Späte Ernte : Langer Winter macht Kartoffeln teuer

Knappes Gut? Kartoffeln sind teuer. Foto: dpa
Knappes Gut? Kartoffeln sind teuer. Foto: dpa

Ein langer Winter, ein nasser Frühling - und dann kam das Hochwasser. Die Bauern befüchten eine schlechte Ernte. Die Kartoffelpreise liegen auf einem historischen Hoch. Auch Obst und Gemüse könnten teurer werden.

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07. Juli 2013, 10:14 Uhr

Rendsburg | Die Preise für Kartoffeln sind so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das meldet die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Zwei Effekte kurbeln heftig an der Preisspirale: Wegen des langen Winters verspätet sich die Ernte und damit herrscht Mangel am Markt. Und durch Importe können die Verluste nicht ausgeglichen werden, da auch die Mittelmeerländer über schwache Erträge klagen.
Die Verbraucher müssten entsprechend tiefer in die Tasche greifen. "Das Kilogramm Frühkartoffeln kostet derzeit zwischen 1,70 und zwei Euro", sagt Daniela Rixen von der Landwirtschaftskammer in Rendsburg. Vor einem Jahr habe der Preis im Schnitt bei 1,40 Euro gelegen.

Langer Winter, nasser Frühling

In Schleswig-Holstein sind auf 440 Hektar Frühkartoffeln gepflanzt worden, Speisekartoffeln, die im Herbst geerntet werden, wachsen auf 3000 Hekar. Die Landwirtschaftskammer rechnet mit 25 bis 30 Prozent weniger Ertrag - vor allem in den Regionen Mittelrücken und Ostholstein. Bedingt durch die lange Kälte ist es nur wenigen Landwirten gelungen, die Kartoffeln zeitig in den Boden zu bringen. Dann folgten auch noch viel zu nasse Frühlingstage. "Im feuchten Boden ging es den Kartoffeln schlecht, etliche bekamen Wurzelpilze", sagt Landwirt Torsten Jacobs, der in Neufeld (Kreis Dithmarschen) auf 90 Hektar Kartoffeln anbaut.
Bei der Landwirtschaftskammer hofft man, dass die Ernte der Frühkartoffeln in anderthalb Wochen beginnen kann. Christoph Hambloch, Analyst bei AMI sagt: "Ich rechne damit, dass die Preise sinken, wenn mehr Kartoffeln auf den Markt kommen."

"Kommt der Sommer, sinkt der Preis"

Bauer Jacobs teilt diese Meinung nur bedingt: In Niedersachsen, dem Hauptanbaugebiet, werde die Ernte wegen der Dauerniederschläge wohl schlecht. "Die Menge fehlt, der Preis bleibt damit hoch. Und um den mitzunehmen, wird alles geerntet, was groß genug erscheint. Diese Kartoffeln fehlen dann im Herbst, damit pflanzt sich die Knappheit fort."
Teurer könnten auch Obst und Gemüse werden - wegen des Hochwassers. Bundesweit sind nach Schätzungen des Bauernverbands in Rendsburg 300.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche von Überflutungen betroffen. Vor einigen Tagen sagte Wolfgang Vogel, der Präsident des Sächsischen Bauernverbands: "Durch die Flutschäden werden die Preise nach oben gehen." Betroffen seien vor allem Erdbeeren, Kartoffeln, Salate und Feldgemüse wie Kohl und Radieschen, aber auch Futtermittel.
Tilmann Keller vom Obstbauberatungsring Schleswig-Holstein warnt vor zu großer Sorge: "Früchte werden überregional verkauft, entscheidend für die Preise wird sein, ob das Wetter für die Ernte stimmt. Kommt jetzt der Sommer, dann sinkt auch der Preis."

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