Demo : Milchbauern greifen Minister an

Die Proteste der Landwirte im Sommer haben nichts genützt: Die Milchpreise sinken wieder. Jetzt steht die Politik im Fokus der Kritik.

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18. November 2008, 05:06 Uhr

Kiel | Schleswig-Holsteins Milchbauern sehen sich vom Bauernverband und von der Politik im Stich gelassen. Bei einer Demonstration vor dem Landwirtschaftsministerium in Kiel machten gestern rund 60 Landwirte ihrem Unmut über sinkende Milchpreise Luft. Kein Verständnis zeigten sie für die Entscheidung des Bundesrates, wo mit der Stimme Schleswig-Holsteins die Beschränkung der Milchproduktion gekippt wurde.

"Die Wirkung unseres Milchboykotts im Sommer ist verpufft, wir wurden ausgetrickst und von Minister von Boetticher in Stich gelassen", sagte Bauer Hans Sass. Der Eutiner bekommt für seine Milch derzeit nur 26 Cent pro Liter. Schuld an der Misere seien nicht die Discounter, die bereit gewesen wären, die Preise zu erhöhen. Nach dem Bundesratsbeschluss hätten Lidl, Aldi & Co die Preise jedoch um 20 Prozent gesenkt, "weil Politik, Bauernverband und Molkereien nicht mitgezogen haben", so Hass. Auf dem Milchgipfel seien den Bauern Hoffnungen gemacht worden, rief eine erzürnte Bäuerin aus Ratzburg ins Mikrofon. "Jetzt fragen wir uns, wie lange gilt eigentlich ein Politikerwort?"
Mehr Wettbewerb statt Regulierung

Staatssekretär Ernst-Wilhelm Rabius räumte in Vertretung des Ministers ein, dass "die Preise derzeit nicht auskömmlich sind". Das Land habe sich jedoch für mehr Wettbewerb auf dem Milchmarkt und gegen eine weitere Mengenregulierung über Quoten entschieden. Das Quotensystem werde EU-weit 2015 auslaufen. Die verbleibende Zeit müsse für Strukturverbesserungen genutzt werden.

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