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ZDF-Serienfinale : "Landarzt" endet mit "Einsturzgefahr"

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Der Landarzt praktiziert nicht mehr im ZDF. Nach 22 Staffeln ist am Freitag Schluss. Drei Mediziner kurierten mehr als 25 Jahre die Bewohner im fiktiven Dekelsen. Darsteller Wayne Carpendale im Interview.

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 12:13 Uhr

Er war Dr. Jan Bergmann: In der ZDF-Serie "Der Landarzt" trat Schauspieler Wayne Carpendale (36) in die Fußstapfen von Christian Quadflieg und Walter Plathe. Für fünf Staffeln stand er in und um Kappeln an der Schlei vor der Kamera. Doch im Herbst vergangenen Jahres gab das ZDF das Aus für die Serie bekannt - mehr als 25 Jahre nach Ausstrahlung der ersten Folge und kurz nach Drehschluss der 22. Staffel. Die letzte Episode "Einsturzgefahr" zeigt der Sender am Freitag (17. Mai/19.25 Uhr). Im Interview spricht Carpendale, der im Sommer wieder bei den Karl-May-Spielen von Bad Segeberg reitet, über Tränen am Set und Traumjobs im TV.
Wie schwer fiel Ihnen der Abschied vom "Landarzt"? Was werden Sie vermissen?
Ich bin damit im Reinen, denn mit 36 ist es ja noch etwas früh, um für den Rest des Lebens auf eine Rolle zu setzen. Ich wusste, dass es ein langfristiges Engagement sein würde, als ich 2007 die Rolle von Dr. Jan Bergmann annahm, aber ich wusste auch, dass mein primäres Ziel nicht sein würde, Rekorde zu brechen, etwa die 16 Jahre meines Vorgängers Walter Plathe zu übertrumpfen. Nichtsdestotrotz war meine Zeit dort oben in Kappeln voller Emotionen. Wir haben beim Dreh immer unser Bestes gegeben, haben die Qualität von Folge zu Folge gesteigert und hatten damit bis zum Schluss viel Erfolg. So was schweißt zusammen und deswegen vermisse ich die Menschen schon sehr, mit denen ich das Pensum dort oben Tag für Tag gestemmt habe.
Wie war die Stimmung am Set, als die letzte Klappe fiel, und was ging Ihnen in diesem Moment durch den Kopf?
Natürlich waren alle sehr traurig und auch teils geschockt. Die Entscheidung war ja erst kurz zuvor bekanntgegeben worden. Als das ganze Team nach meiner letzten Szene applaudierte und wir uns mit Tränen in den Augen in die Arme fielen, ging für mich ein fünfjähriges Kapitel zu Ende. Für einige vom Team, die schon seit über zwei Jahrzehnten dabei waren und für die die Drehzeit in Kappeln nach so vielen Staffeln zum beruflichen und auch privaten Lebensmittelpunkt geworden war, brach da aber noch eine ganz andere Welt zusammen - an diese Menschen und deren Zukunft habe ich in dem Moment gedacht und versucht, sie mit Worten aufzubauen.
Wie stehen Sie zu der Entscheidung des ZDF, die Serie zu beenden?
Ich weiß, dass viele Millionen Menschen, für die der "Landarzt" fest zum Freitagabend gehört, traurig und enttäuscht sind. Allerdings gibt es auch viele, die beanspruchen, dass die Öffentlich-Rechtlichen innovativer und mutiger werden sollen. Mein Eindruck ist, dass das ZDF momentan genau das versucht. Aber ein Programm kann man nicht von heute auf morgen komplett umstellen, und um Neues auszuprobieren, muss Altes auch mal weichen. Manchmal auch, wenn das Alte auf den ersten Blick erfolgreicher ist als das Neue. Geht das langfristig gut, wird man irgendwann sagen, dass das mutig war.
War der "Landarzt" so etwas wie ein Traumjob im TV für Sie? Hoffen Sie auf eine erneute Serienhauptrolle?
"Rein von der Arbeit her ist es natürlich schon toll, langfristig engagiert zu sein - und gerade als Landarzt war das Spielspektrum sehr breit, weil die Geschichten so unterschiedlich waren. Wir haben viele medizinische Schicksalsfälle erzählt, aber es ging eben auch um Liebe, um Familie, um die Herausforderungen eines Arztes Mitte 30 eben, der aufs Land zieht. Aber ich war noch nie ein Schauspieler, der die Qualität einer Rolle anhand der Wichtigkeit der Figur oder anhand des Formats beurteilt hat. Für eine spannend geschriebene Episodenrolle gibt man ja auch alles, allerdings ist die Herausforderung eine andere. Bei der Serienrolle hat man als Schauspieler auch die Horizontale im Blick, kann eine lange Entwicklung spielen, weil die Rolle ja langfristig erzählt wird. Die kurzen Rollen sind hingegen oft intensiver geschrieben, haben stärker ausgeprägte Charakterzüge, weil sie in weniger Szenen erzählt werden müssen.
Werden Sie sich die letzte Folge am Freitag noch einmal anschauen oder wo werden Sie um 19.25 Uhr sein?
Ich habe die Folge natürlich schon gesehen, daher bin ich nicht live vor dem Fernseher dabei, sondern werde beim Bayerischen Fernsehpreis in München sein. Nichtsdestotrotz geht da am Freitag eine kleine Fernseh-Ära zu Ende, auf die alle, die in den letzten 25 Jahren daran mitgewirkt haben, stolz sein können - und die die vielen Landarzt-Fans sicher in guter Erinnerung behalten werden."

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