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Jahresbericht des KBA : Männer haben mehr Punkte als Frauen

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Männer haben deutlich mehr Punkte in Flensburg als Frauen. Die meisten Punkte kassierten beide wegen zu schnellen Fahrens. Auf Platz zwei kommt bei Männern Alkohol am Steuer.

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:23 Uhr

Flensburg | Mehr als drei Viertel der in Flensburg registrierten Verkehrssünder sind Männer. Rund sieben Millionen Männer (77,6 Prozent) hatten am 1. Januar 2013 beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Punkte, der Anteil der Frauen lag bei etwa 22,4 Prozent, was zwei Millionen entsprach. Das geht aus dem Jahresbericht des Kraftfahrt-Bundesamtes hervor, den KBA-Präsident Ekhard Zinke am Montag in Flensburg vorstellte.
"Zwei Drittel aller eingetragenen Personen haben aber nur wenige Punkte", sagte Zinke. Das heißt, etwa 6,5 Millionen Verkehrssünder haben ein bis sieben Punkte. Rund 470.000 Menschen haben 8 bis 17 Punkte, der Anteil der Frauen beträgt hier nur zehn Prozent.

Rechts-Links-Schwäche?


Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass Frauen auch die besseren Autofahrer seien, sagte Zinke. Die vorgestellten Zahlen seien nur Fallzahlen, er warne vor Interpretationen in die eine oder andere Richtung. Es wird in die KBA-Zahlen nicht einberechnet, wie häufig und wie lange Strecken die Kraftfahrer unterwegs sind.
So muss es aber auch nichts mit der vielen Frauen nachgesagten Rechts-Links-Schwäche zu tun haben, dass sie - nach Geschwindigkeitsüberschreitungen - am häufigsten wegen Vorfahrtsvergehen Punkte kassieren. Frauen führen im Vergleich wohl eher öfter innerorts als Männer, sagte Zinke. Insgesamt waren 4,021 Millionen Männer Anfang 2013 wegen Geschwindigkeitsverstößen registriert und 1,126 Millionen Frauen. Auf Platz zwei der "Sündenliste" rangierten bei den Männern Alkoholfahrten (1,234 Millionen), gefolgt von Missachtung der Vorfahrt (611 000). Bei den Frauen war es umgekehrt: 266.000 waren wegen Vorfahrtsvergehen im Verkehrszentralregister erfasst, 170.000 wegen Alkohols am Steuer.

Weniger Alkohol-Verstöße


Im Jahr 2012 wurden aber insgesamt die wenigsten Alkoholverstöße registriert und verfolgt, seit 2004 Alkohol- und Drogenverstöße am Steuer statistisch getrennt erfasst werden. Der zweite Blick offenbart aber: Es sind immer noch fast 150.000 registrierte Verstöße. Dies geht aus dem Jahresbericht des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) hervor, der am Montag in Flensburg vorgestellt wurde.
"Das ist die geringste Zahl, die wir jemals hatten", sagte KBA-Präsident Ekhard Zinke, um gleich hinterher zu schieben: "Aber 147.200 ist auch nicht gerade eine Banalität. Eigentlich ist das noch erschreckend viel." Zudem ist die Zahl der aufgedeckten Drogenverstöße von 30.400 im Jahr 2011 auf 31.600 gestiegen.
Aus den Zahlen lässt sich nicht ableiten, dass sich tatsächlich weniger Menschen betrunken hinters Steuer setzen. "Die Dunkelziffer, (...) muss hier unberücksichtigt bleiben", heißt es in dem Jahresbericht. Nach Angaben des ADAC von 2011 wird lediglich jede 600. Alkoholfahrt überhaupt nur entdeckt.
Vielen Autofahrern ist - trotz Aufklärungskampagnen - wohl nicht bewusst, dass auch das Bier mit Freunden oder ein Glas Wein zum Abendessen schon die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen kann. "Häufig wird es sogar als Kavaliersdelikt angesehen, sich an den gesetzlich vorgegebenen Grenzwert heran zu trinken", heißt es beim ADAC in München.

Streit um Null-Promille


Und weiter: "Von einem solchen Vorgehen kann im Hinblick auf die Unfallstatistik nur dringend abgeraten werden." So verunglückten im Jahr 2010 beispielsweise 342 Menschen wegen zu viel Alkohols am Steuer tödlich, 5001 wurden schwer verletzt, 13.873 leicht. "Die Zahlen der alkoholisierten Fahrten weiter zu senken, trägt auch dazu bei, die Zahl der Verkehrstoten dauerhaft zu verringern", sagte KBA-Chef Zinke.
Von einer Absenkung der Promillegrenze von 0,5 auf 0,0, wie es immer mal wieder diskutiert wird, hält der ADAC indes nichts: "Denn ein gesetzliches Alkoholverbot am Steuer führt nicht automatisch zu weniger Alkoholfahrten. Dies zeigt der Vergleich mit den europäischen Staaten, in denen eine 0,0-Promillegrenze gilt, also Estland, Kroatien, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn." Vielmehr sollten die geltenden Werte durchgesetzt und dazu die Kontrolldichte erhöht werden.

Schulungen für Polizeistreife


Die höhere Kontrolldichte und eine bessere Ausbildung der Ermittler tragen auch zum Anstieg der registrierten Drogenverstöße bei. Es liegt also nicht unbedingt daran, dass sich die absolute Zahl der Drogenkonsumenten, die sich hinters Steuer setzen, verändert hat.
So schult die Polizei in Schleswig-Holstein beispielsweise seit einigen Jahren die Streifenbeamten. Ziel sei es, jeden Kollegen, der auf Streife sei, zu schulen, sagte ein Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. Einige Direktionen setzten auch spezielle Trupps ein, die Drogenfahrten entdecken sollen. Alle werden aber auch so nicht erwischt. "Wir gehen schon von einem hohen Dunkelfeld aus", sagte der Sprecher.
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