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Feuerwehr : Marco Evers im doppelten Einsatz

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Wenn Marco Evers zur Arbeit kommt, ist er gleich doppelt verfügbar. Nicht nur für seinen Arbeitgeber, sondern auch für die Freiwillige Feuerwehr.

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 04:47 Uhr

Schwentinental | Der 39-Jährige lebt in der knapp 20 Straßenkilometer entfernten Gemeinde Wendtorf an der Ostsee (Kreis Plön). Auch in seinem Dorf ist er im Brandschutz engagiert - hier ist Evers inzwischen Wehrführer. Seit vier Jahren nun ist der Bauhofmitarbeiter zusätzlich Zweitmitglied der Ortswehr Raisdorf.
"Die Zweitmitgliedschaft in Raisdorf wurde beim Bewerbungsgespräch gleich an mich herangetragen", berichtet Evers. "Da ich aus unserem Dorf die großen Probleme kenne, habe ich sofort zugesagt." Große Probleme heißt: Bei vielen Feuerwehren in Schleswig-Holstein herrscht besorgniserregender Mangel an Einsatzkräften - vor allem am Tag.

Zusätzliche Belastung


"Die Zweitmitgliedschaft ist eine Methode, diesem Mangel zu begegnen - wenn auch eine extreme", erklärt Holger Bauer, Sprecher des Landesfeuerwehrverbandes in Kiel. Für jemanden, der in zwei Wehren Dienst tut, bedeute dies auch eine zusätzliche Belastung. "Er hat zumindest zu Beginn die doppelte Anzahl an Übungen, und er muss die anderen Geräte kennen lernen", bestätigt Stefan Kühl (42), Wehrführer der Ortswehr Raisdorf. Dennoch: In Zeiten erhöhter Mobilität sind Zweitmitgliedschaften fast schon unerlässlich: "Immer mehr Menschen arbeiten weit entfernt vom Ort, in dem sie wohnen. Wenn es dort brennt, können sie jemanden ja nicht über zig Kilometer zum Einsatz rufen", sagt Landesfeuerwehrsprecher Bauer.
Raisdorfs Wehrführer Kühl arbeitet ebenfalls im Bauhof der Stadt Schwentinental. Fünf der 24 Beschäftigten seien Feuerwehrmitglieder, sagt Betriebsleiter Ingo Straußfeld (44), drei davon seien bereits in zwei Feuerwehren gleichzeitig aktiv.

"Wir zählen etwa 100 Einsätze pro Jahr"


Und dennoch ist die Sollstärke der Ortswehr Raisdorf bei weitem nicht erreicht. 62 stehen auf der Aktivenliste, "sind aber definitiv nicht verfügbar", sagt Wehrführer Kühl. "73 Aktive müssten es sein." Denn in Raisdorf - mit einem der größten Gewerbegebiete im Land, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtung sowie den Bundesstraßen 76 und 202 und der Landesstraße 52 - herrsche "eine hohe Brandlast und viel Bewegung".
"Wir zählen etwa 100 Einsätze pro Jahr", berichtet Kühl. Nicht alles seien Brände, bei der Mehrzahl seien es "technische Hilfeleistungen" - etwa wenn eine Ölspur beseitigt werden muss, was durchaus ein paar Stunden dauern könne.

"Es stört mich nur, wenn es sich um einen Fehlalarm handelt"


Beim jüngsten Einsatz, zu dem Marco Evers seinen Arbeitsplatz verlassen musste, hatte ein Sattelzug auf der Landesstraße 52 seinen Auflieger verloren. Für Betriebsleiter Straußfeld war es klar, dass seine Feuerwehr-Mitarbeiter den Arbeitsplatz dafür verlassen. "Es stört mich nur, wenn es sich mal wieder um einen Fehlalarm handelt, dann liegt die Arbeit hier im Bauhof ja unnötig brach." Dennoch rücken bei den meisten Alarmen die Zweitmitglieder mit aus. Denn: "Wenn die Sirene heult, weiß man ja noch nicht genau, was wirklich los ist", sagt Evers.
Es gibt auch Fälle, da sind zusätzlich die Mitarbeiter des Bauhofes gefordert. Oder sogar alle Beschäftigten. So vor fast 20 Jahren: Zwei Tage vor Heiligabend im Jahr 1993 waren im Klosterforst bei Raisdorf auf der Bahnstrecke Kiel-Lübeck ein vollbesetzter Eilzug und ein Bahn-Arbeitszug auf der eingleisigen Teilstrecke zusammengestoßen. Das Unglück forderte ein Todesopfer und 93 Verletzte. "Das war vor meiner Zeit", sagt Betriebshofleiter Straußfeld. "Aber ich weiß, dass nicht nur alle Feuerwehrmänner, sondern auch alle Bauhofmitarbeiter draußen waren, um in der morgendlichen Dunkelheit im Wald nach orientierungslos umherlaufenden Fahrgästen zu suchen."
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