Eisdielen, Gaststätten und Bäckereien : Landeslabor beanstandet fast jede zweite Schlagsahneprobe in SH

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Da vergeht einem der Appetit: Die Beanstandungsquote bei Schlagsahneproben hat binnen Jahresfrist um zwölf auf 48 Prozent zugenommen.

Da vergeht einem der Appetit: Die Beanstandungsquote bei Schlagsahneproben hat binnen Jahresfrist um zwölf auf 48 Prozent zugenommen.

Ein falscher Reinigungsansatz bei Automaten sorgt für problematische Bakterien in der Schlagsahne.

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fju_maj_0203 von
26. November 2018, 19:49 Uhr

Kiel/Neumünster | Auf die Sahne obendrauf zu verzichten – das kann im Zweifel nicht nur mit Blick auf weniger Fett und Kalorien die bessere Wahl sein. Lebensmittelkontrolleure stoßen in Schleswig-Holstein bei Schlagsahneproben in Eisdielen, Gaststätten und Bäckereien in fast der Hälfte der Fälle auf Mängel. Die Beanstandungsquote hat binnen Jahresfrist um zwölf auf 48 Prozent zugenommen. Das geht aus dem Jahresbericht 2017 des Landeslabors in Neumünster hervor. Er wurde am Montag vorgestellt.

Als Ursache für die Probleme mit Sahne nannte Labor-Direktorin Katrin Lütjen „nicht sachgerecht gereinigte Aufschlagautomaten“. „Häufig wird der Fehler begangen, die Geräte mit heißem Wasser vorzuspülen – in der irrigen Annahme, damit Bakterien abtöten zu können. Stattdessen bilden sich in den Leitungen jedoch Biofilme durch Eiweißreste, die Bakterien bessere Überlebensbedingungen bieten.“

Falsche Kennzeichnung von Vanille-Eis

Auch beim Speiseeis selbst verzeichnet das Landeslabor steigende Auffälligkeiten – allerdings beschränken sie sich in der Regel auf fehlende Kennzeichnungen von Inhalts- und Zusatzstoffen oder irreführende Angaben. Die Beanstandungsquote kletterte im Jahresvergleich von 14,4 auf 30,7 Prozent. Besonders ins Auge stach laut Lütjen die Lieblingseissorte der Schleswig-Holsteiner, Vanille: Fast bei jeder zweiten untersuchen Portion stammte das Aroma aus anderen Quellen als der Vanille selbst. Nicht zuletzt wegen des Jahrhundertsommers hat das Landeslabor 2018 das Augenmerk auf Eisdielen noch ausgeweitet. Dabei ging es auch um auffällig gefärbte Sorten und darum, ob vegane Angebote tatsächlich frei von tierischen Zutaten sind. Aufbereitete Zahlen dazu gibt es noch nicht.

Petrischalen und Reagenzröhrchen: Tägliches Handwerkszeug im Landeslabor.
Markus Scholz/dpa

Petrischalen und Reagenzröhrchen: Tägliches Handwerkszeug im Landeslabor.

 

„Auch dank der guten Arbeit des Landeslabors können sich die Menschen darauf verlassen, dass Lebensmittel bei uns sicher sind“, sagte Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). „Das ist nicht selbstverständlich, sondern das Produkt permanenter Verbesserungen.“ Um Räume und Geräte zu modernisieren, habe das Land zuletzt 10,5 Millionen Euro in die Überwachungsbehörde neben den Neumünsteraner Holstenhallen investiert.

Tödlicher Vorfall durch selbst hergestellte Mayonnaise?

Erneut in den Fokus des Labors gerückt ist nach Angaben Sütterlin-Waacks Acrylamid. Seit April dieses Jahres hat die EU niedrigere Richtwerte für diesen Stoff festgelegt: Er entsteht bei der Röstung kohlenhydratreicher Lebensmittel wie Chips, Keksen, Knäckebrot oder Pommes Frites und steht unter Krebsverdacht. Die Proben sollen zeigen, ob die Konzepte der Hersteller zum Minimieren von Acrylamid greifen. Bisher sind laut Ministerin keine Auffälligkeiten festgestellt worden.

Als einen weiteren Schwerpunkt weist der Jahresbericht 2017 den Umgang mit Salmonellen aus. Hier steigt der Nachweis seit drei Jahren, wenn auch im Promillebereich: von einer Quote von 0,1 Prozent 2015 über 0,2 Prozent im Folgejahr auf 0,4 Prozent 2017. Das betraf 15 von 3921 Proben. Ein Vorfall hatte jedoch tödliche Folgen. Das Landeslabor vermutet eine selbst hergestellte Mayonnaise mit rohen Eiern bei einer Privatfeier.

Insgesamt haben sich von 11700 untersuchten Lebensmittelproben nur 21 als gesundheitsschädlich erwiesen, weil sie mikrobiologisch verunreinigt waren.

Hintergrund: Seuchen-Vorsorge gegen Schweinepest

„Vorkehrungen gegen die Afrikanische Schweinepest sind weiter als Priorität gesetzt“: Das betonte Agrarminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) bei der Vorstellung des Landeslabor-Jahresberichts. Um für den Fall eines Ausbruchs der aus Osteuropa vordringenden Krankheit gewappnet zu sein, habe das Landeslabor eine weitere Tierärztin und zwei Laborkräfte mehr eingestellt. Bei der Behörde in Neumünster laufen in Schleswig-Holstein alle Fäden der Tierseuchendiagnostik zusammen. Im Ernstfall kann das Labor laut Direktorin Katrin Lütjen auf 16 Fachleute zurückgreifen. Sie werden aus verschiedenen Abteilungen des Haues zusammengezogen.

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