Neumünster : Landfrauen gehen in Führung

Unmissverständliche Botschaft der Landfrauen in den Holstenhallen Neumünster: Mehr Mitsprache, mehr Leitungsfunktionen - und mehr Medienpräsenz.

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11. Mai 2011, 08:46 Uhr

neumünster | Dem Land mangelt es an Führung mit der zarten, sozial aber äußerst kompetenten Hand. "Wir können auf Frauen in leitenden Positionen nicht mehr länger verzichten", stellt Marga Trede, Präsidentin des Landfrauenverbandes Schleswig-Holstein, unmissverständlich klar. "Mehr Frauen in die Führungsetagen" lautet deshalb die zentrale Forderung des gestrigen Landfrauentags 2011 in den Holstenhallen Neumünster.
Ohne Quote ist für die Chefin von 38.000 Landfrauen dieses Ziel unerreichbar. "Die Zeit drängt. Der demographische Wandel und die aktuellen Zahlen zum drohenden Fachkräftemangel geben das Ziel vor", betont Trede. Doch nicht nur in den Vorstandsetagen von Dax-Unternehmen wollen die mit Kompetenzen, die weit über Küche und Kinder hinausreichen, reich ausgestatteten Landfrauen künftig selbstbewusster auftreten. Es gehe um Frauen-Mitsprache überall dort, wo Entscheidungen gefällt werden. Also in Ausschüssen und Gremien, in den Kommunen, im Beruf, beim alltäglichen Sich-Durchsetzen. Vizepräsidentin Birgit Feddersen appelliert, auch die Kernfähigkeiten der Landfrauen selbstbewusst zu vertreten: "Haushaltskompetenz ist Lebenskompetenz, die jedes Kind in der Schule lernen sollte."
Braucht es eine Quote, um Frauen in Führung zu bringen?
Frauen bringen beste Voraussetzungen mit, um Verantwortung zu übernehmen. Doch wie können sie in Führung gehen? Darüber diskutiert Gleichstellungsminister Emil Schmalfuß - einer der wenigen Hähne im Korb von 1600 Frauen - mit Margret Suckale (Vorstand BASF) und der Hamburger Kommunikationstrainerin Claudia Ludwig auf dem Podium. Zentraler Punkt in der von Landfrauensprecherin Anke Pipke moderierten Diskussion: Braucht es eine Quote, um Frauen in Führung zu bringen? "Frauen, die stark und qualifiziert sind, brauchen keine Förderung - das ist für mich ein Widerspruch", sagt Claudia Ludwig.
Auch Margret Suckale hält die Quote für ein zu drastisches Instrument - für die Frauen und die Unternehmen. Es sei meist ein langer Weg in den Vorstand. Diese Zeit müsse man den Frauen auch geben. Wichtig sei, dass die Unternehmen Frauen und Männer effektiv unterstützen, auch leitende Positionen und Familie vereinbaren zu können - und das in jeder Phase. "Früher hatte sich die Sache erledigt, wenn eine Frau vor dem Antritt einer Führungsposition schwanger wurde. Heute fragen wir: Wo ist das Problem?", berichtet die Vorstandsfrau - unter tosendem Beifall.
"Künftig werden viele Frauen in Führungspositionen gefragt sein"
Auch für Emil Schmalfuß wäre eine Quote nur das allerletzte Mittel für eine Frauenförderung. "Künftig werden viele Frauen in Führungspositionen gefragt sein. Ich kann aber die verstehen, denen es bis heute zu langsam geht", sagt der Gleichstellungsminister.
Claudia Ludwig wünscht sich, dass engagierte Frauen in den Medien präsenter sein müssen. Genau diesem Ziel dient das einjährige Medienprojekt "Land.Leben.Zukunft" zwischen dem Landfrauenverband und dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z), das gestern in Neumünster mit einer brillanten Bilanz abgeschlossen wurde. Der sh:z stellte monatlich auf mehreren Journalseiten viele ambitionierte Landfrauen, ihre Projekte und Verbände vor. Begeistert von dieser Plattform zeigt sich die Schirmherrin, Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf. "Das Projekt hat gezeigt, wie weit das Tätigkeitsspektrum der Landfrauen ist, bei wie vielen Projekten sie mit anpacken, mit wie vielen kritischen und aktuellen Fragen sie sich auseinander setzen."
"Die Landfrauen sind ein bedeutendes Stück Heimatmacher"
Stephan Richter, Chefredakteur des sh:z, bewertete das Projekt als Gewinn für alle Seiten. "Die Landfrauen sind ein bedeutendes Stück Heimatmacher - und das ist eine ganz wichtige Führungsposition", lobt Richter - und verspricht, dass "Land.Leben.Zukunft" nicht die letzte Liaison zwischen den Landfrauen und dem sh:z gewesen ist.
Über Generationen haben die Landfrauen ein intaktes Gemeindeleben durch ihr ehrenamtliches Engagement still schweigend gefördert - nun fordern sie mehr Einfluss auf gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Dafür hat der Bundesverband mit weiteren Frauenverbänden eine E-Mail-Petition an den Bundestag verfasst, die eine gesetzlich verankerte Frauenquote für Aufsichtsräte zum Ziel hat. Marga Trede appelliert an die schleswig-holsteinischen Landfrauen, sich an dieser überparteilichen Gesetzesinitiative zu beteiligen.
"Die Veränderungen lassen sich nicht mehr aufhalten"
Unterstützt in ihrer Forderung nach mehr Führung werden die Landfrauen von Frauen wie Uta Fölster, Präsidentin des Oberlandesgerichts in Schleswig: "Frauen machen die Hälfte der Menschheit aus und sind gleichzeitig die Mütter der anderen Hälfte - eine kaum zu toppende Legitimation des Anspruchs auf gleichberechtigte Teilhabe."
Für Marga Trede sind die ersten wichtigen Schritte für dieses Ziel gemacht: "Die Veränderungen lassen sich nicht mehr aufhalten. Sie müssen aber auch mitgestaltet werden. Dazu sind die Landfrauen bereit."
(shz)

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