Beschluss : Lenzen übernimmt Chefsessel der Uni Hamburg

Hamburgs neuer Uni-Präsident Dieter Lenzen ist bei Studenten umstritten. Foto: dpa
Hamburgs neuer Uni-Präsident Dieter Lenzen ist bei Studenten umstritten. Foto: dpa

Es ist amtlich: Dieter Lenzen wird Hamburgs neuer Universitäts-Präsident. Studenten befürchten unter seiner Führung einen "neoliberalen Kahlschlag".

Avatar_shz von
12. Dezember 2009, 04:32 Uhr

Der Heilsbringer aus der Hauptstadt verbreitete Zuversicht: "Ich glaube wirklich, dass diese Universität in ihrer Qualität massiv unterschätzt wird", lobte Dieter Lenzen (62) die Hamburger Uni, die er ab dem kommenden Frühjahr als Präsident in eine bessere Zeit führen soll. Gestern nahm der Noch-Chef der Freien Universität Berlin (FU) seine Wahl durch die Hamburger Gremien an. Zuvor hatte der ausgebuffte und erfolgreiche Hochschul-Macher drei Wochen mit Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) um die Rahmenbedingungen eines Wechsels gerungen.
Lenzens Auftrag hat es in sich: Er soll die mit 39.000 Studenten fünftgrößte deutsche Universität, die qualitativ nur Durchschnitt darstellt, in die nationale, ja internationale Spitzengruppe führen. Genau das war dem streitbaren Erziehungswissenschaftler mit der Berliner FU gelungen, die in seiner Amtszeit zur Elite-Uni aufgestiegen ist.
Etat soll stabil bleiben
In "wichtigen Zukunfts fragen der Universität konnte Übereinstimmung erzielt werden", berichtete Lenzen gestern an der Seite Gundelachs im Rathaus. In einer gemeinsamen Erklärung haben er und die Senatorin zehn Eckpunkte für die Entwicklung der Hochschule festgehalten. Unter anderem sagt der Senat darin zu, den Uni-Etat trotz akuter Haushaltsnöte der Stadt bis 2014 stabil zu halten. Auch darf Lenzen zusätzliche, befristete Professuren einrichten, etwa um den bevorstehenden doppelten Abiturjahrgang abzufangen. Eine gemeinnützige GmbH soll zusätzliche Drittmittel und Spenden einsammeln. Die Master- und Bachelor-Studiengänge sollen entrümpelt, die Zahl der Prüfungen verringert werden.
Nur zu gern hörte die Senatorin, wie der Neue öffentlich einen hoffnungsvollen Vergleich zog. Die Situation an der Uni Hamburg sei ganz ähnlich der bei seinem Amtsantritt an der FU Berlin. Dort habe sich dann gezeigt, dass eine gering geschätzte Einrichtung zu verbessern sei. Das habe er auch an der Elbe vor, denn: "Der Norden und Hamburg haben es verdient, so wahrgenommen zu werden, wie sie tatsächlich sind."
Teile der Studentenschaft sehen den neuen Präsidenten kritisch. Lenzen gilt ihnen als zu wirtschaftsnah - wie schon seine Vorgängerin Monika Auweter-Kurtz. Etliche Studenten fürchten nun einen "neoliberalen Kahlschlag" an der Uni. Auweter-Kurtz hatte das Handtuch geworfen, nachdem immer mehr Studierende, Professoren und Dozenten ihre Ablösung verlangt hatten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen