Hallig Hooge : Licht und Schatten der Hallig-Maut

Hallig-Taler: Von Touristen wird beim Hooge-Ausflug ein Euro 'Eintritt' kassiert. Foto: Heinrichs
Hallig-Taler: Von Touristen wird beim Hooge-Ausflug ein Euro "Eintritt" kassiert. Foto: Heinrichs

Der "Hallig-Taler" sorgt für gespaltene Meinungen: Von Touristen wird beim Hooge-Ausflug ein Euro "Eintritt" kassiert. Der Bürgermeister ist zufrieden, die Touristen nicht.

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07. Oktober 2011, 08:27 Uhr

Hooge | "Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wir haben geschafft, was uns keiner zugetraut hätte", freut sich Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras über den Erfolg des am 1. April zum Preis von einem Euro eingeführten "Hallig-Talers". Rund 55.000 Euro sind durch die Abgabe bisher in die Gemeindekasse geflossen und die sollen zur weiteren Qualitätssteigerung des touristischen Angebots auf der Hallig verwandt werden - unter anderem zur Renovierung der Toiletten am Anleger sowie für eine neue Überdachung des Info-Standes, kündigt Piepgras an.
Zunächst müssen jedoch 33 Prozent für Personalkosten abgezogen werden. Denn Hafenmeister Thomas Sturm ist eingestellt worden, um die Abgabe bei den ankommenden Gästen einzukassieren und für einen geregelten Ablauf am Anleger zu sorgen.
"Etliche Reisegruppen wollen Hooge nicht mehr anlaufen"
Vor Einführung des "Talers" hatte es monatelange Querelen gegeben - und die Gemüter haben sich immer noch nicht beruhigt. Insbesondere in der Anfangszeit kam es häufiger zu Diskussionen zwischen Gästen und Besatzungsmitgliedern der Ausflugsschiffe. "Aus der früheren Ankündigung des Bürgermeisters, das sehen wir nicht so eng, wenn uns am Anleger mal einer durchrutscht, ist inzwischen reine Gier geworden", beschwert sich Kapitän Heinrich von Holt vom "MS Seeadler". "Am Anfang war das Auftreten der Kontrolleure sehr unerfreulich." Einige seiner Stammgäste würden jetzt aus Prinzip nicht mehr auf die Hallig fahren.
"Etliche Reisegruppen wollen Hooge nicht mehr anlaufen", beschwert sich auch Bernd Diedrichsen, Kapitän der "Hauke Haien". Dabei gehe es den Gruppen nicht um den einen Euro, sondern um das Prozedere des Kassierens, weiß Diedrichsen. "Die Rechnung des Bürgermeisters geht nicht auf", betont er und vermutet, dass der Taler im kommenden Jahr 3,50 kosten wird. "Ich muss Hooge nicht haben. Ich weiche mit meinen Gästen nach Gröde, Langeneß oder auf den Jarpsand aus." Der Kapitän schätzt einen Rückgang der Besucherzahlen für Hooge von 30 bis 40 Prozent.
"Wenn es so bleibt wie bisher, ist das mit dem Taler vertretbar", erklärt dagegen Sven Paulsen, Chef der Reederei "Adler Schiffe". Nur einige Reisende hätten sich auf seiner "Adler Express" beschwert - von "Wegezoll" sei die Rede gewesen. "Insgesamt gab es aber weniger Kritiker als erwartet. Bei uns wird auf dem Schiff immer darauf hingewiesen, dass auf Hooge der Taler fällig wird." Keine Probleme mit dem "Hallig-Taler" hat auch die Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR). Die WDR-Fähre "Hilligenley" läuft Hooge täglich an, von Föhr kommt der Ausflugsdampfer "Rüm Hart". "Wir weisen auf den Schiffen mit einem Aushang auf den Taler hin und verteilen Flyer", sagt WDR-Disponent Heiko Litschke. "Im Gegensatz zu vielen Gerüchten wird der Taler in den nächsten Jahren nicht teurer", versucht Hooges Bürgermeister Matthias Piepgras zumindest diese Woge zu glätten.

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