Christoph Europa 5 : Leitstelle in Dänemark ignoriert Niebüller Hubschrauber

Der DRF-Rettungshubschrauber 'Christoph Europa 5' der Marke BK 117 in Niebüll.
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Der DRF-Rettungshubschrauber Christoph Europa 5 der Marke BK 117 in Niebüll.

Nur zu sechs Dänemark-Einsätze flog der deutsche Rettungshubschrauber Christoph Europa 5. Das sorgt für Irritationen.

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11. Juli 2015, 12:00 Uhr

Niebüll/Billund | In der Zentrale der DRF-Luftrettung in Filderstadt bei Stuttgart ist die Verwunderung groß: Nur sechs Mal wurde der grenzüberschreitend einsatzbereite Rettungshubschrauber Christoph Europa 5 im ersten Quartal von der süddänischen Leitstelle angefordert.

Früher lagen die Zahlen stets im zweistelligen Bereich. Und „eine weitere Reduzierung steht zu befürchten“, schreibt DRF-Vorstand Steffen Lutz. Denn „zum einen wird die Rettungsleitstelle nicht mehr von unserem damaligen Partner Falck betrieben, was sich im Rückgang der Einsätze im Jahr 2014 bereits bemerkbar gemacht hat“. Und zum anderen, so Lutz, mache auch der Wechsel zum Rettungsdienstbetreiber Bios Sorgen, denn der war schließlich nicht Partner im Interreg-Projekt „grenzüberschreitende Luftrettung“.

„Wir haben nach wie vor dänisches Personal im Hubschrauber und wollen auch weiter gerne Hilfe in Dänemark anbieten“, sagt DRF-Sprecherin Petra Hentschel. Doch es stellt sich langsam die Frage, ob das umgekehrt noch der Fall ist.

Thyge Nielsen, Vorsitzender des Prähospitalen Ausschusses der Region Süddänemark, sagt Ja. „Es ist überhaupt nicht unser Plan, die Zusammenarbeit zu beenden“, so Nielsen. Er verweist darauf, dass seit Oktober auch ein dänischer Rettungshubschrauber von Billund aus fliegt. „Die grenznahen Fälle werden von Niebüll aus bedient, die anderen eben von Billund“, meint er. „Wir müssen laufend evaluieren, wie die Aufteilung funktioniert“, so Nielsen weiter.

Hinrich Jürgensen, Hauptvorsitzender des Bundes Deutscher Nordschleswiger und vor zehn Jahren Mitinitiator des grenzüberschreitenden Projektes, kann das nicht schnell genug gehen: „Steffen Lutz sagte mir, dass auch die Einsatzzahlen von Billund aus weniger geworden sind. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein“, sagt Jürgensen. „Ich werde mit der Region reden. Schließlich dauert es für den Hubschrauber aus Niebüll nur zwölf Minuten bis Apenrade, der aus Billund braucht 34 Minuten. Ich habe den Eindruck, dass man in der Leitstelle gar nicht genau weiß, welche Möglichkeiten es gibt.“

Petra Hentschel sagt: „Der Hubschrauber in Niebüll ist 365 Tage im Jahr einsatzbereit. Und es geht uns nicht um Konkurrenz zum dänischen Hubschrauber. Im Gegenteil. Wir begrüßen, dass es nun auch in Dänemark eine Luftrettung gibt. Die Frage ist einfach: Können wir weiter Hilfe leisten? Wir können und wollen das – und haben Potenzial für mehr. Wir bieten die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter gerne an.“

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