Jungvögel schlüpfen : Küken unterwegs: Autofahrer sollten auf Entennachwuchs achten

<p>Auf dem Weg zum nächsten Gewässer müssen die Entenfamilien leider auch immer wieder Straßen überqueren.</p>

Auf dem Weg zum nächsten Gewässer müssen die Entenfamilien leider auch immer wieder Straßen überqueren.

Ente, Gans oder Amsel – viele Küken schlüpfen derzeit und wandern piepsend umher. Nabu warnt: Hände weg von Jungvögeln.

von
18. Mai 2018, 17:30 Uhr

Kiel | Piepsend watschelt der Jungvogel durch das dichte Gras, entlang der Hauswand. Für viele Menschen ein herzzerreißender und anrührender Anblick. Doch auch wenn sie so aussehen – in den meisten Fällen brauchen die Küken keine menschliche Hilfe, betont Carsten Pusch, zweiter Vorsitzender des Naturschutzbundes Schleswig-Holstein (Nabu) und warnt vor vorschnellen „Rettungsaktionen“.

Der Nachwuchs mache vielleicht gerade einfach seine erste Geh- und Flugversuche. Die Eltern seien dann häufig ganz in der Nähe. Pusch appelliert daher: „Hände weg von den Jungvögeln." Nur wenn die Tiere sich etwa auf Straßen, Gehwegen oder in sonstigen Gefahrenzonen bewegten, könne man sie mal ein Stück weiter setzen. „Nur nicht zu weit. Der Rufkontakt zu den Eltern muss erhalten bleiben“, so Pusch.

Es gebe natürlich auch traurige Gründe für ein einsames Küken. „Es kann sein, dass der Jungvogel krank ist, die Eltern ihn selbst aus dem Netz gestoßen haben. Da sind Tiere rabiat“, so der Fachmann für Vogelschutz. Natürlich komme es auch vor, dass Elterntiere verunfallen oder gefressen werden – letztlich sei das aber schwer einzuschätzen. „Wir raten deshalb dazu, lieber einmal mehr alleine lassen, als aufsammeln. Zumal die Aufzucht eines Kükens sehr aufwändig ist – und war es krank, stirbt es trotz aller Bemühungen trotzdem.“

Vorsicht: Entenwanderung

Auch Enten sind in diesen Tagen wieder mit ihren Küken unterwegs. „Einige Mütter haben geschützt irgendwo gebrütet und machen sich jetzt auf den Weg zu einem Gewässer“, so Pusch. So geschehen etwa am Freitag auf der B76 in Kiel, Höhe Projensdorf. Auf Facebook warnte eine Userin. „Bitte passt auf. Es waren mal zehn, ein paar sind schon überfahren am Straßenrand. Sie lebt bei uns im Teich.“

<p>Gerade in dieser Jahreszeit sollten Autofahrer besonders wachsam sein, warnt der Nabu. </p>
imago

Gerade in dieser Jahreszeit sollten Autofahrer besonders wachsam sein, warnt der Nabu.

Pusch rät deshalb vor allem in dieser Jahreszeit, besonders wachsam zu fahren – vor allem in Gewässernähe. „Trotzdem gilt natürlich, sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.“

Eine andere Facebook-Nutzerin bittet in der Gruppe Kielbook ebenfalls um Rücksicht für den Nachwuchs. Auch im Kieler Schützenpark sind die Küken auf Entdeckungstour.

Screenshot
Screenshot
 


Küken von Enten, Gänsen, Hühnervögeln, Schwänen, Watvögeln und Rallen sind Nestflüchter, die von ihren Eltern oder einem Elternteil geführt werden. Irrt ein solches Küken über längere Zeit allein umher, sei es tatsächlich verlassen und brauche Hilfe, so der Nabu.

Kontakt zu Pflegestation aufnehmen

Es nützte jedoch nichts, ein verwaistes Entenküken einer anderen Entenmutter unterschieben zu wollen. „Sie wird es vertreiben oder sogar versuchen, es zu töten“, heißt es auf der Homepage. Gefiederte Findelkinder sollten dann am besten nach vorheriger telefonischer Kontaktaufnahme unverzüglich zu einer entsprechenden Pflegestation oder sonstigen fachkundigen Personen gebracht werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen