zur Navigation springen

Neumünster zieht Konsequenz : Leitstelle schickt Wehr ins falsche Dorf

vom

Es gab zu viele Pannen bei der Alarmierung. Jetzt zieht Neumünster die Konsequenzen: Die Berufsfeuerwehr hat den Vertrag mit der Regionalleitstelle gekündigt.

Neumünster/Eutin | Die erste Feuerwehr im Land trennt sich von ihrer Regionalleitstelle, weil es bei der Alarmierung zu viele Pannen gibt - in einem Fall haben sie wohl sogar ein Menschenleben gekostet. Die Berufsfeuerwehr Neumünster hat ihren Vertrag mit der Regionalleitstelle Norderstedt gekündigt. Von dort aus wurden die Rettungseinsätze in den Kreisen Segeberg, Plön, Rendsburg-Eckernförde und eben Neumünster koordiniert.
Vom 1. Juli an gibt es nun wieder eine eigene Leitstelle in der Hauptfeuerwache von Neumünster. "Es war die richtige politische Entscheidung", sagt Stadtbrandmeister Klaus Peter Jürgens. "Über fünf Jahre lang gab es eine erhebliche Anzahl von Pannen."
Erst 20 Minuten später am richtigen Einsatzort
Das jüngste Beispiel erlebten die Feuerwehrmänner am Freitag. Ein Notruf aus Ehndorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) war in Norderstedt eingegangen. In der Dorfstraße brannte ein Dachstuhl. Weil Ehndorf wegen seiner Nähe zu Neumünster die Vorwahl der Stadt hat, wurde die Feuerwehr Neumünster alarmiert. Und die fuhr in "ihre" Dorfstraße im Stadtteil Einfeld. Dort brannte aber nichts, der Unglücksort wurde mit 20 Minuten Verspätung erreicht.

"Wir haben laufend versucht, solche Fehler auszumerzen, doch es ist weiter viel schief gelaufen", sagt der Stadtbrandmeister. Traurigster Fehler: Der Rettungsdienst wurde von Neumünster zu einem Dorf bei Plön beordert, obwohl es näher stationierte Rettungswagen gegeben hätte. Als die Retter schließlich eintrafen, war dem Patienten, der einen Herzinfarkt erlitten hatte, nicht mehr zu helfen.
Bundesweit einzigartiges Konstrukt wird beendet
Man gehe nicht im Groll mit Norderstedt auseinander, stellt Stadtbrandmeister Jürgens klar, sagt aber: "Es war bundesweit bisher einzigartig, dass eine fachlich nicht so qualifizierte Freiwillige Feuerwehr wie in Norderstedt eine Berufsfeuerwehr führte. Und es ist gut, dass das nun ein Ende hat."
Den genau gegenteiligen Weg beschreiten die 135 Wehren im Kreis Ostholstein, die ihre Leitstelle bisher in Eutin hatten. Sie wird mit der Leitstelle in Bad Oldesloe zusammengelegt, zuständig für die Kreise Stormarn und Herzogtum-Lauenburg. "Um Pannen zu vermeiden, pflegen wir gerade intensiv Datensätze ein", sagt Ostholsteins Kreiswehrführer Ralf Thomsen. "So gibt es das Dorf Neukirchen bei uns zweimal, das wird unterscheidbar gemacht." Zudem gingen die Eutiner Disponenten mit nach Bad Oldesloe. So war es auch bei der Leitstelle Mitte in Kiel. Dort nahmen zunächst nur Disponenten aus Plön die Plöner Notrufe an. Ulrich Hackenberg, stellvertretender Amtsleiter der Freiwilligen Feuerwehr Kiel: "Es hat nie Verzögerungen gegeben."
Risiken bleiben, wie in einem Bericht über die Kooperative Regionalleitstelle in Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg) vermerkt ist: "Das Projekt Leitstelle hat eine Komplexität erreicht, die nur noch schwer zu durchschauen ist."

zur Startseite

von
erstellt am 04.Mär.2012 | 09:46 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen