Nacktskandal im „Friesenhof“ : Landesjugendamt schließt umstrittene Mädchenheime

Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog.
Das „Friesenhof“-Jugendheim in Hedwigenkoog.

Nach Beschwerden wurden zwei Mädchenheime in Dithmarschen geschlossen. Den Heimen fehle es an qualifiziertem Personal, hieß es aus dem Sozialministerium. Die CDU will eine Sondersitzung des Sozialausschusses.

shz.de von
03. Juni 2015, 18:24 Uhr

Zwei Heime der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung Friesenhof sind am Mittwoch geschlossen worden. Das Landesjugendamt Schleswig-Holstein habe die Betriebserlaubnis für die beiden Häuser im Kreis Dithmarschen widerrufen. Die Jugendlichen sollten noch am selben Tag in andere Einrichtungen umziehen, wie das Sozialministerium am Mittwoch in Kiel mitteilte. Vorausgegangen war eine Anhörung der Trägerin der Einrichtungen. Am Dienstag war ein entsprechendes Verfahren eingeleitet worden.

In den drei Häusern der Einrichtung leben Mädchen und junge Frauen - auch aus Hamburg - mit schweren psychischen Problemen, verhaltensauffälligkeiten oder kriminellem Hintergrund. Im zweiten Halbjahr 2014 hatten Mädchen, aber auch zwei ehemalige pädagogische Mitarbeiter massive Vorwürfe über inakzeptable Praktiken erhoben - etwa, dass sich die Mädchen nach ihrer Ankunft nackt vor männlichem Personal ausziehen müssten.

Maßgeblicher Grund für die Schließung ist nach Ministeriumsangaben das Fehlen ausreichend qualifizierten Personals. Auch entspreche der Umgang mit den Jugendlichen nach Einschätzung des Landesjugendamtes nicht den vereinbarten pädagogischen Maßstäben. Das Landesjugendamt hatte dazu im April eine Vereinbarung mit der Trägerin über Auflagen getroffen. Eines der beiden Heime wird zurzeit nicht genutzt.

Auch in der Vergangenheit habe es Beschwerden zu den Einrichtungen gegeben, denen das Landesjugendamt auch nachgegangen sei, teilte das Ministerium weiter mit. Beschwerden seien gehäuft in der zweiten Jahreshälfte 2014 eingegangen, diese hätten auch das jetzige Verfahren nach sich gezogen.

Staatssekretärin Anette Langner sagte: „Die Frage, ob bereits in früheren Jahren oder Legislaturen hätte anders gehandelt werden können, ist grundsätzlich legitim. Uns ist wichtig, dass das Landesjugendamt jetzt konsequent im Sinne der Jugendlichen handelt“.

Die CDU beantragte unterdessen eine Sondersitzung des Sozialausschusses „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“, die innerhalb von acht Tagen stattfinden muss. Die CDU-Abgeordnete Katja Rathje-Hoffmann hatte dem Ministerium Fehlinformationen vorgeworfen.

Durch eine Anfrage der Linken in Hamburg waren die Zustände im Friesenhof in den Fokus gerückt. Die Trägerin des Friesenhofes bestritt in den vergangenen Tagen inakzeptable Praktiken gegen die untergebrachten 15 bis 18 Jahre alten Mädchen.

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