Mölln : Kopfschuss: Wer tötete die junge Türkin?

Ein Todesfall stellt die Polizei vor ein Rätsel. Im Keller eines Mehrfamilienhauses wurde eine junge Türkin gefunden - vermutlich gestorben an einem Kopfschuss.

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06. September 2009, 02:34 Uhr

Mölln | Eine Frau sitzt schreiend auf der Treppe eines Hauses in der Mühlenstraße in Mölln (Herzogtum Lauenburg). Es ist Donnerstagabend, gegen 21.30 Uhr, und in der Möllner Altstadt bahnt sich eine Tragödie an. Ein Anwohner hört die Schreie, findet die Frau. Dessen Freundin blickt durch ein erleuchtetes Kellerfenster, macht eine schreckliche Entdeckung: Eine Frau liegt in einer Blutlache. Es ist die 23-jährige Türkin Emine Öztürk*. Sie rührt sich nicht mehr. Der Keller gehört zum Haus ihrer Schwester, die schreiende Frau wohl zur Familie. Sie muss Emine gefunden haben und steht unter Schock.

Wenig später fährt die Polizei mit mehreren Streifenwagen vor, zwei Rettungswagen und ein Notarzt kommen. Helfen können sie der jungen Frau nicht mehr. Ermittler stellen eine Kopfwunde fest, finden in der Nähe des Leichnams eine Schusswaffe.
Es stellt sich die Frage nach einem fremdenfeindlichen Motiv
Für die eingeschaltete Mordkommission aus Lübeck beginnt noch in der Nacht die Spurensuche am Tatort. Vier Männer, so erzählen Augenzeugen, werden von der Polizei mitgenommen. Einer trägt weiße Tüten über den Händen, um Spuren zu sichern. Ein anderer trägt Handfesseln.

Nachdem die Spuren am Tatort gesichert sind, lassen die Beamten den Leichnam in die Lübecker Gerichtsmedizin bringen. Eine Obduktion soll nun Klarheit über die Todesursache geben. Ergebnisse lagen gestern noch nicht vor. Weder Mord noch Suizid schließt die Kripo aus.

Ist es Zufall, dass der Tatort in unmittelbarer Nähe zum Haus der türkischen Familie Arslan liegt, auf das im November 1992 Neonazis einen Brandanschlag verübt hatten? Drei Türkinnen kamen damals ums Leben. So stellt sich die Frage nach einem fremdenfeindlichen Motiv. Dafür gebe es jedoch "keine Hinweise", sagt Polizeisprecher Jan-Hendrik Wulff. Auch ein so genannter "Ehrenmord" als Motiv sei vorerst Spekulation. Es habe aber, räumt Wulff ein, zwischen Emine Öztürk und ihrem Ehemann, der ebenfalls türkischer Herkunft ist, Probleme gegeben. Emine Öztürk lebte nach Angaben des Sprechers seit fünf Jahren in Deutschland und arbeitete als Aushilfskraft.

*Name geändert

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