Streit mit Hamburg : Land will um Husumer Windmesse kämpfen

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Der Streit zwischen Schleswig-Holstein und Hamburg um die geplante Ausrichtung einer Windenergie-Messe in der Hansestadt eskaliert.

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08. Oktober 2011, 07:51 Uhr

Kiel | Die Landesregierung solle "alle politischen Mittel" nutzen, um die Hamburger Pläne zurückzuweisen und sich klar für den schleswig-holsteinischen Standort einsetzen, forderte gestern der Landtag parteiübergreifend. Zum verbalen Sturm gegen die Elbmetropole blies Grünen-Fraktionschef Robert Habeck: "Hamburg soll nicht glauben, dass wir das Hinterland für die Ausbringung seines Elbschlicks sind." Und: "Wenn Hamburg die WindEnergy platt macht, geht mehr kaputt als Arbeitsplätze und Achtung. So nicht, Hamburg!" Das Vorgehen der Nachbarn bezeichnete er als Aufkündigung der wirtschaftlichen und politischen Kooperation. Auch Redner von CDU und FDP machten deutlich, dass es für Hamburg "keinen Anlass für Hochnäsigkeit" geben dürfe. "Die Abwerbungsversuche zeugen von schlechtem Stil", so Oliver Kumbartzky (FDP). Lars Harms vom SSW fürchtet gar, Husum sei nur der Anfang: "Hamburg ist in dieser Beziehung wie ein schwarzes Loch, das alles aufsaugt, was es kriegen kann".
Die Pläne der Hamburger Messegesellschaft sehen vor, ab 2014 in der Hansestadt eine Windenergiemesse nur eine Woche vor der WindEnergy in Husum zu betreiben. Der Vertrag der Hamburg Messe & Congress GmbH, einer Gesellschaft der Hansestadt mit der Husumer Messegesellschaft läuft aber 2012 aus. Offenbar hat der Standort Hamburg ein öffentliches Ausschreibungsverfahren vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) vor Hannover und Husum gewonnen.
"Wir werden für die Husum Wind kämpfen"
Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) kündigte eine verstärkte Zusammenarbeit der Husumer Messegesellschaft mit der Hannover Messe an. Es werde künftig gemeinsame Messeauftritte geben. "Es kann gut sein, dass diese Achse gestärkt wird. Dann hat Hamburg ein Eigentor geschossen", sagte er. Zugleich versprach er Maßnahmen in die Wege zu leiten, um die Wettbewerbschancen der Husumer Messe zu verbessern. Der Grund: Kritisiert wird an Husum vor allem die fehlende Infrastruktur und zu wenig Hotelbetten. "Wir werden für die Husum Wind kämpfen. Da ist noch lange nicht entschieden, wie es ausgeht."
Die SPD forderte hingegen dazu auf, die Botschaft nach Hamburg in einem gemäßigteren Ton zu verschicken. "Nicht hilfreich sind Schaufensterkämpfe", sagte Marion Sellier. Kritik erntete sie für ihre Aussage, dass letztendlich der Standortwettbewerb zwischen Husum und allen anderen Messestandorten "nicht von der Politik, sondern von der Wirtschaft entschieden wird".
Der Versuch von SPD, SSW und Linke, die einvernehmliche Haltung des Landtages für Husum mit der Forderung nach einem landesweiten Messekonzept und mit konkreten Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung des Messestandortes zu verbinden, scheiterte. Letztendlich wurde der Ursprungsantrag von Grünen, CDU und FDP verabschiedet, der alle Fraktionen, Parteien und Verbände im Lande aufruft, "ihren Hamburger Kollegen zu verdeutlichen, dass ein einseitiges Vorgehen nicht mit den Prinzipien norddeutscher Kooperation und gemeinsamer Interessenvertretung zusammen geht".

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