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Neue Datenschutzbestimmungen : Kritik an Googles Daten-Hunger

vom

Ein Regelwerk für 60 Dienste - Googles neue Datenschutzbestimmungen stoßen auf heftige Kritik. Die Verbraucherzentrale hat den Konzern abgemahnt.

Kiel | Es ist ein inzwischen altbekanntes Muster: Wenn Google neue Funktionen oder Dienste auf den Markt bringt, sind die Kritiker des Suchmaschinen-Giganten nicht weit. Seit März hat das kalifornische Unternehmen nun seine Datenschutzbestimmungen erneuert. Für die inzwischen mehr als 60 Dienste, die Google anbietet, gibt es jetzt nur noch ein einziges Regelwerk. Nutzerdaten aller Produkte werden gebündelt und ausgewertet. Das hat weltweit Proteste ausgelöst, die sich gegen die Neuerungen wenden.
Auch aus Schleswig-Holstein kommt Kritik. So schreibt Konstantin von Notz, Sprecher für Innen- und Netzpolitik der Grünen, im Blog "GrünDigital": "Der Vorstoß Googles steht in eklatantem Gegensatz zu den Datenschutzbekenntnissen des Unternehmens der vergangenen Jahre." Google schaffe risikoreiche Gesamtbestände. Nutzern bleibe nur die Möglichkeit, der Zusammenfassung ihrer Daten zuzustimmen. Von Notz fordert deshalb eine "Europäisierung und Internationalisierung unseres hohen Datenschutzstandards."
Nicht nur registrierte Nutzer sind betroffen
Betroffen sind nicht nur registrierte Nutzer der Google-Dienste, sondern jeder, der Google, Youtube und Co. nutzt, erklärt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein. Beim Betreten der Seiten werden sogenannte Cookies gespeichert, die das Surfverhalten der Nutzer auswerten. "Unser zentraler Kritikpunkt liegt darin, dass Google die Datenschutzbestimmungen ohne Wahlmöglichkeiten der Betroffenen einführt. So kann das Unternehmen Nutzerprofile für Werbezwecke erstellen", sagt Weichert. Er plane zusammen mit den deutschen Datenschützern gegen Google vorzugehen: "Das prüfen wir gerade."
Für einen sicheren Umgang mit den eigenen Daten empfiehlt der Datenschützer, alternative E-Mail- oder Suchmaschinendienste zu nutzen. "Den Browser sollte man so einstellen, dass dieser automatisch Cookies löscht, wenn er geschlossen wird", so Weichert.
Scharfe Kritik von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner
Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hat die neuen Datenschutzbestimmungen des Internet-Riesen ebenfalls scharf kritisiert. "Mit der Zusammenlegung der Daten hat das Unternehmen eine Kehrtwende vollzogen und alle Bedenken europäischer und US- amerikanischer Datenschützer ignoriert", sagte Aigner. "So verspielt man Vertrauen." Es bleibe völlig unklar, welche Informationen aus welchen Diensten zu welchem Zweck miteinander verquickt würden. Google müsse mit den europäischen Datenschützern zusammenarbeiten und volle Transparenz herstellen.
Google hatte erklärt, mit der Datenzusammenführung die Nutzung "unkomplizierter und intuitiver" machen zu wollen, etwa über bessere personalisierte Suchen. Zudem könne man so passendere Werbung anzeigen. Aigner kritisierte: "Die Lippenbekenntnisse und Kampagnen von Google zum Datenschutz sind nichts wert, wenn Google den Nutzern nicht einmal die Möglichkeit lässt, der Zusammenfassung der Daten zu widersprechen." Dies sei von einem Weltunternehmen zu erwarten. Wahlfreiheit für Nutzer sehe anders aus, als nur zustimmen zu können oder eben andere Dienste zu verwenden.
Die neuen Datenschutzbestimmungen haben auch den Verbaucherschutz auf den Plan gerufen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat den Internetkonzern am Freitag abgemahnt. Viele Klauseln seien zu unbestimmt formuliert oder benachteiligten unangemessen die Verbraucher. Bis zum 23. März hat Google nun Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben.

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erstellt am 07.Mär.2012 | 10:20 Uhr

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