Ferienbeginn in Hamburg und SH : Kurz vor den Zeugnissen: Unterricht oder Video gucken?

Die Noten stehen fest, die Sommerferien vor der Tür: In den Wochen vor der Zeugnisvergabe wird das Tempo an vielen Schulen gedrosselt. Wird deshalb nicht mehr richtig unterrichtet?

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13. Juli 2015, 09:18 Uhr

Hamburg/Kiel | Filme gucken, Projektwochen, Ausflüge: Der Leerlauf in Schulen kurz von den Sommerferien im Norden wird zunehmend kritisiert. In den letzten Wochen vor der Zeugnisausgabe werde in vielen Schulen „faktisch kaum noch unterrichtet“, sagte Mareile Kirsch, die sich in Hamburg für das Abitur nach 13 Jahren einsetzt. „Die Luft ist raus.“ Dabei stünden die Schüler während des Schuljahres enorm unter Druck, müssten teilweise mehrere Klausuren innerhalb einer Woche schreiben. „Vertiefendes Lernen ist nicht möglich. Da ist ein Ungleichgewicht.“

Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Hamburg, Anja Bensinger-Stolze, spricht sich indes gerade vor den großen Ferien, die in Hamburg am Donnerstag beginnen, für Formen des „sozialen Lernens“ aus. Kurz vor den Zeugnissen sinke zwar die Motivation der Schüler, dennoch könnte die Zeit sinnvoll für unterrichtsbezogene Ausflüge oder Projektwochen genutzt werden. Wie gehen wir miteinander um? Wie gestalten wir unsere Räume? Für Fragen wie diese bliebe während des Schuljahres häufig keine Zeit. Dass Schüler und Lehrer die letzten Wochen vor den Ferien vertrödeln, sieht Bensinger-Stolze nicht.

Ihr Kollege vom schleswig-holsteinischen Landesverband, Geschäftsführer Bernd Schauer, sieht das ähnlich. Projektwoche, Ausflug, sozialer Tag - „das ist ja kein Unsinn, sondern durchaus vernünftig“. Wenngleich es schöner wäre, Aktionen wie diese auch im Schuljahr anzubieten, bliebe dafür meist keine Zeit. Der Zeitraum nach der Notenvergabe sei deshalb eine gute Lösung. In Schleswig-Holstein ist am 20. Juli Ferienbeginn.„Sinnvolles Spielen ist nicht Rumdaddeln und Zeitverschwendung“, sagt Miriam Colombo aus dem Vorstand der Elternkammer Hamburg. Zum Schuljahresende sei Zeit für Dinge, zu denen Lehrer und Schüler sonst nicht kämen. Gleichzeitig sollten Sinn und Ertrag dieser Unternehmungen jedoch hinterfragt werden.

Auch die Hamburger Schulbehörde beobachtet das Phänomen des auslaufenden Schuljahres. Man heiße es nicht gut, wenn im Unterricht nur noch „eine Art von Betreuung“ stattfinde, sagte ein Sprecher. Filme und Ausflüge müssten in Bezug zum Unterricht stehen und anschließend in der Klasse besprochen werden. Aus dem Ministerium in Schleswig-Holstein heißt es: „Pädagogisch (...) ist diese Zeit nicht weniger wertvoll, als die Zeit vor den Zeugniskonferenzen.“ Laut Schulbehörde gibt es in Hamburg rund 240.000 Schüler, in Schleswig-Holstein sind es 378.000, teilte das Schulministerium mit.

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