Hochwasser : Lauenburg: Vorerst keine Evakuierung

Die ehrenamtlichen Helfer arbeiten in Lauenburg unermüdlich, um die Altstadt vor dem Wasser der Elbe zu schützen. Foto: Jann
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Die ehrenamtlichen Helfer arbeiten in Lauenburg unermüdlich, um die Altstadt vor dem Wasser der Elbe zu schützen. Foto: Jann

Mehr als 200.000 Sandsäcke sollen Lauenburg vor dem nahenden Hochwasser der Elbe schützen. Gegen eine Evakuierung haben sich einige Anwohner gewehrt. Jetzt wurde sie ausgesetzt.

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07. Juni 2013, 12:54 Uhr

Lauenburg | Die Bewohner Lauenburgs können erst mal in ihren Häusern bleiben. "Aufgrund der aktuellen Prognosen haben wir die Evakuierung erst mal ausgesetzt", sagte Karsten Steffen, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg am späten Donnerstagnachmittag. Allerdings werden die bereits ergriffenen Maßnahmen weiter aufrecht erhalten, "um schnell reagieren zu können, wenn es ernst wird", kündigt Steffen an.
Ursprünglich sollten am Freitag die Häuser entlang der Elbstraße geräumt werden. Allerdings hat sich in der Bevölkerung Unmut dagegen geregt. Das wird auf zahlreichen Plakaten deutlich, die in Fenstern hängen. "Wir werden noch einmal versuchen, die Betroffenen mit Nachdruck von der Notwendigkeit zu überzeugen", sagt Bürgermeister Andreas Thiede. Ab einem Wasserstand von 9,30 Metern gebe es zu der Evakuierung keine Alternative, so Thiede. Nach den jüngsten Berechnungen soll der Höchststand der Elbe am Mittwoch bei 9,20 Metern liegen. Am Freitagmorgen lag der Wasserstand am Pegel Hohnstorf mit 6,35 Metern 20 Zentimeter unter dem für diesen Zeitpunkt (6 Uhr) vorhergesagten Wert. Normalerweise beträgt der Wasserstand dort rund 4,80 Meter.

Sandsackbarrieren werden weiter errichtet

Der Katastrophenschutzstab hat seine Arbeit längst aufgenommen und befasst sich auch mit denen, die sich querstellen könnten. "Es ist Einsatzkräften später schlichtweg aus Sicherheitsgründen nicht zumutbar, zurückgebliebene Anwohner retten zu müssen, sollte sich die Situation zuspitzen", sagte Kreissprecher Steffen.
Derweil rüsten die Feuerwehrleute und Helfer des THW die Sandsackbarrieren weiter auf. Mehr als 200.000 Stück wurden von den Ehrenamtlichen bereits verarbeitet. Bis knapp 9,30 Meter, das hatte sich 2011 gezeigt, könne man die Stadt sichern. Was danach kommt, sorgt für einen Ausnahmezustand.

35 Kilometer Sandsäcke in Dannenberg

In Niedersachsen geht das Hochwasser entlang der Elbe unterdessen in die kritische Phase. Obwohl Experten ihre Prognosen für Schleswig-Holsteins südliches Nachbarland am Mittwoch nach unten korrigiert hatten, ist die Lage sehr ernst. Bis zum Wochenende wird das Wasser dramatisch steigen.
In Danneberg arbeiten Tausende freiwillige Helfer aus der gesamten Region, das THW, die Bundeswehr und die Feuerwehr gemeinsam an einer Aufgabe, die fast unmöglich erscheint. Sie erhöhen rund um Danneberg die bedrohten Deiche auf einer Länge von 35 Kilometern um einen Meter, Tag und Nacht. Sie befüllen Sandsäcke im Akkord. Sie arbeiten freiwillig bis zur völligen Erschöpfung, und sie singen Lieder bei der Arbeit. "Es ist für uns eine Pflicht, gemeinsam zu helfen", sagt ein Helfer. THW-Laster und Landwirte mit Traktoren holen die Sandsäcke und bringen sie zu den Deichen. Dort sind Soldaten der Bundeswehr im Dauereinsatz und erhöhen den Deich Stück für Stück.

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