zur Navigation springen

Medizinische Versorgung in SH : Mehr Ärzte – doch der Mangel bleibt

vom

Die Zahl der Ärzte in SH steigt. Dennoch gibt es Engpässe in der medizinischen Versorgung. Auch wegen einer EU-Richtlinie.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2014 | 06:51 Uhr

Berlin/Kiel | Die Zahl der Ärzte steigt – und trotzdem werden die Engpässe in der medizinischen Versorgung immer größer. In Schleswig-Holstein gab es nach gestern veröffentlichten Zahlen der Ärztekammer Anfang dieses Jahres 469 Mediziner mehr als zwölf Monate vorher. Das ist eine Zunahme um 2,5 Prozent auf insgesamt 16.062 Ärzte. Das Plus entspricht dem Anstieg auf Bundesebene. Deutschlandweit sind 357.200 Mediziner tätig.

Von den 16.062 Berufsangehörigen in Schleswig-Holstein arbeiten 37 Prozent in Krankenhäusern. 32,3 Prozent sind niedergelassene Ärzte. Die restlichen 30,7 Prozent umfassen Tätigkeiten etwa in der Forschung oder bei Behörden. Insgesamt lag die Zahl der Neuanmeldungen deutlich über derjenigen der Abmeldungen, die auf Grund von Tod oder Umzug in andere Länder zustande gekommen sind: 1835 Neulinge registrierte die Ärztekammer im nördlichsten Bundesland, demgegenüber verzeichnete sie 1366 Abgänge.

„Schon über Jahre geht die Zahl der Kollegen stetig nach oben“, beobachtet der Sprecher der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Wolfram Scharenberg. 2007 etwa gab es zwischen Nord- und Ostsee noch 1713 Mediziner weniger als heute. Der Zuwachs einerseits und der vielbeklagte Medizinermangel sind jedoch kein Widerspruch. „Die Strukturen des Berufs verändern sich“, sagt Scharenberg. So gibt es einen regelrechten Boom von Teilzeitbeschäftigungen, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Dies gilt insbesondere für Frauen, deren Anteil rasant steigt. Ebenso entschieden sich mehr Berufsangehörige für ein Angestelltenverhältnis anstatt sich selbstständig zu machen.

Eine Ursache für den Mangel an Ärzten seien die seit 2003 per EU-Richtlinie festgelegten Arbeitszeiten in Kliniken, sagt Henrik Herrmann, Vorsitzender des Marburger Bunds in Schleswig-Holstein. Früher musste ein Klinik-Arzt zwischen zwei Diensten einen Bereitschaftsdienst abreißen. „Heute darf er nur noch acht Stunden Dienst und einen Bereitschaftsdienst von 16 Stunden machen. Eine Arbeitskraft fehlt.“ Hinzu komme, dass ein Bereitschaftsdienst nur zu maximal 50 Prozent mit Arbeit gefüllt werden dürfe. Durch zunehmende Arbeitsverdichtung sei das kaum mehr möglich. „Diese Bereitschaftsdienste müssen dann in mehrere Schichten umgewandelt und aufgeteilt werden.“ Wenn man nun noch Urlaube und Krankenstand mit einbeziehe, komme man auf einen Mehrbedarf von vier Ärzten, wo früher einer gearbeitet habe. Auch der medizinische Fortschritt mit vielen neuen Differenzierungen in Spezialgebiete und immer mehr Technik erfordere einen Zuwachs an Personal.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen