Gratis-Benzin : Kostenloser Sprit sorgte für Massenandrang

Die 'Freitank'-Aktion von R.SH sorgte für ein Verkehrschaos an der Straße. Foto: Kuhl
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Die "Freitank"-Aktion von R.SH sorgte für ein Verkehrschaos an der Straße. Foto: Kuhl

Riesen-Andrang an der Team-Tankstelle in Süderbrarup: Obwohl das kostenlose Tanken erst um 14 Uhr beginnen sollte, standen die Ersten bereits um 8 Uhr in der Schlange.

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15. März 2008, 03:24 Uhr

Das war gar nicht so dumm, denn um 12.30 Uhr waren schon 300 Autofahrer wegen Aussichtslosigkeit nach Hause geschickt worden. Wie viele es insgesamt waren ließ sich nicht mehr feststellen. Aber selbst diejenigen, die in der Warteschleife standen, schafften es nicht alle innerhalb der vorgegebenen Zeit von einer Stunde bis zu den beiden Tanksäulen vorzurücken. Dafür gab es dann Trostpflästerchen in Form von Werbegeschenken und Gutschein.
Erste in der Reihe war Edith Maß aus Süderbrarup. Sie war gerade dabei, ihren Sohn Marvin (6) für die Schule fertig zu machen, als sie die Meldung im Radio hörte. Nachdem sie ihn an der Schule abgeliefert hatte, fuhr sie zur Warteschleife, holte sich die Nummer eins und ließ ihren Wagen stehen, denn sie wohnt nur um die Ecke herum. Um 12 Uhr kam sie mit Sohn und Tochter Laurana (5) zurück und vertrieb sich die Zeit mit Spielen und dem Lösen von Hausaufgaben. Dumm war nur, dass sie am Abend vorher bereits für 25 Euro getankt hatte - jetzt gingen nur noch 42 Liter in den Tank.
Mit 3,05 Liter nahm ein Roller-Fahrer die kleinste Menge mit nach Hause
"Das ist ein absoluter Glücksfall für mich", meinte Martin Höpner aus Kappeln. Der ehemalige Freiberufler lebt von der Grundsicherung und hatte durch die Tankfüllung den finanziellen Freiraum für Unternehmungen mit seinen Kindern in den Osterferien bekommen. Er hatte dafür gesorgt, dass der 60 Liter Tank seines Opels bis auf einige Resttropfen leer war.
Ein auffälliges Bild in der Schlange ist der kleine Motorroller von Mirco Görtz. Er hat mit Startnummer 21 einen sicheren Listenplatz. Für den Gegenwert einer kompletten Füllung seines 5,2-Liter-Tanks wollte man ihm diesen Platz schon abkaufen. Doch er blieb hart. Das Erlebnis des kostenlosen Tankens war ihm wichtiger. Mit 3,05 Liter nahm er die kleinste Menge mit nach Hause. Matchwinner ist Patrick Lange aus Flensburg. Die Tankfüllung seines amerikanischen Vans hätte 127 Euro gekostet.
Die Autofahrer sind diszipliniert und können ihr Glück nicht fassen
Um 14 Uhr gibt R.SH-Moderator York Lange das Startsignal. Die Preisanzeigen an der Hauptstraße springen auf 0,00 Euro. Ein wildes Hupkonzert ertönt und der kostbare Saft läuft. Lange springt zwischen den Autos hin und her, gibt Tipps und Anfeuerungssprüche durch sein Megaphon und betätigt sich selbst als Tankwart. Die Autofahrer sind diszipliniert, können oft ihr Glück nicht fassen und machen bereitwillig den Platz frei für den Nächsten. Insgesamt 90 Fahrer - 10 mehr als in optimistischsten Schätzungen angenommen - greifen dabei 4200 Liter Kraftstoff ab. Zweimal müssen Autos geschoben werden. Einmal verhakt sich ein Schlüssel im Tankschloss und der Wagen kann nicht wieder gestartet werden. Ein anderes Mal ging dem allzu sparsamen Fahrer in der Warteschlange der Sprit aus.
Der Einzige, der in dieser Stunde an der Tankstellenkasse bezahlen musste, war Alfred Fleische. Er war am gesamten Trubel vorbeigefahren und hatte sich beim Autogas selbst bedient. Als er von der Aktion "Freitanktag" erfuhr, meinte er nur: "Ich muss heute 21,52 Euro bezahlen. Aber ihr habt morgen wieder die gleichen hohen Spritpreise."
"Ab jetzt müsst ihr leider wieder selber bezahlen"
Gegen Ende der Freitankstunde wurde das Geschehen schneller, blieb aber diszipliniert. Mit durchdrehenden Reifen fuhr Manja Färberg aus Dollerup mit dem "Pampersbomber 5" als letzte an die Tanksäule. Nach ihr sprach Moderator Lange die schicksalschweren Worte: "Ab jetzt müsst ihr leider wieder selber bezahlen."
Kevin Lorenzen, Geschäftsführer der team AG, freute sich über die Resonanz der Aktion, die seine Firma ungefähr 6000 Euro gekostet hat. "Es lief hervorragend. Das Zusammenspiel unseres Fachpersonals und der Promoter von R.SH war hervorragend." Aber vor allem war er begeistert von der positiven Stimmung der Menschen, die an diesem Ereignis teilgenommen hatten.

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