Internationaler Tag der Milch : Kuh zu Besuch im Kindergarten – viele Aktionen rund um die Milch in SH

Am Tag der Milch sollen vor allem Kinder über das Lebensmittel informiert werden.
Am Tag der Milch sollen vor allem Kinder über das Lebensmittel informiert werden.

Milch trinkt fast jeder – doch unter welchen Bedingungen sie gewonnen wird, wissen viele nicht mehr. Bundesweit sollen Aktionen über das Lebensmittel aufklären. In Itzehoe kommt sogar eine echte Kuh in den Kindergarten.

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01. Juni 2015, 07:07 Uhr

Itzehoe | Zum internationalen Tag der Milch am Montag werden Milchviehalter und Bauernverbände bundesweit mit zahlreichen Aktionen über dieses Nahrungsmittel informieren. In Schleswig-Holstein etwa besuchen Landwirte Kindergärten, um Jungen und Mädchen zu erzählen, woher die Milch kommt. Die Kinder eines Montessori-Kinderhauses in Itzehoe bekommen sogar Besuch einer echten Kuh.

Zum Internationalen Tag der Milch informieren Verbände, Molkereien, landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen über Milch und Milcherzeugung. Der von der Welternährungsorganisation FAO initiierte Tag wurde von 1950 bis 2000 im Mai gefeiert, seit 2001 am 1. Juni.


Das Wissen über Produktionsabläufe von Nahrungsmitteln ist bei vielen Kindern und auch Erwachsenen nicht mehr vorhanden, sagte Klaus Dahmke vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Dies gelte nicht nur für Milch. Dabei ist Deutschland der EU-weit größte Milchproduzent.

Es gebe Tendenzen der Entfremdung, bestätigte auch Stephanie Dorandt vom Verein „information.medien.agrar (IMA)“ in Berlin. Große Unterschiede zwischen Stadt- und Landkindern gebe es dabei nicht. Auch in den Dörfern existieren nicht mehr überall Höfe. Dass eine Kuh, um Milch zu geben, ein Kalb gebären muss, wisse kaum jemand. Weit verbreitet sei auch die Annahme, in einer Molkerei werde gemolken - und nicht etwa die Milch weiterverarbeitet.

Früher war es wichtig zu wissen, woher man seine Lebensmittel, „das täglich' Brot“, bekommt, sagte Dorandt. Heutzutage könne jeder einfach in den Supermarkt gehen. Ihrer Ansicht nach sei es aber wichtig zu wissen, wo und wie Nahrungsmittel produziert werden. „Sonst kann ich ja keine bewusste Entscheidung zu meinem Konsum treffen“, sagte die promovierte Ernährungswissenschaftlerin.

Viele Kinder hätten keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und zu Herstellung von Lebensmitteln, meinte auch die Geschäftsführerin der Gemeinschaft der Milchwirtschaftlichen Landesvereinigungen, Ines Märkle-Coldewey. Oftmals werde die konventionelle Landwirtschaft diskriminiert, ohne zu wissen, wie dort gearbeitet werde.

Eine Studie aus dem Jahr 2010 fasst die Aussagen der damals mehreren tausend jugendlichen Teilnehmer zur Landwirtschaft so zusammen: „Man mag die Tiere auf dem Bauernhof, man mag die damit verbundenen Produkte, hat aber nur wenig Sinn für den Produktionsprozess.“

Um dem etwas entgegen zu setzen, öffnen viele Landwirte ihre Ställe und laden die Bevölkerung ein, Höfe zu besuchen und mit den Bauern zu diskutieren. Auf Schulbauernhöfen können Kinder in Produktionsabläufe hineinschnuppern und vielerorts kommen Landfrauen in die Schulen, um den Kindern zu zeigen, wie man Butter macht. „Der Tag der Milch ist nur ein Element“, sagte Bauernverbandssprecher Klaus Dahmke.

Das Bundesagrarministerium gibt die jährliche Milch-Produktion mit 31 Millionen Tonnen Milch an, etwa 2,0 Prozent davon aus ökologischer Erzeugung. In Deutschland gab es 2014 nach Angaben des Milchindustrie-Verbandes rund 4,3 Millionen Kühe; 1990 waren es etwa 6,3 Millionen. Die Kühe geben mittlerweile aber deutlich mehr Milch: 1990 waren es 4710 Kilogramm Milch pro Tier und Jahr. Jetzt sind es 7400 Kilogramm.

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