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Minderheit in Deutschland : Minderheit kann wie Familie sein

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Kirsten und Bruno Bohnsack sind beide auf eine dänische Schule in Schleswig gegangen. Sie besuchte die Gottorf Schule, er ging auf die Hiort Lorenzen Schule. Getroffen haben sich beide zum ersten Mal in einer Tanzschule.

shz.de von
erstellt am 21.Mär.2008 | 03:35 Uhr

Bruno hatte damals schon eine Ausbildung zum Mechaniker hinter sich und hatte Wehrdienst in der deutschen Bundeswehr geleistet. In diesen Jahren war das "Dänische" in seinem Leben ein wenig in den Hintergrund gerückt. "Meine Eltern schickten sowohl mich als auch meine sieben Geschwister auf die dänische Schule. Sie selbst haben niemals gelernt, richtig gut Dänisch zu sprechen, und ich habe leider auch nie gefragt, warum sie dies versäumt hatten. Einige von uns gehören noch heute zur Minderheit, während andere meiner Geschwister sich mehr zur deutschen Mehrheit hingezogen fühlen", erzählt Bruno Bohnsack.
Als er und Kirsten selbst Kinder bekamen, bestand nie ein Zweifel daran, dass ihre Tochter Inga, die in die vierte Klasse der Hiort Lorenzen Schule geht, und Sohn Erik - er besucht den dänischen Kindergarten - auch auf dänische Einrichtungen gehen sollten. Für beide war dies ganz natürlich und stand nie zur Debatte.Die Eltern sind beide Mitglied des SSF und finden es auch selbstverständlich, den Südschleswigschen Wählerverband (SSW) zu unterstützen. Beide Kinder sind aktive Mitglieder des Schleswigschen Sportvereins (SIF).
"Der SIF ist in vielerlei Hinsich wie eine Familie"
Erik spielt eifrig Fußball und Badminton, während Inga Gymnastik und Handball liebt. Außerdem ist Inga eine fleißige Schwimmerin. Allerdings hat die Minderheit keinen eigenen Schwimmverein im Schleswiger Raum. Daher ist Inga auch Mitglied des regionalen Schwimmclubs in Schleswig. "Das ist eigentlich auch sehr schön. Auf diese Weise hat sie auch Kontakt zu anderen, gleichaltrigen Kindern aus der Mehrheit. Der SIF ist in vielerlei Hinsicht wie eine Familie, in der jeder jeden kennt. Das ist nicht schlecht, allerdings müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht von dem anderen Teil der Gesellschaft isolieren", meint Kirsten Bohnsack.
Mindestens genauso wichtig wie das Festhalten am Dänischen sei auch, dass die jungen Leute der dänischen Schulen gutes Deutsch sprechen und sich an der deutschen Gesellschaft orientieren. Aus eigener Erfahrung und mit einer deutschen Ausbildung weiß sie, wie wichtig dieses Wissen für das spätere Leben ist. Ihr Zuhause ist im Großen und Ganzen so eingerichtet, wie die Nachbarhäuser auch. Allerdings wird bei Bohnsacks zu Hause ein wenig mehr Dänisch gesprochen und dies vor allem, weil die Familie zwischen beiden Sprachen hin- und herspringt. Das hängt natürlich auch davon ab, ob sie unter sich sind oder alleine.
Dänische Kindersendungen werden schmerzlich vermisst
Wenn der Fernseher angeschaltet wird, können sie jedoch nur zwischen den verschiedenen deutschen Programmen wählen. Seit der Umstellung auf das digitale Fernsehen können Bohnsacks keine dänischen Sender mehr empfangen, was Mama Kirsten wirklich sehr ärgert. "Vor allem die dänischen Kindersendungen vermissen wir sehr. Mit diesen Sendungen haben die Kleinen immer sehr gut ihr Dänisch verbessert. Auch den julekalender (dänisches Weihnachtsprogramm; Anm. d. Red.) haben wir immer gerne verfolgt", sagt sie.
Ihre Kinder können sich darüber freuen, dass die Eltern ihnen bei den Hausaufgaben helfen können. Das gilt nicht für alle ihre Schulkameraden. "Auf der Schule gibt es einige Kinder, deren Eltern keinen Bezug zur Minderheit haben. Sie haben die Kinder auf den Kindergarten oder die Schule geschickt, ohne dass sie selbst Dänisch sprechen. Es kann natürlich sein, dass sie Schwierigkeiten mit der Sprache haben, aber wie sollen sie ihre Kinder dann auf der Schule unterstützen?", wundert sich Kirsten.
Allerdings ist es viel mehr als nur die Sprache, die Deutsch von Dänisch trennt. Vielmehr sind es die unterschiedlichen Umgangsformen und die Kulturen, meint Bruno Bohnsack. "Das deutsche Vereinsleben ist viel organisierter als das dänische. Ich habe ja beides ausprobiert und sowohl deutsche als auch dänische Arbeitsplätze gehabt. Und auch hier ist es wieder der gleiche Unterschied, der zum Tragen kommt. Die Deutschen halten sich viel mehr an Titel und Formen, während man in Dänemark zu jedem Du sagt, ohne dabei den Respekt voreinander zu verlieren", hat Bruno Bohnsack erfahren. Diese Erfahrungen sind es auch, die ihn und seine Familie noch mehr an die dänische Minderheit gebunden haben.

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