Hallig-Urlaub : Langeneß: Viel Natur, wenig Menschen

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Ein Erlebnis der besonderen Art sind die Halligen. Die größte ist Langeneß. Dort steht auf der Mayenswarf „Anker‘s Hörn“, das einzige Vier-Sterne-Hotel der zehn Halligen im nordfriesischen Nationalpark Wattenmeer.

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13. Juli 2014, 13:53 Uhr

Langeneß | Nur 40 Kilometer westlich von Flensburg erstreckt sich die typisch weite Landschaft Nordfrieslands mit Wiesen, Windrädern, Deichen und Schafen. Wer Langeneß und Hallig Hooge besuchen möchte, muss den Hafen von Schlüttsiel pünktlich erreichen. Die Fähre legt dort nur zweimal täglich an und ab. Auf Nachzügler wird keine Rücksicht genommen.

Nachdem die letzten Gäste ihre Koffer verstaut haben, die Versorgungs-Anhänger mit Lebensmitteln, Kleinmöbeln und Gasflaschen beladen und die Motorengeräusche der vier Pkws auf Deck verstummt sind, nimmt Hilligenlei, die Fähre, Kurs auf Langeneß. Fahrzeit: 1 Stunde und 45 Minuten. Am Hafen begrüßt Virginia Karau, die 36-jährige Hausherrin von Anker’s Hörn, ihre Gäste mit einem typischen „Moin“. Dabei spielt es keine Rolle, ob es morgens um 7 oder nachts um 12 Uhr ist. „Moin“ ist das einzig „legitime“ Grußwort der Friesen und wird rund um die Uhr verwendet.

Der Weg zur „Mayenswarf“ ist kurz. Mit ihren zehn Kilometern Länge und 18 bewohnten Warften und 106 Einwohnern ist Langeneß überschaubar groß und kann im Gegensatz zu einer Insel nicht mit Straßenlaternen, Linienbussen und Geschäften aufwarten. Dafür mit Natur pur, vielen Kühen, frischer Milch, Deichen und dem ganz besonderen Hallig-Feeling.

Anker‘s Hörn, ein roter Backsteinbau mit grauen Dachpfannen und ohne viel Schnickschnack, liegt keine 100 Meter von der Nordsee entfernt. Mit Prielen, Salzwiesen und gelbem Löwenzahn vor der Haustür und direktem Blick auf die Inseln Amrum und Föhr. Hier kann man den Wechsel von Ebbe und Flut von jedem Fenster aus beobachten, sogar aus der Sauna. Näher am Wasser geht nicht.

Das Hotel bietet elf Doppel- und Einzelzimmer zum Wohlfühlen. „Mein Mann und ich wollten ein Hotel bauen, das sich von anderen abhebt mit persönlichem Charakter, schönem Ambiente und guter Küche“, beschreibt Virginia Karau den Traum von einem eigenen Hotel. Die Bank war anfangs kritisch. Ein Vier-Sterne-Hotel auf einer Hallig, ganzjährig geöffnet? Unvorstellbar. Virginia und Malte Karau zögerten nicht lange, luden die Banker im Sommer nach Langeneß und setzten auf den unvergleichlichen Hallig-Effekt. Die Rechnung ging auf, die Banker waren begeistert, das Geld floss.

„Das Leben auf einer Hallig ist wirklich etwas anders“, sagt Virginia Karau. Neben der Arbeit im Hotel ist sie Kirchenorganistin und unterrichtet die Schulkinder von Langeneß, die die Hallig-Schule besuchen, in Musik. Aufs Festland fährt sie alle zwei Wochen zum Einkaufen. Doch nach dem Stadt-Trip ist Virginia froh, wieder nach Langeneß zurückzukehren. „Städte haben einen Nachteil“, sagt sie und lächelt. „Zu wenig Natur, zu viele Menschen.“


Reise-Informationen:
Anker’s Hörn, Mayenswarf 2, Tel: 04684-291, www.ankers-hoern.de
Tourismusbüro der Halligen Langeneß und Oland, Ketelswarf 1, Tel. 04684/217, www.langeness.de
 

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