Flugzeugabsturz im Sauerland : Luftwaffe vermutet Fehler des Learjet-Piloten aus SH

Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) untersuchen auf einer Wiese bei Elpe (Nordrhein-Westfalen) die Absturzstelle des Learjets.
Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) untersuchen auf einer Wiese bei Elpe (Nordrhein-Westfalen) die Absturzstelle des Learjets.

Für die Insassen der Unglücksmaschine gibt es keine Hoffnung mehr. Nun wird geklärt, was zum Flugzeugabsturz führte.

shz.de von
24. Juni 2014, 18:39 Uhr

Olsberg | Die Luftwaffe geht nach der Kollision eines Flugzeugs mit einer Bundeswehrmaschine von einem Fehler des Learjet-Piloten aus. Da bei dem Eurofighter der Außentank abgerissen sei, vermute man, dass die Privatmaschine zu dicht von unten an den Kampfjet herangeflogen sei, sagte am Mittwoch ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin. „Wir müssen natürlich den abschließenden Bericht abwarten, aber es wird in diese Richtung laufen.“ 

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) bezeichnete dies als „reine Spekulation, eine Variante von vielen möglichen“. Die Untersuchungen seien längst noch nicht so weit, um zu dem Flugverlauf der Maschinen etwas sagen zu können, sagte ein BFU-Sprecher. Die Behörde ermittelt seit Montag mit drei Experten, wie es zu dem Unfall im Sauerland kommen konnte.

Die „Süddeutsche Zeitung“ und „Spiegel Online“ hatten zuvor berichtet, der Learjet habe den Eurofighter in einer Linkskurve von unten gerammt. Der Pilot der Privatmaschine habe einen „fatalen Fehler“ gemacht, heißt es in den Berichten unter Berufung auf Insider, die mit den Ermittlungen vertraut seien.

Über das Schicksal der beiden Insassen des abgestürzten Learjets gibt es bisher keine endgültige Klarheit. Nach Einschätzung der Polizei sind beide tot. „Wir gehen inzwischen davon aus, dass beide nicht überlebt haben“, sagte ein Sprecher am Dienstag in Meschede. Am Wrack waren Leichenteile gefunden worden. Die an dem Manöver beteiligte Privatmaschine war am Montag in etwa 2500 Metern Höhe mit einem Eurofighter der Luftwaffe kollidiert und kurz hinter der Ortschaft Olsberg-Elpe abgestürzt. „Es handelte sich um eine Art Abfangübung“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin.

Dabei sollte sich einer der beiden beteiligten Kampfjets vor das zivile Flugzeug setzen, um es zu führen. So etwas werde per Sichtkontakt und Handzeichen verabredet, erläuterte der Sprecher. Nach der Kollision waren die Eurofighter wieder bei Köln gelandet.

Einer der beiden Kampfjets verlor neben Teilen des Triebwerks auch einen Außentank. In einem Schreiben der Luftwaffe an den Verteidigungsausschuss im Deutschen Bundestag heißt es, dass der „Eurofighter an seiner rechten und unteren Seite stark beschädigt“ sei. Die Jets seien nicht bewaffnet gewesen, sagte der Sprecher der Luftwaffe.

Die beiden Insassen des Learjets waren Ex-Militärpiloten, wie die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) im schleswig-holsteinischen Hohn mitteilte. Die 50 und 43 Jahre alten Männer hätten gemeinsam mit zwei Eurofightern einen sogenannten Renegade-Einsatz geflogen, sagte GFD-Geschäftsführer Klaus Menzel. Die Männer kamen aus dem nördlichen Schleswig-Holstein. Einer von ihnen stammt nach Informationen unserer Zeitung aus Schleswig. Der Begriff Renegade stammt aus dem Englischen und steht für Abtrünniger oder Überläufer. „Es passiert jeden Tag, dass ein Flugzeug in den deutschen Luftraum ohne Funkkontakt eintritt und nicht identifiziert werden kann“, sagte Menzel. Genau dieser Fall habe trainiert werden sollen.

Die GFD ist ein Tochterunternehmen der Airbus Defence and Space. Die Firma fliegt laut Menzel 15 Einsätze täglich für die Bundeswehr.Einschränkungen für entsprechende Manöver über bewohntem Gebiet gibt es laut Luftwaffe nicht. Tiefflüge in Höhen unter 600 Metern seien aber über größeren Städten und Industrieanlagen verboten. „In erster Linie sucht man sich einen Luftraum aus, in dem nicht viel los“, sagte der Sprecher.

Im Hochsauerlandkreis regt sich Widerstand gegen solche Überflüge. Landrat Karl Schneider (CDU) kritisierte in Olsberg die Übungen über bewohntem Gebiet. Er habe bis dato nichts von Manövern in seinem Zuständigkeitsbereich gewusst. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat nach dem Unglück mit drei Experten federführend die Ermittlungen aufgenommen.

Erste Zwischenergebnisse der Daten-Rekorder werde es allerdings erst in vier bis acht Wochen geben, sagte ein BFU-Sprecher. Äußerlich seien die Geräte zerstört, die Mechanik sei aber intakt. In den nächsten Tagen werde zudem der beteiligte Kampfjet auf Spuren untersucht. Außerdem seien die Radaraufzeichnungen der Deutschen Flugsicherung angefordert worden. Gegen die Piloten der zwei Bundeswehr-Kampfjets wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Arnsberg wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Falls ein technisches Problem für den Absturz verantwortlich sein sollte, könnten sich die Ermittlungen beispielsweise auch gegen Bodenpersonal richten, sagte ein Sprecher.

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