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Weihnachtsschmuck : Krippenkunst aus Karton

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Papierkrippen kommen wieder in Mode. Ein Sammlerpaar zeigt im Museum Eckernförde eine internationale Auswahl historischer Objekte.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2008 | 05:30 Uhr

Die Welt auf Papier hat wieder Konjunktur. Waren Bastelbögen und Sammelbilder vor allem im 19. Jahrhundert begehrt, ist heute eine neuerliche Sammelleidenschaft auszumachen. Im Museum Eckernförde zeigt jetzt das Sammlerpaar Sieglinde und Udo Hergesell 70 internationale Papierkrippen zu den Festtagen.
Am Anfang der Ausstellung liegt eine schwere Steinplatte. Es ist ein Lithographie-Stein, von dem Abzüge gemacht wurden - in diesem Fall das Deckblatt einer Mappe mit Bastelbögen für eine Papierkrippe. Das Motiv ist schlicht: Eine bescheidene Hütte, Schafe, Ochse und Esel davor. Innen findet sich die heilige Familie sowie ein anbetender Hirte, über dem Dach schweben Engel. Das Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert, etwa um 1880 - eine Zeit, in der Papierobjekte und Sammelbilder besonders beliebt waren.
Erste Ausschneidebögen im 16. Jahrhundert
Schon im 16. Jahrhundert waren in Italien erste Ausschneidebögen für Papierkrippen bekannt. Von dort aus breiteten sie sich bald über ganz Europa aus. Aber auch in der Gegenwart gibt es wieder Millionen Interessenten für diese filigrane Kunst. Über 1000 Firmen bieten heute weltweit Modellbaubögen aus Papier oder Karton zu den unterschiedlichsten Themen an.
Ein privates Sammlerpaar hat sich nun schon jahrelang auf Krippen spezialisiert, besucht Kongresse, ist weltweit unterwegs: Sieglinde und Udo Hergesell aus Neunkirchen-Seelscheid bei Köln. Rund 2000 Krippen aller Art besitzen die Hergesells in allen Varianten - nicht nur aus Papier, sondern auch aus Holz, Glas, Metall oder Keramik - ja sogar Miniaturen in Nussschalen gibt es.
Krippenverbot im 18. Jahrhundert
In Deutschland entwickelte sich um 1700 Augsburg zu einem Zentrum für jene Ausschneidebögen. Aus dieser Zeit stammen etwa Holzschnitte von Franz Xaver Andress und Kupferstiche aus der Verlagsanstalt von Martin Engelbrecht. Kaum zu glauben, aber 1782 verbot der österreich-ungarische Kaiser Josef II. die Aufstellung dieser religiös begründeten Objekte in Kirchen und Klöstern. Viele Künstler standen damals ohne Arbeit dar, besonders diejenigen, die bis dahin die größeren Bretterkrippen gebaut hatten. Sie spezialisierten sich dann auf das Herstellen gemalter Papierkrippen, die gerne auch von der Bevölkerung gekauft wurden.
Aus der Barock- und Rokokozeit haben sich einige handgemalte Krippen erhalten, etwa von dem Maler Franz Seraph Zwinck (1748 - 1792) aus Oberammergau oder von Konrad Huber (1752- 1830) in Waldstetten. Deren originale Werke konnten sich natürlich nur wohlhabende Bürger leisten. So kamen Verleger auf die Idee, die Figuren in Bögen zusammenzustellen.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein hielten sich die barocken Motive, dann löste der Stil der Nazarener diese Mode ab. So entstanden "Orientalische Krippenbögen", wofür vor allem die Ausführungen von Josef Ritter von Führich (1800 - 1876) zum Vorbild wurden.
Mit Glimmer und Glas
Das ausschneidbare Massengut wurde in Deutschland um 1900 herum besonders durch den Esslinger Verlag J.F. Schreiber produziert sowie durch die Verlage Kühn, Bergemann, Oehmigke und Riemenschneider in Neuruppin. Modellierbögen und Faltkrippen kamen nun in großer Stückzahl auf den Markt. Durch Veredelungen wie Prägen, Lackieren, bestreuen mit Glimmer und Glas gerieten die weihnachtlichen Objekte immer prächtiger. Besonders Böhmen wurde zu einem Zentrum der Papierkrippen.
Bis in die 60er Jahre wurden in Deutschland Modellbögen gedruckt, dann kamen sie aus der Mode. Erst in den letzten Jahren scheint eine Rückbesinnung auf diese Tradition eingetreten zu sein. Sogar in den USA und auf den Philippinen werden alte Vorlagen von Faltkrippen wieder als Reprints herausgebracht.
Museum Eckernförde, bis 11. Januar. Dienstag bis Sonnabend 14.30 - 17 Uhr, Sonntag 11 - 17 Uhr. 24., 25., 31. Dezember sowie 1. Januar geschlossen.

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