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Tag der Wohnungslosen : „Meine Mutter hat mich einfach ziehen lassen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Deutschland leben nach Schätzungen 284.000 Menschen ohne ein Dach über dem Kopf. Am heutigen Tag der Wohnungslosen soll auf das Problem aufmerksam gemacht werden. shz.de hat Inken aus Flensburg getroffen, die mit 15 zu Hause auszog und im Video ihre Geschichte erzählt.

Flensburg/Berlin | Der 11. September rückt jährlich Menschen in den Mittelpunkt, die am Rand der Gesellschaft stehen. Heute ist Tag der Wohnungslosen. Nach Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) sind 2012 etwa 284.000 Menschen ohne Wohnung gewesen. Allerdings ist das lediglich eine Schätzung, denn in Deutschland gibt es laut BAG W keine bundeseinheitliche Wohnungsnotfall-Berichterstattung. „Wir müssen leider davon ausgehen, dass das Ausmaß der Wohnungslosigkeit zwischen 2010 und 2012 sogar noch dramatischer gestiegen ist als erwartet“, erklärt Sprecher Thomas Specht. Für das Jahr 2010 geht die Arbeitsgemeinschaft von 248.000 Wohnungslosen aus.

Nicht gleichzusetzen ist Wohnungslosigkeit mit der Obdachlosigkeit. Obdachlose zählen auch zu Wohnungslosen, leben aber auf der Straße. Ihre Zahl ist laut BAG W von geschätzten 22.000 in 2010 auf 24.000 in 2012 gestiegen. Als wohnungslos gelten Menschen bereits, wenn sie keine eigene Wohnung haben oder mit jemandem zusammen wohnen und statt dessen etwa bei Freunden unterkommen können. Als Gründe für den Verlust der Wohnung nennt die BAG W Zwangsräumung oder die Aufgabe einer Wohnung, weil sie nicht mehr finanziert werden kann. So gab es 2012 in Deutschland 65.000 Wohnungsverluste, in 38 Prozent der Fälle durch Zwangsräumung.

Den Anteil der minderjährigen Wohnungslosen schätzt die BAG W auf elf Prozent. Auch Inken aus Flensburg zog mit 15 Jahren zu Hause aus, schlug sich ohne Wohnung durch. Sie wurde drogenabhängig, ging aber trotzdem weiter zur Schule und machte sogar Abitur. Ihre Mutter hat das Schulgeld weiter bezahlt, ihr Kind aber nicht aufgehalten. „Meine Mutter hat mich dann auch einfach ziehen lassen“, sagt sie. Heute ist Inken im Methadon-Programm, verkauft die Zeitschrift Hempels und trägt Post aus. Ihre Geschichte erzählt sie im Video:

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erstellt am 11.Sep.2013 | 11:15 Uhr

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