Landgericht Lübeck : Mildes Urteil für Betrug mit Medikamenten

2,6 Millionen Euro ergaunerte ein Apotheker aus Sereetz (Kreis Ostholstein) mit einem simplen Trick. Das Gericht gewährte ihm ein mildes Urteil.

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14. August 2011, 10:19 Uhr

Lübeck | Nein, diese Strafe ist nicht unbedingt eine bittere Pille: Zwei Jahre auf Bewährung - für einen jahrelangen Betrug mit Medikamenten, bei dem 2,5 Millionen Euro ergaunert wurden. Am Ende findet der Richter sogar lobende Worte für den Angeklagten: "Andere hätten sich in ihre Krankheit geflüchtet, Sie haben sich einem Verfahren gestellt und gestanden."
Auf der Anklagebank im Lübecker Landgericht sitzt Apotheker Dr. Hans-Gunnar M. (67) aus Sereetz (Kreis Ostholstein). An sein Geburtsdatum kann er sich nicht mehr so recht erinnern. Auch nicht an Details, nach denen der Staatsanwalt fragt. "Seit meinem Schlaganfall führte mein Kompagnon die Geschäfte", erklärt Dr. M.
Doch die Idee zum Betrug kam von ihm. Dr. Hans-Gunnar M. führte die Merkur-Apotheke in Lübeck. 1982 habe er sich mit Führungskräften der AOK getroffen, heißt es im Geständnis, dass sein Verteidiger verliest. Beschlossen worden sei, sogenannte Klinikware einzukaufen, also Medikamente, die allein für Krankenhäuser bestimmt sind und deshalb vom Hersteller günstiger abgegeben werden.
Der Staatsanwalt: "Diese gingen dann zu regulären Preisen über den Apotheker-Tresen." Gleichzeitig wurde der Markt im Norden aufgerollt - mit der Klinikware unterbot man die Wettbewerber. Bald belieferte die Merkur-Apotheke etliche Altenheime und Dialysezentren, die 400 Ärzte im Praxisnetz Kiel und die Justizvollzugsanstalten Lübeck, Kiel und Neumünster. Weiteren Absatz garantierte eine Pharmagroßhändlerin, die ebenfalls versorgt wurde. Mit einer Maschine, die Medikamente neu verpackte, wurde die Herkunft als Klinikware verschleiert.
Angeklagt sind 1350 Taten, begangen von 2004 bis 2008. Den Pharmaherstellern entstand ein Schaden von 2,5 Millionen Euro, der Angeklagte zahlte sich in dieser Zeit 2,6 Millionen Euro Gehalt aus. Wie flog die Sache auf? Der Staatsanwalt: "Die Aufsichtsbehörden verzichten auf wirksame Kontrollen. Aber Pharmahersteller Roche bemerkte bei einer internen Prüfung, dass die Merkur-Apotheke nur noch Klinikware bestellte."
Dr. Hans-Gunnar M. bittet um ein mildes Urteil: "Ich bin in der Insolvenz, meine Frau hat mich verlassen und meine Rente wird gepfändet." Es wird ihm gewährt. Der Prozess gegen seine vier Komplizen beginnt im Herbst.

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