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DSL-Verbindung : Leben ohne Internet: „Wir haben ein Problem ...“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Solange alles funktioniert, ist die moderne Datenwelt in Ordnung. Aber wehe, wenn nicht.

Kiel | Privatleute, Schüler, Selbstständige, Freiberufler; Einkauf, Banking, Recherche; Spiele, soziale Vernetzungen, Arbeit: Ohne Internet geht nichts mehr. Alles ist gut, solange alles funktioniert. Wenn nicht, schmort der Nutzer im digitalen Fegefeuer. Die Teufel stecken in unüberschaubaren Details, lauern in Warteschleifen und suhlen sich in technischem Sprachgewirr.

„Wir haben Probleme mit dem Internetzugang.“ Mit diesem Satz beginnt eine Odyssee. Am Router signalisiert die grüne DSL-Leuchte gelegentlich blinkend Instabilität. Also Servicenummer herausgesucht und angewählt. Damit geht der Ärger los, den jeder kennt, der ein Problem mit seiner DSL-Verbindung hat. Und um es vorweg zu sagen: Ganz spezielle Abenteuer warten, wenn der Provider – im vorliegenden Fall 1&1 – ein anderer ist als der Netzbetreiber Deutsche Telekom.

Kein Mensch, eine Computerstimme fragt nach dem Begehr, das per Tastendruck zu bestätigen ist. Und es bleibt nicht bei diesem einen Tastendruck. Eine Störungsmeldung ist offenbar ohnehin nicht opportun: Man möge sich diesbezüglich auf längere Wartezeiten einrichten, sagt der Computer und rät zur Selbsthilfe: den Router kurzzeitig vom Stromnetz zu trennen behebe vielfach das Problem. Wer stur bleibt, bekommt dann, endlich, doch einen Menschen ans Ohr – in diesem Fall den ersten von ungezählten, die sich in den kommenden Wochen die Geschichte von der wankenden DSL-Verbindung immer wieder neu erzählen lassen. Dieser erste Mensch jedenfalls weiß sofort Trost: Prinzipiell ist alles in Ordnung, keine nahen Unwetter. Wenn die Leitung schwankt, dann läge das oftmals „an den maroden Leitungen der Telekom“. Aha.

Weil die DSL-Verbindung keine Besserung zeigt, kommt nach neuerlichen Anrufen unter der Service-Nummer (inzwischen müssen die mobil getätigt werden, weil auch die Telefonie DSL-gestützt und damit schwankend ist), Fernwartungen des Providers und Wartung der Leitungen bis zum Haus (ein Telekom-Techniker vermeldet telefonisch „alles bestens in den Telekom-Leitungen“) ein neuer Router ins Haus, für dessen Inbetriebnahme der Kunde natürlich selbst zuständig ist. Besser wird die DSL-Verbindung damit aber dauerhaft nicht. Nach insgesamt fünf (!) Störungs-Wochen vermittelt der Provider den Hausbesuch eines Telekom-Technikers, der kommt an einem Tag mit bis dahin tiptop funktionierendem Internet. Der Techniker wechselt eine Telefondose, sagt, er habe eine zweite, unbenutzte abgeklemmt, um diese als Störungsquelle zu eliminieren, fixiert den Router und sagt: „Oh, der macht jetzt aber komische Sachen.“ Heißt: Nichts geht mehr. Der Techniker packt seinen Koffer, spricht von einem „worst case“, sagt, dass er den Router nicht anfassen darf, weil der ja Sache des Providers, nicht der Telekom sei – und geht. Ein neuerlicher Anruf beim Provider bringt einen neuen Router ins Haus, aber auch mit dem gibt es keine Verbindung – bis die 15-jährige Tochter des Hauses auf die Idee kommt, den Router an die Telefondose anzuschließen, die der Techniker abgeklemmt haben wollte: Die Verbindung steht, zwar schwankend, aber immerhin.

Die Woche drauf bringt ein weiterer Techniker den eigentlichen Anschluss wieder in Gang, erklärt nun, dass die im Haus verlegten Kabel nicht geeignet seien für DSL wegen der zu schwachen Abschirmung gegen Stromleitungen. Das erklärt zwar nicht, warum es mit den „falschen“ Kabeln fast zwei Jahre lang gut funktioniert hat. Auch nicht, was sein Kollege eine Woche vorher mit den Telefondosen angestellt hat. Immerhin aber hinterlässt er bummelig sechs Wochen nach der ersten Störungsmeldung einen funktionierenden DSL-Anschluss.

Ein Wunder? Eine Internet-Recherche fördert abertausende Leidensgenossen zutage. Im Portal allestörungen.de beispielsweise sind sogar die „Top 10 Störungen“ der Woche  gelistet. Für Kalenderwoche 37 hat der Frust der Internetnutzer die Telekom an die Spitze gesetzt, auf den Plätzen folgen Vodafone, Unitymedia, GMX, Kabel Deutschland, Whatsapp, Kabel BW, O2, 1&1, Playstation Network. „Keinen verlässlichen Telefonanschluss … Kunden erreichen mich nicht“, ist da zu lesen, oder: „Immer wieder internet störungen am tag werde ich bis zu 20 mal rausgeschmissen macht endlich mal was“, oder: „Verbindung bricht dauernd ab.“

Die schöne neue Kommunikationswelt hängt wohl auch andernorts an alten Leitungen. Verkauft werden die tollsten Dinge; zu gebrauchen sind die deshalb nicht unbedingt. Jedenfalls nicht ohne Wunder.

Internetnutzer in Zahlen

Schnelle Kommunikation und Information sind selbstverständlich. Laut Berechnung des Statistischen Bundesamtes nutzen 79 Prozent der Deutschen von zehn Jahren an das Internet, 2009 lag der Anteil noch bei 73 Prozent, die Tendenz ist damit deutlich steigend. Täglich oder nahezu täglich online sind davon 80 Prozent (2009: 70 Prozent).

Ganz genau wollte es die ARD/ZDF-Onlinestudie 2014 wissen und kam zu diesen Ergebnissen: „55,6 Millionen Deutsche ab 14 Jahre und damit 1,4 Millionen mehr als 2013 sind online. Jeder zweite Onliner greift inzwischen auch unterwegs auf Netzinhalte zu.“ Die höchsten Zuwachsraten werden in Deutschland demnach weiterhin bei den Personen über 60 verzeichnet, insgesamt nutzen hier 45 Prozent das Internet; speziell bei den 60- bis 69-Jährigen stieg der Anteil binnen Jahresfrist von 59 Prozent auf 65 Prozent.

Zehn- bis 15-Jährige nutzen zu 96 Prozent das Internet, 16- bis 24-Jährige zu 98 Prozent, 25- bis 44-Jährige zu Prozent. lub

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