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Konsequenz aus NSU-Pannen : LKA-Spezialeinheit soll ungeklärte Morde in SH lösen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Landeskriminalamt gründet eine „Cold Case Unit“. Die Ermittler übernehmen die Qualitätskontrolle bei der Polizei.

Kiel | Die Blutspur des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) – elf Jahre lang ist es den Ermittlern nicht gelungen, sie richtig zu deuten. Um solche fatalen Fehler in Zukunft zu vermeiden, gründet das Landeskriminalamt (LKA) jetzt eine „Cold Case Unit“ („Kalte Fälle Einheit“). „Derzeit sind zwei Stellen für Mitarbeiter ausgeschrieben“, bestätigt LKA-Sprecherin Heike Bredfeldt-Lüth. Die Bewerbungsfrist laufe noch.

In den Vereinigten Staaten kümmern sich „Cold-Case“-Ermittler um ungelöste Altfälle. Die Beamten im Norden sollen nach Informationen unserer Zeitung auf zwei Ebenen tätig werden: Bereits erfolglos abgeschlossene Ermittlungen werden neu betrachtet und die Fälle daraufhin abgeklopft, ob sich zum Beispiel durch technische Entwicklungen neue Ansätze zur Klärung ergeben.

Zugleich werden sich die Beamten auch mit laufenden Verfahren befassen, bei denen die Ermittlungen ins Stocken geraten sind und an denen längere Zeit erfolglos gearbeitet wurde. Auch hier geht es um herausragend schwere Straftaten. Die Ermittler, die zuvor nicht mit den Verbrechen befasst waren, sollen sie aus der Distanz betrachten, ungenutzte Spuren finden oder neue Ideen zur Lösung entwickeln.

„Bei unserer ,Cold Case Unit‘ handelt es sich um einen Baustein von Maßnahmen, die das LKA als Konsequenz aus den Empfehlungen des parlamentarischen NSU-Untersuchungsausschusses umsetzt“, erklärt Bredfeldt-Lüth. Der Ausschuss war zu dem Ergebnis gekommen, dass „die Fehler und das Versagen auf allen Ebenen“ vorwiegend „strukturelle Ursachen“ hatten.

Die Beamten der „Cold Case Unit“ werden daher auch eine Art Qualitätskontrolle übernehmen und die einzelnen Schritte und Schlussfolgerungen ihrer Kollegen hinterfragen, um Irrwegen bei den Ermittlungen sofort entgegenzuwirken. So waren bei der NSU-Mordserie weder Geheimdienst noch Polizei in der Lage, in den Tötungen von Männern mit Migrationshintergrund die Taten rechter Terroristen zu erkennen – vielmehr vermutete die Sonderkommission, eine „Halbmond-Mafia“ könnte darin verwickelt sein. Die fünf Jahre vor dem Ende der Terrorzelle von einem Profiler aufgestellte Empfehlung, nach einem ausländerfeindlichen Serientäter mit Kontakten zur rechten Szene zu suchen, wurde nicht stringent verfolgt.

In Schleswig-Holstein gelten seit 1970 noch rund 120 Tötungsdelikte als nicht geklärt, die Täter sind unentdeckt. Immer wieder ist es Kripo-Ermittlern gelungen, Mörder nach Jahrzehnten doch noch aufzuspüren, vielfach dank neuer Methoden bei der DNA-Analyse. Mit der „Cold Case Unit“ wird die Suche nach diesen Mördern nun professionalisiert.

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erstellt am 29.Mär.2015 | 19:55 Uhr

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