Besatzungs-Engpässe : Marine schickt keine Tanker mehr nach Somalia

Der Einsatzgruppenversorger 'Berlin' und der Betriebsstofftanker 'Spessart' (vorne) während einer Übung. Statt vor Somalia zu helfen, muss die 'Spessart' in Heimatnähe bleiben. Foto: dpa
Der Einsatzgruppenversorger "Berlin" und der Betriebsstofftanker "Spessart" (vorne) während einer Übung. Statt vor Somalia zu helfen, muss die "Spessart" in Heimatnähe bleiben. Foto: dpa

Die Marine hat ein Personalproblem: Die zivilen Seeleute ihrer Versorgungstanker dürfen nicht mehr so viel arbeiten. Deshalb fehlen Schiffe für Somalia.

Avatar_shz von
22. September 2011, 11:03 Uhr

Wegen der Zeitbegrenzung für angestellte Seeleute kann die Marine zurzeit keine Versorgungstanker mehr zur Piratenjagd nach Somalia schicken. Das geht aus einem Bericht des Verteidigungsministeriums hervor. Hintergrund ist ein Konflikt um das Arbeitszeitgesetz. Die 329 zivilen Seeleute dürfen demnach höchstens 48 Stunden pro Woche im Jahresdurchschnitt arbeiten - mit einer Höchstarbeitszeit von 13 Stunden pro Tag. Eine flexiblere Sondervereinbarung mit den Gewerkschaften war Ende 2010 ausgelaufen.
"Die Besatzungen wollen die Auslandseinsätze wahrnehmen. Es ist nicht so, dass sie sich über die Arbeitszeiten beschwert hätten", sagt Hans-Peter Bartels (SPD), Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag. Doch die Gewerkschaften erheben Einspruch. Sie wollen eine saubere Lösung und keine weiteren Provisorien, wie bis 2010. "Dabei sind sie durchaus kompromissbereit", sagt Bartels. Doch zwischen Verteidigungs- und Inneministerium wird um Kompetenzen gestritten - einer angestrebten flexibleren Regelung der Arbeitszeiten steht der Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) im Weg.
"Deutschland ist unterproportional vertreten"
"Somit befinden wir uns in einer ärgerlichen Situation", sagt Bartels. Denn derzeit werde Geld an "wenig sinnvollen Stellen" ausgegeben. Statt ihre Nato-Mission "Atalanta" am Horn von Afrika wahrzunehmen, müssen die Versorger "Rhön" und "Spessart" in Nord- und Ostsee bleiben. Insgesamt sind vier Tanker und drei Schlepper betroffen. Letztere werden für das Überlebenstraining fliegender Soldaten im Wasser eingesetzt. Die Worte im Bericht des Verteidigungsministeriums sollten alarmieren: "Bei fortschreitendem Ausfall und fehlenden Alternativen droht eine Beeinträchtigung dieser Notfallausbildung für das fliegende Personal der Bundeswehr."
Vor Somalia muss die deutsche Marine nun auf die Unterstützung der USA, Niederlande und Spanien zurückgreifen. Das sorgt auch in der Nato für Kritik. "Deutschland ist derzeit unterproportional vertreten", weiß Bartels.
Ein Austausch der Tanker-Besatzung gegen militärisches Personal ist nicht ohne weiteres möglich. Bartels: "Dazu bräuchten wir erst mal mehr Soldaten, die wir gar nicht haben." Zudem müssten die auch speziell ausgebildet werden. "Das Betreiben solcher Tankschiffe mit zivilem Personal ist also deutlich günstiger", so Bartels.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen