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Bundespolizei warnt Urlauber : Menschenschmuggel über Mitfahrzentralen

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Um Flüchtlinge nach Skandinavien zu schmuggeln, haben Schleuser eine neue Masche entdeckt. Sie missbrauchen Mitfahrzentralen. Die Flüchtlinge werden als Urlauber getarnt.

shz.de von
erstellt am 09.Jul.2013 | 05:41 Uhr

Bad Bramstedt | Mit den Sommerferien hat auch die Reisezeit begonnen. Die Bundespolizei warnt jetzt davor, dass Schleuser Flüchtlinge in den Strom der Urlauber einschmuggeln wollen - via Mitfahrzentrale. "Immer mehr Menschen werden auf diesem Weg illegal in die Europäische Union gebracht", sagt Matthias Menge von der Bundespolizeidirektion in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg).
Zuletzt hatte sich ein Autofahrer in Puttgarden bei der Bundespolizei gemeldet. "Er erklärte, dass er einen Afghanen im Wagen habe, der ihm über eine Mitfahrzentrale vermittelt worden sei", so Menge. Der 29 Jahre alte Flüchtling besaß keine gültigen Papiere und wollte in Skandinavien Asyl beantragen. Die Anzeige sei laut Bundespolizei die richtige Entscheidung gewesen. "In Dänemark hätten dem Fahrer wegen Beihilfe zum unerlaubten Aufenthalt 30 Tage Untersuchungshaft gedroht", betont Menge.

Offene Zuwanderungspolitik in Schweden

Das Prinzip der Mitfahrzentralen ist einfach. Ist der Wagen, etwa für die Reise nach Dänemark, nicht voll belegt, meldet sich der Fahrer bei einem der Portale an. Ihm werden dann Mitreisende vermittelt, die sich am Benzingeld beteiligen.
Ziel der Flüchtlinge ist meist Skandinavien, da zum Beispiel Schweden eine vergleichsweise offene Zuwanderungs- und starke Integrationspolitik betreibt. Die Hauptrouten der Schleuser in Schleswig-Holstein sind die A7 und die Vogelfluglinie entlang der A1. Auf diesen Strecken werden die meisten Flüchtlinge von Bundespolizisten aufgegriffen. Meist in Zügen, Bussen oder Kleintransportern. "Geschleuste Personen haben in Vernehmungen aber immer wieder angegeben, dass sie Distanzen auch per Mitfahrzentrale zurückgelegt haben", erklärt Menge.

Rat: Mitfahrer schon vor der Kontaktaufnahme prüfen

"Gerade Autofahrer, die grenzüberschreitende Mitfahrgelegenheiten anbieten, sollten vorsichtig sein. Sie sind besonders gefährdet, von Schleusern missbraucht zu werden", betont Prof. Dr. Wolf Hammann, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Schon bei der Kontaktaufnahme sei es ratsam, den Mitfahrer genau zu prüfen.
"Da steigen dann plötzlich Leute zu, die häufig sprachlich nicht in der Lage sind, sich mit dem Fahrer zu verständigen", sagt Menge. Doch es sind die Hintermänner, die über die Mitfahrzentralen Kontakt zu den Fahrern aufnehmen. Die Flüchtlinge geben sie als ihre Freunde oder Bekannte aus. Menge: "Die Flüchtlinge haben sich für den Transport oft verschuldet, um die Kriminellen zu bezahlen - nicht selten geraten sie über Jahre in eine finanzielle Abhängigkeit dieser Banden, die über mehrere internationale Ländergrenzen hinweg operieren." Der Bundespolizei gehe es darum, die Hintermänner zu fassen, was bislang aber noch nicht gelungen sei.

Fahrer sollten Dokumente prüfen

"Erfolgt die Kontaktaufnahme zum Fahrer durch einen Vermittler, ist das ein Anhaltspunkt für einen Schleusungsversuch", erklärt Menge. "Bezahlt nicht der Mitfahrer, sondern eine andere Person die Fahrtkosten zu Beginn der Reise beziehungsweise am Zielort, ist auch das verdächtig."
Deutschlands größte Internetplattform ist Mitfahrgelegenheit.de aus München. Nach eigenen Angaben gibt es rund 800.000 Mitfahrangebote zur Auswahl. Ein Sprecher verweist auf die Sorgfaltspflicht der Fahrer, die sich bei Reisen über Bundesgrenzen hinweg die Dokumente ihrer Passagiere zeigen lassen sollten. Gleichwohl hat das Unternehmen reagiert - allerdings aus finanziellem Interesse. Denn die meisten Reisen wurden bisher über das "Schwarze Brett" angeboten. Dort konnten die Konditionen telefonisch am Unternehmen vorbei ausgehandelt werden - was Kriminellen einen Fundus an unkomplizierten Fahrten eröffnete. Seit März gibt es nun ein Online-Buchungssystem, damit Gebühren eingezogen werden können. Vorteil für die Ermittler: Fahrer und Kunden müssen ihre Personalien, Kontodaten und Handynummer hinterlegen und überprüfen lassen. Ein Ansatz, die Spur zu den Hintermännern aufzunehmen.

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