SH im Ausland : Lübeck ist in Australien und Husum in Schweden

Bergpanoramen in Flensburg, Wildwasserrafting in Husum und Sonnenbaden am Strand von Hamburg – der Norden ist auch im Ausland vertreten. Teil zwei einer Reise durch die Orte Schleswig-Holsteins in aller Welt.

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28. Januar 2015, 20:03 Uhr

„Neumünster hat auch schöne Seiten“, schrieb ein optimistischer Kollege einst und zeigte dazu das sonnig-hübsche Bild eines großen Klosters. Ohne das landläufige Vorurteil bekräftigen zu wollen, Neumünster sei nicht gerade die Visitenkarte Schleswig-Holsteins, wurde seine Freude über das neu entdeckte Idyll jäh gebremst. Ein kluger Leser antwortete prompt: „Hmmm…das Neumünster ist aber gar nicht unser Neumünster.“ Das Foto wurde schnell durch eins der Schwale-Brücke ersetzt. Neumünster, wie man es kennt und liebt.

Blick auf die Abtei in Neumünster.
Imago
Blick auf die Abtei in Neumünster.

Doch welches Neumünster, wenn nicht unseres, ist dem Redakteur in die Quere gekommen? Die Abtei auf besagtem Foto steht im Kleinststaat Luxemburg und wird dort wahlweise unter Neumünster oder Neimënster geführt. Sie wurde 1606 von Benediktinermönchen errichtet und stellt heute als Kulturzentrum eine prächtige Kulisse für Konzerte und Ausstellungen.

Auch wenn der Schleswig-Holsteiner es gern sähe – die Abtei steht in keinem kausalen Zusammenhang mit der Outlet-Stadt an der Schwale. Vielmehr ist die Bezeichnung beider Orte Zeugnis der uninspirierten Namensgebung im Spätmittelalter. So folgt der Klosterbau der vermutlich 1543 von französischen Truppen zerstörten Abtei Altmünster, der Name des schleswig-holsteinischen Neumünsters ist auf das damals dort gebaute Kloster Novum monasterum (Übersetzt: Neues Münster) zurückzuführen. „Münster“ heißt dabei nicht mehr als Kloster- oder Großkirche.

Flickr/Familien Ehlers Mikkelsen

Drückt man ein Auge zu, so ist Luxemburgs Antipode Neuseeland. Und sogar dort findet der Schleswig-Holsteiner einen Ort, dessen Name vertraut klingt. Mit der Gemeinde Dannewerk haben die Dänen nicht nur hierzulande ihre Spuren hinterlassen. Die beschauliche Stadt Dannevirke in auf der neuseeländischen Nordinsel wurde nach dem historischen Grenzwall Danewerk bei Schleswig benannt – dem größten durch Wikinger geschaffenen Bauwerk.

Panoramio/Paul Strasser
 

In den 1870er Jahren wurde die Gegend rund um das neuseeländische Dannevirke auf Geheiß der Regierung von Europäern, darunter viele Dänen und Norwegern, besiedelt. 1872 gründeten skandinavische Siedler die Stadt Dannevirke in Erinnerung an das zuvor im deutsch-dänischen Krieg in deutsche Hände gefallene Danewerk. Noch heute ist die Abstammung der Siedlungsgründer Aushängeschild der 5500-Seelen-Stadt. Auf dem Ortseingangsschild prangt ein Wikinger mit entsprechendem Schiff, Einwohner feiern neben dem Skandinavien-Festival den Wikinger- und den Norwegen-Tag.

Nur einen Katzensprung über die Tasmanische See entfernt sagen sich Känguru und Killerspinne im Geisterdorf Lubeck gute Nacht. Der inmitten der kargen australischen Steppe gelegene Ort hat nichts mit seinem schleswig-holsteinischen Vorbild gemein. Doch sind beide Orte geschichtlich verbunden, bestätigt Ken Flack, Historiker aus dem nahe gelegenen Horsham.

Screenshot Google Streetview

„Nachdem in den frühen 1850ern in Victoria Gold gefunden wurde, stieg die Bevölkerungsdichte in der Gegend rasant an“, erklärt Flack. „Die Regierung machte für die wachsende Zahl von Einwanderern und Umsiedlern neue Teile des Landes bewohnbar – darunter auch die Gegend rund um das heutige Lubeck.“ Namensvater des Ortes sei historischen Aufzeichnungen zufolge H. Lutze, ein Auswanderer aus Lübeck gewesen.

Screenshot Google Street View

Heute ist von der einstigen aufstrebenden Gemeinde kaum noch etwas übrig. Nachdem Schule und die Poststation 1989 geschlossen wurden, stehen im gesamten Ort nur noch elf Häuser, von denen die wenigsten bewohnt sind. Schuld daran ist unter anderem die extreme Trockenheit in der Region, die es fast unmöglich macht, das Land zu kultivieren.

Wikipedia/Gudrun Norstedt

Die schwedische Version von Theodor Storms grauer Stadt am Meer macht ihrem Namen in dieser Hinsicht alle Ehre. Dominiert von einer großen Papier- und Zellstofffabrik ist Husum an der schwedischen Ostküste eine nüchterne Industriestadt mit rund 1700 Einwohnern. Der Name des schwedischen Husums lässt sich nicht etwa von einer historische Verwandschaft mit unserer Storm-Stadt ableiten. Auch hier dachten die Skandinavier praktisch und benannten die Stadt nach dem schwedischen Dativ Plural des Wortes „Haus“.

a2zgorge.info

Idyllischer geht es im amerikanischen Husum zu. Irgendwo im Bundessstaat Washington liegt die kleine Ortschaft mit zwei Hotels und einer Poststation. Etwa 120 Menschen leben dort, wo sonst nur Touristen auf der Suche nach dem Adrenalinkick Station machen. Husum ist der Ausgangspunk für Raftingtouren durch den White Salmon River, der mitten durch den Ort fließt.

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Vieles deutet darauf hin, dass in den 1880er Jahren Schleswig-Holsteiner den Ort gekapert haben. Historiker Dr. Joachim Reppmann wird konkreter: 1880 soll Auswanderer Martin Thompson das amerikanische Husum gegründet haben – er stammte ursprünglich aus einem nordfriesischen Dorf ganz in der Nähe von unserem Husum.

Einmal in den USA, lohnt sich ein Abstecher in die Großstadt. Nach Hamburg etwa, im Bundesstaat Pennsylvania. Denn auch hier haben sich deutsche Siedler namentlich verewigt. Die heutige 4200-Einwohner-Stadt wurde 1787 als Kaercher Stadt vom deutschen Auswanderer Martin Kaercher Jr. begründet. Seit 1798 wird die Gegend Hamburg genannt. Damals siedelten dort viele Auswanderer an, von denen ein Großteil aus unserem norddeutschen Hamburg stammte.

Screenshot facebook/Snapshotofthepast

Doch Pennsylvania hat nicht das einzige Hamburg der USA. In insgesamt 18 US-Staaten hat Hamburg einen Ableger. Darunter große Städte wie Hamburg in New York (etwa 57.000 Einwohner) und kleine Ortschaften wie Hamburg in Minnesota (rund 500 Einwohner).

Wikipedia/ La Licorne

Zum Schluss wird es noch einmal exotisch. Denn auch das ist Hamburg: sonnengegerbt und abgelegen. Das Hamburg nach Südafrika-Art liegt in der kleinen Provinz Ostkap und beherbergt etwa 1300 Einwohner, die nur über eine lange Schotterpiste zu erreichen sind. Der einzige Supermarkt im Ort ist gleichzeitig das Postamt, Touristen sieht das Dorf trotz breitem Sandstrand und angegliedertem Naturreservat nur selten. Ein Geheimtipp ist das südafrikanische Hamburg lediglich unter Fischern.

Wikipedia/La Licorne

Auch dieses Hamburg wurde nach Deutschlands Metropole benannt. Nach dem Krimkrieg wurden Mitglieder der Deutschen Legion als Siedler in diesen Teil Südafrikas gesandt, der Ort selbst wurde 1857 gegründet.

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