit der Auswertung des beschlagnahmten Materials begonnen. Neben Schriftstücken aller Art wurden auch Computer beschlagnahmt und Fotos gemacht, sagte die Kieler Oberstaatsanwältin Birgit Heß am Mittwoch. Der Betrieb, bei dem sonst 500 Tiere am Tag geschlachtet werden, bleibe zunächst geschlossen, bis die vom Landwirtschaftsministerium als Fachaufsicht bemängelten Hygieneverstöße abgestellt sind, sagte am Mittwoch Ministeriums-Sprecherin Nicola Kabel. Wann dies der Fall sein werde, lasse sich noch nicht sagen.

Bereits Anfang 2013 habe das Ministerium die hygienischen Zustände bei Vion kritisiert. „Diese Mängel abzustellen, war Aufgabe des Kreises. Dieser hat der Fachaufsicht mitgeteilt, dass die Mängel behoben seien“, so Kabel. Offenbar war dies aber nicht der Fall. Der Kreisveterinär war gestern Nachmittag für eine Stellungnahme nicht mehr erreichbar. Ein Vion-Sprecher bezeichnete die Vorwürfe als nicht nachvollziehbar.

Am Dienstag hatten 250 Polizisten und Zollbeamte den Rinder-Schlachtbetrieb Vion durchsucht. Nach Hinweisen aus dem Landwirtschaftsministerium ermitteln die Behörden nicht nur wegen Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz, sondern auch gegen das Tierschutzgesetz. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft auch Unterlagen vom Kreisveterinäramt eingeholt, das den Betrieb regelmäßig kontrolliert. Die Akten seien nach Absprache von der Behörde übergeben worden, betonte Heß. Nach Angaben des Kreises ist die Durchsuchung bei Vion ohne Beteiligung des Kreisveterinäramts erfolgt. Im Streit über die Kosten für die Kontrollen stehen sich Vion und der Kreis vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig gegenüber.

Worin genau die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz bei der Schlachtung bestehen, war auch am Mittwoch noch nicht klar. Laut Stefan Johnigk, Geschäftsführer des Tierschutz-Vereins Pro Vieh, kann es sich nur um unzureichende Betäubung der Tiere vor dem Ausbluten handeln. „Durch einen Bolzenschuss verlieren die Tiere das Bewusstsein und damit ihr Schmerzempfinden“, erklärt Diplom-Biologe Johnigk. Nur wenn nach darauf folgender Kontrolle der Vitalzeichen sicher gestellt, ist, dass das Rind keinen Schmerz mehr empfindet, darf es durch einen Schnitt ausgeblutet werden. „Ansonsten muss nachbetäubt werden“, so Johnigk. Menschliche Nachlässigkeit oder mangelnde Ausbildung des Personals seien mögliche Gründe für solche Verstöße. Wenn sie den Amtsveterinären jedoch verborgen geblieben sein sollen, dann sei das bedenklich. „Vielleicht ist es ein Fall von Überlastung oder Betriebsblindheit – dann sollte man vielleicht über einen regelmäßigen Wechsel der kontrollierenden Veterinäre nachdenken“, sagt Johnigk.

An die Aktion von Staatsanwaltschaft und Polizei angehängt hatte sich am Dienstag der Zoll aus Itzehoe. 80 Beamte kontrollierten die Beschäftigungsverhältnisse von 351 Personen auf Schwarzarbeit. Ergebnisse werde es frühestens in vier Wochen geben, sagte Zollsprecher Thomas Gartsch gestern auf Anfrage.

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