Kiel : Landesbeauftragter verfolgt 18 Korruptionsfälle

Seit fünf Jahren kämpft Wolfgang Pistol eherenamtlich gegen die Korruption im Land. Seither meldeten sich 356 Hinweisgeber bei ihm.

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06. Februar 2013, 08:46 Uhr

Kiel | Wolfgang Pistol hat gut zu tun: Der Anti-Korruptionsbeauftragte von Schleswig-Holstein schaltete in den letzten sechs Monaten in acht Fällen die Staatsanwaltschaft ein. Der ehemalige Landespolizeidirektor bekam insgesamt 18 Hinweise auf Verdachtsfälle. Die Zahl der an die Ermittlungsbehörden abgegebenen Fälle liege im mehrjährigen Durchschnitt, schrieb Pistol am Dienstag in seinem Halbjahresbericht. Er trat sein Ehrenamt vor fünfeinhalb Jahren an. Seitdem meldeten sich 356 Hinweisgeber bei ihm; 90 der Tipps mündeten in strafrechtliche Ermittlungen. Die meisten Hinweise wurden nicht als Korruptionsfälle eingestuft, ein Teil an die Bürgerbeauftragte für soziale Angelegenheiten abgegeben.
Ein Fall aus dem letzten Halbjahr, der an die Staatsanwaltschaft ging: Ein Spediteur soll für Geld von einem Verwaltungsbeamten Ausnahmegenehmigungen für Lkw-Fahrten an Sonn- und Feiertagen erhalten haben. In einem früheren Fall leitete der Chef eines Landesbetriebes auch den Bauausschuss seiner Heimatgemeinde. Er verschaffte seinem Bruder, einem Bauunternehmer, über Jahre hinweg ohne Ausschreibungen Aufträge, die für den Landesbetrieb zu erledigen waren. In einem anderen Fall ließ ein Lehrer jahrelang Rechnungen für Kurse und Bücher von der Stadt begleichen und kassierte zugleich Eltern und Schulverein ab. Rund 100.000 Euro kamen zusammen. Der Lehrer wurde zu elf Monaten auf Bewährung verurteilt.

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