Landesunterkunft : Mehr Polizisten für Flüchtlingsunterkunft in Boostedt

Laut Zuwanderungsbericht des Innenministeriums trafen im Mai 416 Schutzsuchende im Norden ein.

Laut Zuwanderungsbericht des Innenministeriums trafen im Mai 416 Schutzsuchende im Norden ein. In Boostedt sind 67 Prozent der Kapazitäten ausgeschöpft.

Die Polizei soll rund um die Uhr vor Ort sein, teilte das Innenministerium mit.

shz.de von
09. August 2018, 17:00 Uhr

Kiel/Boostedt | Die Polizeistation in der Landesunterkunft für Flüchtlinge in Boostedt bei Neumünster bekommt mehr Personal. Damit werde die Polizei rund um die Uhr vor Ort sein, teilte das Innenministerium am Donnerstag mit. Zunächst sollen bis Montag zwei Streifenwagen zusätzlich in der Gemeinde Präsenz zeigen. Von Montag an wird das Personal in der Unterkunft um 10 auf dann 25 Beamte aufgestockt. Damit soll in der Unterkunft eine 24-Stunden-Besetzung sichergestellt werden. Erst zum 1. August war die Einsatzstärke auf 15 Polizisten erhöht worden. Zum 1. Oktober sollen in Boostedt drei weitere Vollzugsbeamte stationiert werden.

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„Bereits in den vergangenen Wochen hatten wir den im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterkunft geäußerten Sorgen der Anwohner Rechnung getragen und unter anderem die Polizeipräsenz in Boostedt mehr als verdoppelt“, sagte Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU). „Mit diesem 24-Stunden-Dienst leisten wir nun einen weiteren Beitrag dazu, dass sich die Menschen in Boostedt sicher fühlen können.“

Der Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein hat indes das Ende der Kasernierung von Flüchtlingen verlangt. Der Verein reagierte damit am Donnerstag auf Kritik am Verhalten von Flüchtlingen ohne Bleibeperspektive in der Landesunterkunft Boostedt bei Neumünster.

Dass es dort zu „sozialen Reibungsverlusten und Problemlagen infolge systematischer Desintegration von zwangskasernierten Ausreisepflichtigen“ kommen würde, sei absehbar gewesen, sagte Flüchtlinsrat-Geschäftsführer Martin Link.

Flüchtlingsrat: Flüchtlinge sollen dezentral auf Kreise und kreisfreie Städte verteilt werden

Boostedts Bürgermeister Hartmut König (CDU) hatte unter anderem über ungebührliches Benehmen und Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit berichtet. Aktuell wohnen laut Innenministerium 1351 Menschen auf dem früheren Gelände der Rantzau-Kaserne: In der Erstaufnahmeeinrichtung, der zugeordneten Gemeinschaftsunterkunft und der Landesunterkunft für Ausreisepflichtige. Aus Königs Sicht sollten es maximal 500 Menschen sein, größere Zentren seien nicht geeignet.

Der Flüchtlingsrat kritisierte die aufgekommene Debatte scharf. „Unerträglich ist die aktuelle scheinheilige Naseweisheit kommunaler und Landespolitiker, wenn diese einmal mehr die Opfer ihrer verfehlten Politik für deren Konsequenzen verantwortlich machen“, sagte Link. Dass Menschen, denen in den Herkunftsländern Überlebensnöte bevorstünden, „die Alltagskontenance verlieren“, solle niemanden überraschen. Die Flüchtlinge dürften nicht kaserniert, sondern müssten regelmäßig dezentral auf die Kreise und kreisfreien Städte verteilt werden, verlangte der Flüchtlingsrat.

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