Schweinegrippe in Lübeck : Kranker Säugling darf Uniklinik verlassen

Dem an Schweinegrippe erkrankten Säugling in der Lübecker Uniklinik geht es wieder gut. Der Junge soll voraussichtlich Freitag aus dem Krankenhaus entlassen werden.

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24. Juli 2009, 11:10 Uhr

Dem bundesweit ersten an Schweinegrippe erkrankten Säugling in der Lübecker Uniklinik geht es wieder gut. Der kleine Junge habe die Medikamente gut vertragen, er trinke ohne Probleme und werde voraussichtlich am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen, sagte der Oberarzt der Kinderklinik, Christoph Härtel, am Donnerstag. Das sieben Tage alte Baby war am Wochenende ins Universitätsklinikum Schleswig- Holstein in Lübeck gebracht worden, nachdem es sich auf der Geburtsstation eines Krankenhauses in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) mit dem Erreger angesteckt hatte. In einer Klinik in Brunsbüttel wird derzeit eine 22-Jährige wegen Schweinegrippe behandelt. Sie hatte sich nach Klinikangaben bei einem Urlaub auf Mallorca infiziert.
Auch in Hamburg breitet sich die Schweinegrippe weiter aus. Die Gesundheitsbehörde der Hansestadt hat seit dem Auftreten des neuen Influenzavirus H1N1 insgesamt 18 Erkrankungen gezählt, wie Sprecher Rico Schmidt am Donnerstag berichtete. "Aktuell gehen wir von etwa sechs Fällen aus." Es handele sich dabei um Reise-Rückkehrer, unter anderem aus Spanien. Bisher hätten alle Erkrankungen einen milden Verlauf genommen, betonte Schmidt. Die jetzigen Patienten seien alle in "häuslicher Isolation" und nicht in einer Klinik. Wegen der Ferienzeit gebe es derzeit am Hamburger Flughafen mehr Informationsbedarf: "Dort haben wir personell aufgestockt." Die Zahl bundesweit registrierter Schweinegrippe-Fälle ist dem Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zufolge innerhalb eines Tages um etwa ein Drittel auf rund 2500 hochgeschnellt.
"Die Übertragung durch Muttermilch ist sehr unwahrscheinlich"
Oberarzt Härtel sagte: "Dem Kind ist es nie richtig schlecht gegangen, es hatte nur einmalig hohes Fieber, als es zu uns kam. Wir haben uns dann nach Rücksprache mit den Eltern entschlossen, es mit einer sehr geringen Dosis des Grippemittels Tamiflu zu behandeln, obwohl das Medikament für Kinder unter einem Jahr nicht zugelassen ist." Trotz des Behandlungserfolgs und des bislang in Deutschland milden Krankheitsverlaufs gelten Neugeborene und Säuglinge als besonders gefährdet. "Bei ihnen kann es leichter zu Komplikationen kommen, da ihr Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist", sagte der Experte für Kinderinfektiologie.
Um das Immunsystem zu stärken, rät der Mediziner Müttern, ihre Babys unbedingt weiter zu stillen - auch wenn sie selbst Krankheitssymptome zeigen und Grippemedikamente bekommen. "Die Übertragung durch Muttermilch ist sehr unwahrscheinlich. Kranke Mütter sollten die Milch abpumpen und ihr Kind durch eine gesunde Person füttern lassen", rät er. Eine Übertragung des H1N1-Virus von der schwangeren Mutter auf das Ungeborene ist Härtel zufolge zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber sehr unwahrscheinlich. „Eine der infizierten Schwangeren auf der Entbindungsstation hat inzwischen ein völlig gesundes Baby zur Welt gebracht."
Die Krankenkasse DAK teilte am Donnerstag in Hamburg mit, das Infektionsrisiko lasse sich mit einfachen Hygieneregeln verringern. "Der beste Schutz ist gründliches Händewaschen nach dem Händeschütteln, der Benutzung von Toiletten und vor dem Essen", hieß es. Außerdem sollten bei Feiern oder im Urlaub nicht mehrere Menschen aus einem Glas trinken.

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