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Leiche in Auto versteckt : Lebenslange Haft wegen Mordes an Mutter

vom

Kurz vor Weihnachten 2012 ereignete sich in Nordfriesland ein Familiendrama: Mit einer Hantelstange erschlug ein Sohn seine Mutter. Das Gericht wertete die Tat nun als Mord.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 02:33 Uhr

Flensburg/Bredstedt | Wegen Mordes an seiner Mutter hat das Landgericht Flensburg am Dienstag einen 26-Jährigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann aus Bredstedt in Nordfriesland seine Mutter mit einer Hantelstange erschlug und dabei die Arglosigkeit der gerade putzenden Frau ausnutzte. Der Verurteilte hatte die Tat vor Gericht gestanden. Hintergrund sollen Schulden und die Verheimlichung von Geldnöten sein. Das Gericht folgte mit seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung dagegen hatte für eine Haftstrafe von nicht mehr als zehn Jahren wegen Totschlags plädiert.
Der Impuls für die Tat sei eine heftige Auseinandersetzung von Mutter und Sohn am Tattag kurz vor Weihnachten 2012 gewesen, sagte der Vorsitzende Richter. Die Mutter habe ultimativ die sofortige Beteiligung des 26-Jährigen an Kost und Logis in Höhe von 700 Euro gefordert. "Dieser Punkt schwelte seit einiger Zeit und trieb die Mutter um." Die Mutter habe geglaubt, der Sohn besitze Geld aus einer Vorerbschaft und wolle sich nicht an den Kosten für das gemeinsam bewohnte Haus beteiligen. Der Sohn hatte aber, wie die Verhandlung ergeben hatte, bereits sein Erbe im Glücksspiel verloren und war praktisch pleite. Dies hatte er der Mutter ebenso verschwiegen wie den frühzeitigen Abbruch seines Studiums - es war schon das dritte.

"Beruflich nichts erreicht"

"Er lebte weitestgehend auf Kosten seiner Mutter und hatte bis dahin beruflich nichts erreicht", so der Richter in der Urteilsbegründung. Der 26-Jährige habe jedoch die Fassade wahren wollen, da ihn sonst "die einzige wirklich für ihn verlässliche Person" hätte fallen lassen. "Die Offenbarung, gescheitert zu sein, schien für ihn keine Option zu sein."
Eine gewisse Verzweiflung nahm die Kammer dem Mann ab, betonte aber das kaltblütige Nachtatverhalten - der Sohn hatte die tote Mutter durch das Haus geschleift, ins Auto gezerrt und war mit der Leiche zum Lebensgefährten der Mutter gefahren. Dort erzählte er, die Mutter habe einen Anderen. Das Auto ließ er vor der Wohnung des Lebensgefährten stehen und ließ ihn verdächtig erscheinen. So ein Verhalten habe er noch nicht erlebt, sagte der Richter.
Die Kammer betonte die Arg- und Wehrlosigkeit der Frau. Das Opfer habe sich, gebückt und mit Putzen beschäftigt, in einer "hilf- und schutzlosen Situation" befunden, die der 26-Jährige ausgenutzt habe.
Die Aussage des Sohnes, er hätte nicht zugeschlagen, wenn die Mutter ihn angesehen hätte, unterstreiche dies noch. Er habe ihr noch weitere Schläge versetzt, als die Frau bereits röchelnd am Boden lag.
Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt.

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