Krebs : Lungen- und Darmkrebs sind "Killer"

Die meiste Zeit verbringt Professor Dr. Christoph Röcken am Mikroskop. Foto: Grätsch
Die meiste Zeit verbringt Professor Dr. Christoph Röcken am Mikroskop. Foto: Grätsch

Er stellt täglich die Diagnose Krebs: Professor Dr. Christoph Röcken von der Kieler Uniklinik rät im Interview, Vorbeugemaßnahmen zu nutzen.

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21. April 2011, 09:08 Uhr

Professor Röcken, für viele Menschen ist der Pathologe derjenige, der Leichen seziert.
Das stimmt. In Wahrheit aber machen Obduktionen nur einen geringen Teil meiner Arbeit aus. 95 Prozent des Tages sitze ich am Mikroskop.
Und tun dort was?
Jede Diagnose Krebs in der Bundesrepublik wird von einem Pathologen gestellt. Wir untersuchen Gewebeproben aus allen Fachbereichen.
Das bedeutet, Sie haben jeden Tag mit bösartigen Tumoren zu tun. Wie halten Sie das aus?
Ich habe eine professionelle Distanz zu den Patienten, und die muss ein Pathologe auch haben. Wir sind diejenigen, die eine Diagnose absichern. Und Sie als Patient möchten natürlich, dass eine objektive und nicht eine von Emotionen geleitete Person über Ihr Leben entscheidet. Eine Diagnose hat schließlich weitreichende Konsequenzen. Außerdem dürfen auch Pathologen ihre Lebensfreude nicht verlieren.
Haben Sie für Ihr Leben Konsequenzen aus Ihrer täglichen Arbeit gezogen?
Die Beschäftigung mit Krebs hinterlässt Spuren. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. Außerdem achte ich - natürlich auch bei meiner Familie - auf viel Bewegung und gesunde Ernährung.
Welche Arten von Krebs machen den Schleswig-Holsteinern am häufigsten zu schaffen?
Prostata- und Brustkrebs sind die häufigsten geschlechtsspezifischen Tumorarten, Lungen- und Darmkrebs sind die "Killer" bei den geschlechtsunabhängigen Tumorarten. Knapp 2000 Menschen im Jahr erkranken an Lungenkrebs, davon 1271 Männer und 690 Frauen. 2335 Menschen bekommen Darmkrebs, wobei hier der Anteil von Männern und Frauen ausgeglichen ist.
Warum erkranken so viele Schleswig-Holsteiner an Darmkrebs?
Darmkrebs ist in Deutschland ein großes Problem. Europaweit sind wir da gemeinsam mit Tschechien Spitzenreiter. Wenig Bewegung und falsche Ernährung - viel Fleisch, wenig Obst und Gemüse - sind die Ursachen. Durch eine individualisierte Therapie erzielen wir in diesem Bereich aber bereits sehr gute Erfolge.
Wie kann man verhindern, an Krebs zu erkranken?
Man sollte unbedingt die Vorbeugemaßnahmen nutzen, die von den Krankenkassen ab einem bestimmten Alter auch finanziert werden. Hier sind die Teilnahmezahlen nicht zufrieden stellend. Dabei können beispielsweise bei Magen- beziehungsweise Darmspiegelungen Vorstufen von Krebs entfernt werden.
Gab es Patienten-Schicksale, die Sie - bei aller Professionalität - sehr erschüttert haben?
Während meines Studiums war ich erstmals bei der Obduktion eines neun Jahre alten Jungen dabei, der an Leukämie verstorben war. Das nimmt einen natürlich mit.

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