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Umfrage des NDR : Kritik an Flüchtlingspolitik: MV fürchtet Islamisierung, SH klamme Kassen

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Norden zeigt sich unzufrieden mit der Flüchtlingspolitik. Die Sorgen und Ängste sind regional sehr unterschiedlich.

shz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 13:58 Uhr

Hamburg | Die  Asyl- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung erntet in Norddeutschland eine mehrheitlich ablehnende Haltung bei der Bevölkerung. 61 Prozent der Wahlberechtigten sind mit dem Kurs in Berlin weniger oder gar nicht zufrieden. Dies geht aus einer am Sonntag veröffentlichten Befragung von „infratest dimap“ hervor, die im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) erstellt wurde. 1004 wahlberechtigte Norddeutsche in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern wurden im Rahmen der Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ befragt.

Ein gutes Drittel (rund 36 Prozent) äußerte sich zufrieden mit der Politik der großen Koalition. Innerhalb der Regierungsparteien polarisiert die Flüchtlingspolitik stark. Bei den Anhängern der Nord-CDU (49 Prozent) wird der Kurs von Kanzlerin Angela Merkel etwas positiver gesehen, als bei den SPD-Anhängern (46 Prozent). Deutliche Ablehnung kommt aus den Reihen der AfD (99 Prozent) und von den Wahlberechtigten, die aktuell keiner Partei ihre Stimme geben würden (86 Prozent).

Jeder Zweite (52 Prozent) empfindet die Asylbewerber als Bereicherung für das Leben in Deutschland. 61 Prozent glauben, dass sie auf dem Arbeitsmarkt perspektivisch gebraucht werden. Es ist nicht unbedingt die hohe Zahl der Flüchtlinge, die die negative Haltung der Norddeutschen beflügelt. Vier von zehn zeigen sich beunruhigt über das Ausmaß der Flüchtlingswelle, sechs von zehn (58 Prozent) dagegen nicht. Mit wachsenden Straftaten rechnen vier von zehn Norddeutschen (40 Prozent).

Die regionalen Unterschiede fallend deutlich ins Gewicht. Die Sorge der Schleswig-Holsteiner begründet sich hauptsächlich auf der steigenden öffentlichen Verschuldung. 61 Prozent der Befragten richteten hier Haushaltsrisiken als Hauptkritikpunkt in Richtung Berlin. Bei den Hamburgern (61 Prozent) hingegen ist die verschärfte Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt die größte Sorge. Die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern erwiesen sich als deutlich distanzierter, was Zuwanderung angeht. Sie fürchten am ehesten einen zu starken Einfluss des Islams in Deutschland (68 Prozent in MV, 50 Prozent gesamt).

Auch eine soziale Spaltung kam in der Umfrage zu Tage: Wahlberechtigte mit niedrigem Bildungsabschluss erwiesen sich gegenüber Flüchtlingen als negativer eingestellt, als Norddeutsche mit höherem Bildungsniveau. Bezüglich der Integrationserwartungen geht das öffentliche Echo weit auseinander. Rund die Hälfte (47 Prozent) rechnet damit, dass sich die Flüchtlinge der Lebensweise und den Regeln in Deutschland anpassen werden. 46 Prozent erwarten dies nicht.

Die Umfrage war Teil der Dokumentation „Die Flüchtlinge. Wie verändern sie den Norden“. Sie wird am Montag, 7. Dezember um 21 Uhr, im NDR-Fernsehen ausgestrahlt.

 

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