Betrug mit EC-Karten : Mehr Datenklau im Norden

Mit manipulierten Bauteilen versuchen Kriminelle Daten an Geldautomaten auszuspionieren. Foto: dpa
Mit manipulierten Bauteilen versuchen Kriminelle Daten an Geldautomaten auszuspionieren. Foto: dpa

Für Kriminelle sind Geld- und alle Arten von Bezahlautomaten ein gefundenes Fressen. Immer häufiger kommt es daher zur Manipulation dieser Geräte - und die Kunden sind oftmals ahnungslos.

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11. Mai 2011, 07:23 Uhr

Berlin/Kiel | Dem Bundeskriminalamt (BKA) zufolge verursachten Betrüger so im vergangen Jahr in Deutschland allein bei EC-Karten einen Schaden von schätzungsweise 60 Millionen Euro. Das waren den Angaben zufolge 20 Millionen Euro mehr als noch 2009. Die Zahl der registrierten Angriffe auf Geldautomaten stieg um mehr als die Hälfte auf 3183 Fälle. In Schleswig-Holstein verzeichnete das Landeskriminalamt in Kiel insgesamt 86 Fälle von Skimming. Im Jahr zuvor waren es noch 50 Fälle gewesen. Allein in Kiel und Lübeck gab es den Angaben zufolge 79 Fälle von Automatenmanipulation.
Laut BKA-Präsident Jörg Ziercke wurden deutschlandweit etwa 190.000 Kartenkunden Opfer von sogenannten Skimming-Delikten. Dabei manipulieren Kriminelle Geldautomaten, um an die Kartendaten auf den Magnetstreifen und die Geheimzahl zu kommen. Das BKA rät daher, dass Verbraucher immer nach auffälligen Vorrichtungen oder scheinbar unprofessionell montierten Bauteilen Ausschau halten sollten. Da die Geheimzahl oft mit Kameras ausspioniert werde, solle auch auf Löcher im Automaten oder merkwürdig platzierte Rauchmelder geachtet werden.
"Der Magnetstreifen wird mittelfristig tot sein"
Vorsichtig ist aber längst nicht mehr nur am Geldautomaten geboten. Im März seien erstmals in Deutschland auch Fälle bekannt geworden, bei denen Tankautomaten und Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn manipuliert und Kartendaten samt Geheimzahl gestohlen wurden. Zugute kommt den Tätern dabei wohl auch, dass im täglichen Gebrauch immer öfter die Karte gezückt wird. Kartenzahlungen machten 2010 einen Anteil von 38,4 Prozent aus. Im Jahr zuvor waren es noch 37,5 Prozent gewesen. In bar wird unterdessen immer seltener bezahlt.
Wegen der Umstellung auf Chiptechnik erwarten Behörden und Kreditwirtschaft künftig aber einen Rückgang der Kartenkriminalität. Bereits in den ersten vier Monaten 2011 sei die Zahl der Fälle im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 40 Prozent gesunken, sagte der Geschäftsführer von Euro Kartensysteme, Hans-Werner Niklasch. Die Frankfurter Firma ist ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft.
Die deutschen Banken und Sparkassen haben ihre Karten neben den Magnetstreifen mittlerweile fast zu 100 Prozent mit Chips ausgestattet. Zahlungen und Geldab hebungen per EC-Karte sollen nach und nach nur noch über den elektronischen Chip abgewickelt werden. "Der Magnetstreifen wird mittelfristig tot sein", sagte Niklasch. Das werde aber noch drei bis vier Jahre dauern, der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) arbeite daran. Die Geldinstitute halten den Magnetstreifen aber vorerst noch für unverzichtbar, weil er im Ausland, vor allem außerhalb Europas, vielerorts noch gebraucht wird.
(til, dpa)

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