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Nord- und Ostsee : Leuchttürme – auch außer Dienst noch gefragt

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Museum, Hotel oder Standesamt: Für ausgediente Leuchttürme findet sich immer noch Verwendung. shz.de stellt einige der gelöschten Leuchtfeuer an Nord- und Ostsee vor.

Seit Jahrhunderten wachen sie über Küsten und Inseln, bei Tag und Nacht weisen sie Seeleuten den richtigen Weg. Leuchttürme gehören zu Nord- und Ostsee wie Muscheln, Fischkutter und Gummistiefel. Auch in Zeiten moderner Satellitentechnik mit GPS-Geräten sind die Bauwerke hilfreich für die handgemachte Navigation mit Karte und Kompass. Selbst die außer Dienst gestellten Bauwerke sind meist für den Abriss zu schade.

Einer der kleinsten, aber bekanntesten Leuchttürme steht an der ostfriesischen Küste: Das Pilsumer Leitfeuer in Niedersachsen mit dem rot-gelb geringelten Farbanstrich wurde berühmt durch den Film „Otto - Der Außerfriesische“ mit Komiker Otto Waalkes. Fast 125 Jahre hat der kompakte Turm auf dem Buckel und war doch nur gut 25 Jahre in Betrieb. 1915 wurde der Pilsumer Turm außer Dienst gestellt, weil sich das Fahrwasser der Ems verändert hatte und ein Leuchtfeuer dort nicht mehr gebraucht wurde. Danach rostete es an der salzigen Seeluft vor sich hin und kam erst durch eine Totalsanierung wieder zu neuer Blüte. Inzwischen gibt es Führungen für Kinder und Familien, Verliebte können sich in dem 15 Meter hohen Turm mit Blick auf die Nordsee trauen lassen.

Der kleine Leuchtturm bei Pilsum (Niedersachsen) wurde durch Otto Waalkes berühmt.
Der kleine Leuchtturm bei Pilsum (Niedersachsen) wurde durch Otto Waalkes berühmt. Foto: Imago/Hanke

Trauungen sind auch auf Leuchttürmen möglich, die noch ihrem ursprünglichen Zweck dienen. Besonders schön sind die aktiven Leuchttürme in Westerhever und auf Pellworm in Nordfriesland sowie der historische Leuchtturm in Kiel Holtenau, der als einer der schönsten Leuchttürme Deutschlands gehandelt wird. Ein besonders ikonischer Trauungsort ist auch der im März 2002 stillgelegte Leuchtturm Falshöft im Kreis Schleswig-Flensburg. Nach 92 Jahren wurde hier das Leuchtfeuer „gelöscht“, moderne GPS-Technik machte den Turm an dieser Stelle überflüssig. Die Lage des klassisch rot-weiß gestreiften Turms macht ihn für Hochzeiten Ideal. Umgeben von Schafweiden und Angelner Landschaft liegt er direkt an einem ruhigen Ostseestrand.

Leuchtturm und Sandstrand – In Falshöft steht das perfekte Standesamt für Ostseefreunde.
Leuchtturm und Sandstrand – In Falshöft steht das perfekte Standesamt für Ostseefreunde. Foto: Imago/Westend61
 

Um die Zeremonie kümmern sich Standesbeamte, denn Leuchtturmwärter gibt es überall schon seit Jahrzehnten nicht mehr. 1973 wurde der „Hohe Weg“ in der Außenweser in Niedersachsen als letzter westdeutscher Turm behördensprachlich „entmannt“, 1998 verließ auch im Osten auf Hiddensee in Mecklenburg-Vorpommern der letzte Wärter seine Station.

Beliebt sind Leuchttürme seitdem vor allem als Museen: Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Alte Leuchtturm auf der Nordseeinsel Borkum ist seit einem verheerenden Brand 1879 schon lange kein echtes Seezeichen mehr. Der Heimatverein zeigt dort aber gern Exponate aus seiner langen Geschichte oder bereitet eine ostfriesische Teezeremonie vor.

Ein etwas anderer Leuchtturm: Der Alte Leuchtturm in Borkum dient jetzt als Museum.
Ein etwas anderer Leuchtturm: Der Alte Leuchtturm in Borkum (Niedersachsen) dient jetzt als Museum. Foto: Imago/Imagebroker
 

Ausstellung statt Abriss heißt es auch für den betagten „Alten Leuchtturm“ in Travemünde. Der älteste Leuchtturm Deutschlands wurde erstmals 1330 urkundlich erwähnt. Nachdem dänische Truppen den ursprünglichen Turm im Jahr 1534 zerstörten, wurde der heutige Leuchtturm 1539 erbaut. Auch hier wütete bereits ein Feuer, nachdem der rote Backsteinbau 1827 von einem Blitz getroffen wurde. Bis ins Jahr 1972 erfüllte der Leuchtturm seinen Dienst, bis der Neubau eines Hotels das Leuchtfeuer verdeckte. Inzwischen beherbergt er auf acht Etagen ein maritimes Museum, von der Aussichtsplattform auf fast 30 Metern Höhe können Besucher über den Skandinavienkai, die Travemünder Altstadt, die Lübecker Bucht, bis nach Grömitz und sogar über die Küste von Mecklenburg-Vorpommern schauen.

Vom Hotel verbaut: Der Alte Leuchtturm in Travemünde ist gleichzeitig der älteste Leuchtturm Deutschlands.
Vom Hotel verbaut: Der Alte Leuchtturm in Travemünde ist gleichzeitig der älteste Leuchtturm Deutschlands. Foto: Imago/Imagebroker
 

Besonders abgefahren sind Besucher auf den Leuchtturm „Roter Sand“ in Niedersachsen: Ein paar Mal im Jahr bringt ein Schiff von Bremerhaven aus eine Hand voll Leute zu dem weit draußen in der Außenweser gelegenen Leuchtturm. Eine Übernachtung in einem der vermutlich einsamsten deutschen Hotels kostet rund 556 Euro pro Person - ohne großen Komfort in Etagen-Kojenbetten. Verpflegung zur Selbstversorgung wird aber gestellt.

Nichts für Angsthasen: Urlaub im Leuchtturm „Roter Sand“ in de Außenweser.
Nichts für Angsthasen: Urlaub im Leuchtturm „Roter Sand“ in de Außenweser. Foto: Imago/Mollenhauer
 

Ein Leuchtturm-Hotel im Miniaturformat gibt es auch in Schleswig-Holstein: Das kleine Leuchtfeuer in Dagebüll steht gleich hinter dem Deich und verspricht Nordfriesland pur – ganz ohne Nachbarn. Zwei Personen finden in dem 18 Quadratmeter kleinen, zweckentfremdeten Türmchen mit Blick auf die Nordsee Platz. Komfort versprechen ein maßgeschneiderter Whirlpool und die besonders geschmackvolle Einrichtung. Übernachtungen können ab 250 Euro/Nacht gebucht werden. 1988 war dieses Leuchtfeuer zuletzt regulär in Betrieb, 2012 wurde es restauriert und zum Hotel der etwas anderen Art ausgebaut.

Ein Luxushotel im Kleinformat: Der Leuchtturm in Dagebüll.
Ein Luxushotel im Kleinformat: Der Leuchtturm in Dagebüll. Foto: Imago/Imagebroker
 
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erstellt am 14.Nov.2014 | 20:02 Uhr

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