Jakobskreuzkraut : Mähen gegen ein wachsendes Problem

Nicht nur für Bienen, auch für Pferde ist das gelbe Jakobskreuzkraut gefährlich.
Nicht nur für Bienen, auch für Pferde ist das gelbe Jakobskreuzkraut gefährlich.

Sie ist eine Problempflanze - vor allem für Pferde: Die Stiftung Naturschutz sagt dem Jakobskreuzkraut den Kampf an. Ausgewählte Insekten sollen bei der Vernichtung helfen.

Margret Kiosz von
02. Mai 2015, 16:59 Uhr

Kiel | Kehrtwende bei der Stiftung Naturschutz: Nachdem man in den vergangenen Jahren den Pächtern von Stiftungsflächen nur eine extensive Beweidung erlaubte und damit der rasanten Ausbreitung des Jakobskreuzkrautes Vorschub geleistet hat, soll die hochgiftige Pflanze jetzt durch Mähen bekämpft werden. Vorausgegangen waren massive Proteste von Pferdehaltern – aber auch besonders von Imkern, deren Bienen sich nach der Rapsblüte im Mai mangels Alternativen über das gelbblühende Jakobskreuzkraut hermachten. In einigen Sommerhonigen wurden daraufhin gesundheitlich bedenkliche Pyrrolidizin-Alkaloide in einer Konzentration nachgewiesen, die für den Menschen bedenklich sind weil sie zu schweren Leberschäden führen.

Mit einem Zehn-Punkte-Plan will die Stiftung jetzt die Ausbreitung der heimischen Wildpflanze eindämmen. „Mähen, Mähen, Mähen“, nannte Umweltmanager Aiko Huck als kurzfristige Gegenmaßnahme, abweichend von der vieljährigen Praxis. Mähen alleine reiche aber nicht aus, damit gingen die Bestände nicht zurück. Langfristig sollen Insekten als „biologische Gegenspieler“ helfen. Für die Erforschung ist die Kieler Universität mit im Boot. Unter anderem soll der Jakobskrautbär, ein Schmetterling, und der Flohkäfer bei der Vernichtung helfen, sagte Huckauf.

Offiziell wird die Stiftung Naturschutz jetzt zum Kompetenzzentrum für die Bekämpfung der Giftpflanze, die besonders häufig in Ostholstein (Raum Süsel) und im Kreis Rendsburg-Eckernförde (Aukrug) zu finden ist. Das Kieler Umweltministerium stellt der Stiftung für das Vorgehen gegen das Kraut 150.000 Euro insgesamt für drei Jahre zur Verfügung. Darüber hinaus bietet das Ministerium ein Vertragsnaturschutzprogramm an, um die Blühangebote für Bienen zu erhöhen, die damit ein Alternativen zum Jakobskreuzkraut anfliegen können. Das Programm Ackerlebensräume umfasst derzeit etwa 2600 Hektar; die Kosten belaufen sich auf 1,7 Millionen Euro pro Jahr, davon sind 75 Prozent EU-Mittel.

„Das Jakobskreuzkraut sorgt zunehmend für Konflikte; es ist ein Problem, das im wahrsten Sinne des Wortes wächst“, räumt Ministeriumssprecherin Nicola Kabel ein. Deshalb sei es gut, dass die Stiftung das Thema offensiv angehe. Die Stiftung soll auch das Imkertelefon weiterführen. „Wir sind die erste Organisation, die das Problem der massiven Ausbreitung der heimischen Pflanzenart erkannt hat und die Bekämpfung jetzt planvoll und konsequent anpackt, ökologisch zukunftsweisend“, sagte die Stiftungsvorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete Sandra Redmann. Auf die Giftspritze soll verzichtet werden. „Dieses Kraut soll uns nicht über den Kopf wachsen“, sagte Geschäftsführer Walter Hemmerling. Der Stiftung sei nicht nur an einer intakten Natur gelegen, sondern auch an der Gesundheit der Menschen.

Auf die Frage, ob der Sommerhonig weiterhin genossen werden könne, sagte der Vize-Vorsitzende des Landes-Imkerverbandes, Dietrich Ramert: „Grundsätzlich ja.“ 90 bis 95 Prozent der Sommertracht seien nicht belastet. Die Imker ließen den Honig jetzt zusätzlich untersuchen und verzichteten im Zweifel auf einen Verkauf. Ob dies zu höheren Preisen führen wird, ließ Ramert offen. Umweltmanager Huckauf beruhigte indes Pferdehalter. Von den 1200 Stiftungsland-Pächtern habe keiner einen Todesfall eines Pferdes gemeldet, der eindeutig auf die Giftstoffe des Jakobskreuzkrauts zurückzuführen sei.
 

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